Exponiert

Bestseller Gebetbuch

25. Mai 2009, 01:04
YVONNE BUGMANN

Wer glaubt, junge Leute interessierten sich nicht für Gott, liegt falsch. Wer glaubt, Bücher zu religiösen Themen verstaubten in den Regalen von Buchhandlungen, irrt ebenfalls. Denn soeben konnte Jungautor Stephan Sigg die dritte Auflage seines Buches «Treibstoff: Zündende Gebete zu brennenden Fragen» drucken; bereits 20 000mal hat sich das Gebetbuch für junge Menschen verkauft.

Der gebürtige Rheinecker ist gerade mal 25 Jahre jung und hat schon über 20 Bücher veröffentlicht, von Romanen über Krimis und Kurzgeschichten bis zu Religions-Lehrmitteln und Kinderbüchern. Vor einem Jahr hat Stephan Sigg sein Theologiestudium in Chur abgeschlossen, nun arbeitet er Teilzeit beim katholischen Mediendienst in Zürich, wo er für das Internetportal kath.ch zuständig ist. Im Rheintal gibt er Religionsunterricht, nebenbei schreibt er.

Auch für Nichtgläubige

Zum Gespräch erscheint Stephan Sigg pünktlich im Café, beantwortet freundlich alle Fragen, lächelt viel. Trotz seines Erfolgs blieb er bescheiden. Dass sich «Treibstoff» so gut verkaufte, nennt er einfach «Glück», ergänzt dann aber doch: «Viele Faktoren passten. Das Buch war etwas total Neues, zum erstenmal wurden religiöse Fragen auf moderne Art gestellt.» Der Erfolg von «Treibstoff» freut und beeindruckt ihn. Vor allem, weil das Thema «nicht gerade auf einer Bestsellerliste steht».

Sogar in Gottesdiensten, Jugendgruppen und im Religionsunterricht käme das Buch zum Einsatz, und es spreche auch Nichtgläubige an.

Der Sinn des Lebens

In dem Buch geht es um den Sinn des Lebens, um den Umgang mit der Schöpfung, aber auch um die Frage, warum Gott Leid zulässt. Es handelt von Fragen, «die sich Jugendliche stellen», erläutert Sigg.

So kommt er auch zu seinen Themen: Er beobachtet die Leute, hört sich um, schaut, was gerade in den Medien aktuell ist. Meistens arbeitet er an zwei, drei Büchern gleichzeitig, legt sie dann zur Seite, um sie «wachsen und gedeihen» zu lassen.

Abendmahl als Abschiedsparty

Geschichten schreiben sei schon immer sein grösstes Hobby gewesen. Stephan Sigg findet es spannend, Sachen zu kreieren und zum Leben zu erwecken.

«Ich brauche das Schreiben, es würde mir etwas fehlen, wenn ich die Gedanken nicht ausdrücken könnte, die mich beschäftigen.» Es ist dem Autor ein Anliegen, seinen Lesern einen neuen Zugang zum Glauben, zur Bibel zu ermöglichen, Dinge in neue Zusammenhänge zu stellen. Er versteht manchmal, warum so wenige junge Leute in die Kirche gehen: «Sie fühlen sich nicht angesprochen. Viele Begriffe sind nur Worthülsen.

» Sein Ziel ist es, in seinen Büchern möglichst konkret zu werden, Themen in die heutige Sprache zu übertragen, in den heutigen Kontext zu stellen. «So werden sie plausibel und erhalten eine neue Aktualität.» Das letzte Abendmahl erklärt er beispielsweise mit der Atmosphäre bei einer Abschiedsparty.

Doch nicht immer läuft es rund: Anfang Jahr hatte Stephan Sigg mit einer Schreibblockade zu kämpfen. Er blieb geduldig, wartete, bis die Blockade vorbei war.

Hauptberuflich zu schreiben könnte er sich nicht vorstellen, da es immer wieder Phasen gebe, an denen man blockiert sei. «Schreiben als Hauptberuf wäre ein riesiger kreativer Druck.» Schreiben sei zudem ein einsamer Job, «man sitzt alleine vor dem Computer», sagt Sigg.

Verantwortung übernehmen

Religion hatte immer einen zentralen Platz in Stephan Siggs Leben. Der Glaube an Gott gibt seinem Leben einen Sinn. Wichtig ist für ihn das Zwischenmenschliche, der Umgang miteinander.

«Wir haben eine riesige Verantwortung, nicht nur für unsere Nachbarn, sondern auch für die Menschen in der Dritten Welt», erklärt Stephan Sigg. Deshalb engagiert er sich auch für den Fair-Trade-Verein Terrafair, um «auf einfache Art dazu beizutragen, dass die Welt ein bisschen gerechter ist».


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