"Ein riesiges Puzzle"

Aufwendige Arbeit: Die Spurensicherung am Tatort. (Urs Bucher)
ST.GALLEN. Im Kanton St.Gallen sind im November, Dezember und Januar rund 630 Einbrüche verübt worden. Gleichzeitig ermittelte die Polizei 60 Täter – festgenommen wurden 34 von ihnen. Teils müssen Beamte mit Verdächtigen die Tatorte abfahren, weil die Leute gar nicht mehr wissen, wo sie eingebrochen haben.
10. Februar 2015, 15:16
Daniel Walt
Die Polizei schaut den Einbrechern untätig zu – sie büsst lieber Autofahrer, die falsch parken oder zu schnell unterwegs sind. Dieses Pauschalurteil ist immer wieder an Stammtischen zu hören oder in Online-Kommentarspalten zu lesen. "Wir wollen diesbezüglich Gegensteuer geben und aufzeigen, dass wir aktiv sind und unsere Ermittlungen auch etwas bewirken", sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der St.Galler Kantonspolizei. Deshalb haben die Verantwortlichen am Dienstag per Medienmitteilung Rechenschaft über Einbrüche und Ermittlungserfolge in den vergangenen drei Monaten abgelegt.

Niveau gleichbleibend hoch
Im Kanton St.Gallen wurden in den Monaten November, Dezember und Januar rund 630 Einbrüche gezählt. Zu etwa einem Drittel waren Geschäftsliegenschaften betroffen - grossmehrheitlich brachen die Täter aber in Wohnbereiche ein. Insgesamt stahlen die Einbrecher Geld und Gegenstände im Wert von rund 2,1 Millionen Franken und verursachten dabei einen Sachschaden von 670'000 Franken. "Allgemein lässt sich sagen, dass das Niveau der Einbrüche gleichbleibend hoch ist", sagt Gian Andrea Rezzoli. Genaue Vergleiche zu früheren Jahren lassen sich derzeit noch nicht ziehen: "Wir haben jetzt einfach einmal einen Abschnitt von drei Monaten genauer angeschaut. Die Kriminalstatistik wird dann im März vorliegen", sagt Rezzoli.

Rumänen prominent vertreten
In den Monaten November, Dezember und Januar ist es der St.Galler Kantonspolizei nach eigenen Angaben gelungen, 56 Männer und vier Frauen zu ermitteln, die eines Einbruchs verdächtigt werden – sei es, dass dieser in dieser Periode stattfand, sei es, dass er schon früher verübt wurde. 35 der 60 Verdächtigen wurden aufgrund ihrer Fingerabdrücke oder ihrer DNA identifiziert. Ein Drittel der mutmasslichen Einbrecher sind Schweizer. Die übrigen zwei Drittel stammen laut Gian Andrea Rezzoli aus folgenden Nationen: Albanien, Algerien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Georgien, Italien, Kosovo, Libyen, Montenegro, Nigeria, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Türkei, Tunesien und Ukraine. "Prominent vertreten sind die Rumänen", sagt Rezzoli.

Elf zur Verhaftung ausgeschrieben
34 der 60 Tatverdächtigen hat die Polizei verhaftet - "entweder vorübergehend, oder dann wurden die Personen in Untersuchungshaft genommen, wenn sie mehrerer Tatbestände verdächtigt wurden und Fluchtgefahr bestand", sagt Gian Andrea Rezzoli. Die Festgenommenen waren zwischen 19 und 45 Jahre alt. Die restlichen 26 Personen sind der Polizei zwar namentlich bekannt. Entweder wurden sie aber noch nicht befragt, oder die Polizei weiss nicht, wo sie sich derzeit aufhalten. Insgesamt elf Verdächtige, die meisten aus dem Ausland, sind laut Rezzoli deswegen zur Verhaftung ausgeschrieben.

Tatorte abfahren
"Eine Häufung von Einbrüchen stellen wir generell in der Nähe von Autobahnen und im grenznahen Bereich fest", sagt Gian Andrea Rezzoli weiter. Oftmals kämen die Täter in die Schweiz, verübten den Einbruch und verschwänden dann wieder. Dementsprechend wichtig ist die internationale Zusammenarbeit via Interpol: "Haben wir nach einem Einbruch beispielsweise das DNA-Profil einer unbekannten Person, wird dieses mit Spuren in anderen Ländern verglichen. Dann stellen wir beispielsweise fest, dass die entsprechende Person auch in Deutschland oder Frankreich Einbrüche verübt hat. Oder sie kann irgendwann identifiziert werden", sagt der Polizeisprecher.

Ganz grundsätzlich betont Gian Andrea Rezzoli den Aufwand, der bei Ermittlungen nach Einbrüchen getrieben wird – "ein grosses Puzzle", wie Rezzoli sagt. Die Polizei gleicht Spuren an Tatorten und Vorgehensweisen der Einbrecher ab. Gibt es einen Verdächtigen, muss sie abklären, wann dieser in der entsprechenden Gegend war und für welche Einbrüche er in Frage kommt. Dann kommt es zur Einvernahme – und nicht selten muss die Polizei mit dem Verdächtigen die möglichen Tatorte sogar abfahren. "Die Leute wissen teils selbst nicht mehr, wo genau sie eingebrochen haben", sagt Rezzoli.
 

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