Weniger Diebstähle, mehr Drogendelikte

Mit 23'286 Straftaten musste sich die Polizei 2010 beschäftigen. (Trix Niederau/Archiv)
ST.GALLEN. Knapp 15 Prozent mehr Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz, rückläufige Zahlen bei den Diebstählen und bei der Jugendkriminalität: Das sind die Eckdaten der Kriminalstatistik des Kantons St.Gallen für das Jahr 2010. Insgesamt wurde ein Prozent weniger Straftaten registriert.
22. März 2011, 13:22
Schweizweit ging die Zahl der Straftaten um zwei Prozent zurück. 82 Prozent der 23'286 erfassten Straftaten im Kanton St.Gallen entfallen auf das Strafgesetzbuch (StGB), wie Bruno Fehr, Chef der St.Galler Kriminalpolizei, am Dienstag mitteilte. 70 Prozent dieser Taten waren Vermögensdelikte.

Zunahme im Fürstenland
In der Stadt St.Gallen haben die erfassten Straftaten nach StGB um 14 Prozent auf 6247 abgenommen. Auch in den Landregionen ist gesamthaft eine Abnahme zu verzeichnen. Zugenommen haben die Delikte lediglich in der Region Fürstenland-Neckertal und zwar um 8 Prozent.

Unter dem nationalen Durchschnitt
Der Kanton St.Gallen weist eine Häufigkeit von 49 Straftaten pro 1000 Einwohner auf. Damit liegt die Belastung deutlich unter dem nationalen Durchschnittswert von knapp 68 Straftaten. Täter waren vor allem junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren. Der Ausländeranteil lag mit 49,8 Prozent etwas höher als 2009 (48,8
Prozent). Bei den Straftaten nach StGB ist der Ausländeranteil von 46,5 auf 47,7 Prozent angestiegen.

Weniger Jugendkriminalität
Die Jugendkriminalität hat leicht abgenommen. 2010 wurden 1070 Delikte von Jugendlichen verübt; das sind 15,7 Prozent gegenüber 18,4 Prozent im Vorjahr. Der Ausländeranteil ging leicht auf 38,2 Prozent zurück.
Von 844 jugendlichen Straftätern haben 484 eine Straftat begangen, 360 oder 42,7 Prozent mehrere; wovon 64 Jugendlichen fünf bis zehn Straftaten und 22 Tätern über zehn nachgewiesen wurden.

Sinkende Hemmschwelle
Um 21,9 Prozent zugenommen hat bei der Jugendkriminalität die Zahl der mutwilligen Sachbeschädigungen. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Das veränderte Freizeit- und Ausgehverhalten sowie Alkoholkonsum rund um die Uhr liessen die Hemmschwelle sinken, ein Delikt zu begehen, sagte Fehr.

Drei Menschen getötet
Im Jahr 2010 wurden im Kanton St.Gallen drei Personen getötet. Abgenommen haben die Delikte gegen Leib und Leben. Verstärkte Kontrollen im öffentlichen Raum und Schnellverfahren bei Sportveranstaltungen haben zu einer Abnahme von 31 Prozent beim Raufhandel geführt.

30 Prozent mehr Vergewaltigungen
Rückläufig gegenüber dem Jahr 2009 waren die erfassten Straftaten gegen die sexuelle Integrität. Die Zahl der Vergewaltigungen nahm jedoch um 30 Prozent zu. Frauen mit Migrationshintergrund zeigten die Täter häufiger an, sagte Fehr.

Von den 16'342 Straftaten gegen das Vermögen entfallen 43,7 Prozent auf den Diebstahl. Diese haben gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent abgenommen. Die Raubdelikte haben um 17 Prozent abgenommen.
Zugenommen haben die Raubdelikte in der Stadt St.Gallen (+7,1 Prozent) und in der Region Linthgebiet-Toggenburg mit 13 Fällen (+85,7 Prozent). In den übrigen Regionen haben die Raubdelikte abgenommen. Die Zahlen sei sehr stark abhängig davon, wo Einbrecherbanden aktiv seien, sagte Fehr.

Zunahme von Indoor-Hanfanlagen
Bei den Drogendelikten entfielen knapp 50 Prozent der Fälle auf den Konsum. Konsumiert wurden vor allem Hanfprodukte. Seit der Einführung der Meldepflicht Anfang 2010 sind die Outdoor-Hanffelder von 14 auf 10 zurückgegangen. Dafür haben die Indoor-Hanfanlagen von 20 auf 26 zugenommen.

Der Kokainhandel ist weiterhin in der Hand afrikanischer Händler. Die Kantonspolizei hat 50 Westafrikaner ermittelt, die in wenigen Monaten bis zu 200'000 Franken nach Afrika überwiesen haben. Die Polizei (sda)

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