Doppelt so viele Tötungsdelikte

ST.GALLER KRIMINALSTATISTIK ⋅ Im Kanton St.Gallen ist es im vergangenen Jahr zu doppelt so vielen vollendeten- und versuchten Tötungen gekommen wie noch 2015. Auch die Zahl der schweren Körperverletzungen hat stark zugenommen. Im Grossen und Ganzen wurden 2016 jedoch leicht weniger Straftaten erfasst als noch im Jahr zuvor.
Aktualisiert: 
27.03.2017, 11:00
27. März 2017, 10:00
Tim Naef
In der heute veröffentlichten Kriminalstatistik des Kantons St.Gallen zeichnet die Kantonspolizei ein vorsichtig optimistisches Bild: "Allgemein nimmt die Kriminalität eher ab, deren Komplexität jedoch stark zu." Die Gesamtkriminalität 2016 liegt bei 25'653 erfassten Straftaten, was eine Abnahme von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Die Aufklärungsquote beträgt 58,8 Prozent.

Gleich wie im Vorjahr waren männliche Personen im Alter von 20 bis 29 Jahren die häufigsten Beschuldigten. Der Ausländeranteil lag 2016 bei 51,5 Prozent, war in der langjährigen Norm liegt (Vorjahr 50,7 Prozent)

 14 versuchte und vollendete Tötungsdelikte
Ein Blick in die St.Galler Kriminalstatistik zeigt einen starken Anstieg der versuchten und vollendeten Tötungsdelikte: Waren es 2015 noch sieben Fälle, wurden im vergangenen Jahr deren 14 registriert. Auch die Zahl der schweren Körperverletzungen ist von 13 (2015) auf 21 gestiegen.


Positiv zu erwähnen ist, dass die Kantonspolizei St.Gallen sämtliche Tötungsdelikte aufklären konnte. Bei den schweren Körperverletzungen liegt die Quote bei 91 Prozent, bei den Delikten gegen Leib und Leben bei deren 90 Prozent.

Höhere Kriminalität in der Stadt
In der Stadt St.Gallen gab es im Verhältnis zur Bevölkerung mehr als doppelt so viele Strafteten wie im übrigen Kantonsgebiet. Fallen in der Stadt 61 Straftaten auf 1000 Einwohner, sind es auf dem Land deren 30. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Straftaten aber in sämtlichen Regionen abgenommen. Die stärkste Abnahmen haben die Stadt St.Gallen (-8%) und das Fürstenland-Neckertal (-7%) zu verzeichnen.

Im ganzen Kanton um zwölf Prozent zugenommen haben die Betäubungsmitteldelikte. Den grössten Teil davon machten der Konsum und der Besitz von Drogen aus. Auch beim Handel, dem Anbau und der Herstellung von Drogen waren die Zahlen steigend.

Tiefe Aufklärungsquote bei Einbrüchen
Zwar konnte die Aufklärungsquote bei Einbrüchen gesteigert werden, wirklich aufgeklärt wird allerdings immer noch nur jeder vierte Einbruch. Die Kantonspolizei St.Gallen verweist dabei auf das schwierige Ermittlungsumfeld. So fehlen bei Einbruchsdelikten meist die Ermittlungsansätze, da Täter und Opfer meist keinen Bezug zueinander haben und die Täter vielfach aus dem Ausland stammen.

 

Alle Tötungsdelikte von 2016

 

16.04.2016 Versuchte Tötung in St.Gallen, Burgstrasse - Der Beschuldigte schoss mit einer Schusswaffe vom Kinderspielplatz her zweimal auf den Geschädigten.
 

02.05.2016 Tötungsdelikt in Lichtensteig - Der Geschädigte wurde von seinen beiden Töchtern als vermisst gemeldet. Nach Durchsuchung des Hauses und der Wohnung konnte der Vermisste tot unter seinem Bett gefunden werden. Der Beschuldigte wurde im Januar 2017 von Thailand nach St.Gallen ausgeliefert.

12.05.2016 Tötungsdelikt in St.Gallen, Webergasse - Der Beschuldigte trat auf der Webergasse an das Opfer heran und schoss ihm mit unbekannter Handfeuerwaffe aus nächster Distanz in den Kopf.

Am frühen Donnerstagmorgen ist an der Webergasse in St.Gallen ein Mann erschossen worden. Beim Opfer handelt es sich um einen 42-jährigen Kosovaren. Die Fahndung nach dem Täter wurde eingeleitet.



25.05.2016 Versuchte Tötung in St.Gallen, St. Jakob-Strasse - Der Beschuldigte begab sich zur Liegenschaft St. Jakob-Strasse 93, um Drogengeschäften nachzugehen. Nach einer körperlichen Auseinandersetzung eskalierte der Streit, und es kam zu einer mehrfachen Schussabgabe.

  • Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt.
  • Vor dem Schuss ist es zu einem Streit zwischen mehreren Personen gekommen.
  • Es wurden immer mehr Einsatzkräfte aufgeboten.

Schon wieder Schüsse in St.Gallen: Der Vorfall hat sich an der St.Jakobstrasse ereignet. Laut der Kantonspolizei St.Gallen ist der Schuss in Zusammenhang von Drogengeschäften gefallen. (Bilder: Raphael Rohner/FM1Today)


13.08.2016 Tötungsdelikt und versuchte Tötung in Salez - Der Beschuldigte begab sich mit Brandbeschleuniger und mit mehreren Messern in den Zug. Während der Zugsfahrt von Buchs nach Sennwald be-spritzte er eine junge Frau mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie an, worauf weitere Zugspassagiere in Brand gerieten. Danach stach er auf eine Zugspassagierin ein. Der Beschuldigte fügte sich in der Folge selber mit dem Messer Schnitt- und Stichverletzungen zu, an denen er später ver-starb. Durch die Flammen und die Messerstiche wurden inkl. dem Beschul-digten 3 Personen getötet und 3 verletzt.

Ein 27-jähriger Schweizer hat am frühen Samstagnachmittag in einem Zug der Südostbahn im Rheintal eine brennbare Flüssigkeit über eine Frau geschüttet und dabei einen Brand ausgelöst. Zudem stach er auf mehrere Zugpassagiere ein. Er verletzte sechs Personen schwer. Das Tatmotiv ist noch nicht bekannt. (Bilder: Keystone)


27.09.2016 Versuchte Tötung in St.Gallen, Iddastrasse - Nach einem verbalen/tätlichen durch den Beschuldigten verursachten Streit mit seinem Vater und seinem Bruder behändigte der Beschuldigte das Ta-schenmesser des Vaters und stach damit zuerst auf seinen Bruder und dann auf seinen Vater ein.

26.10.2016 Tötungsdelikt in Bronschhofen - Die Geschädigte wurde durch den Beschuldigten erwürgt bzw. erstickt. (tn)


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