«SG 66»: Stadtführerin fühlt sich betrogen

SG 66 ⋅ ST.GALLEN. Vergangene Woche hat ein Gamser Unternehmer das Autokennzeichen SG 66 für 31'050 Franken ersteigert. «Ich war mal stolze Besitzerin dieser Nummer», sagt die 65-jährige Maria Hufenus aus St.Gallen wehmütig.
20. Juli 2010, 14:51
SG 66
DIANA BULA

Vor etwa zehn Jahren kurvte die St.Gallerin noch mit der ausgefallenen Autonummer herum. «Dann aber hat sie mir der Staat weggenommen», so Hufenus, die heute als Führerin Touristen die Gallusstadt näher bringt. Ein Vertreter eines Amtes habe «aus heiterem Himmel» angerufen und erklärt, dass der Kanton alle tiefen Nummern einziehe. Sie habe akzeptiert.

Vergangene Woche nun hat einen Anruf von ihrem Sohn erhalten. Er wies sie auf einen Artikel im St.Galler Tagblatt (vom Mittwoch, 14. Juli) hin, der von ihrem alten Kontrollschild handelte. Ein 70-jähriger Unternehmer aus Gams hatte «SG 66» für 31'050 Franken erstanden. «Nun weiss ich, weshalb ich meine Nummer nicht behalten durfte», sagt Hufenus und fährt fort: «Es wäre schön, wenn ich sie noch hätte – zumal ich nächstes Jahr meinen 66. Geburtstag feiere.» Gegen eine «kleine Kommission» hätte die St.Gallerin nichts einzuwenden. «Das wäre noch fair», meint sie lachend.

Lustig und merkbar
Zu «SG 66» war die St.Gallerin damals über ihren Mann gekommen. «Dieser arbeitete bei einem Transportunternehmen und konnte dort ein Kontrollschild mit tiefer Nummer beziehen», erzählt sie. Sie habe sich eine «lustige» Nummer gewünscht – und eine erhalten. «Fragte mich jemand nach dem Autokennzeichen, antwortete ich mit <I bi zweimol sexy>.» Heute zählt sich Maria Hufenus zu den «älteren Damen». «Sexuell anziehend» müsse sie daher nicht mehr sein, scherzt sie.

Jeder habe sich «SG 66» merken können – «leider auch die Polizei». Glücklicherweise führe sie «ein braves Leben», so Hufenus.

Keine Abtretung erlaubt
Georges Burger, Leiter des Kantonalen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts, hat Verständnis für die Reaktion der St.Gallerin. «Viele Autofahrerinnen und Autofahrer bauen zu ihrer Nummer mit der Zeit eine emotionale Bindung auf», sagt er. Burger bestreitet, dass der Kanton das «SG66»-Kontrollschild vor rund zehn Jahren grundlos eingezogen habe. «Abtretungen innerhalb der Familie oder von Firmen an Private waren nicht erlaubt», so Burger. Vermutlich habe Maria Hufenus deshalb ihre Autonummer abgeben müssen.

Anders als heute liess der Kanton St.Gallen damals tiefe Kennzeichen nicht versteigern. «Statt sie im Lager zu stapeln, rüstete man Fahrzeuge des Kantons und der Gemeinden damit aus», weiss Burger. Vor einigen Jahren beschloss der St.Galler Kantonsrat, es anderen Kantonen gleich zu tun – und tiefe Autonummern fortan zu veräussern. Seit 2008 kommen Interessierte so an zwei-, drei-, vier-, fünfstellige sowie besondere Kennzahlen. Der Erlös dieser Auktionen fliesst laut Burger in den Strassenfonds. Aus diesem erhalten Gemeinden jährlich einen Beitrag, auch werden damit neue Kantonsstrassen finanziert.

Auf diesen ist Maria Hufenus nach wie vor unterwegs. Heute mit einer sechsstelligen Nummer.


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