Zerstörungswut in Gossau: Wahlplakate verunstaltet

VANDALISMUS ⋅ Im Gossauer Wahlkampf geht es heftig zu und her - derart, dass Unbekannte mehr Wahlplakate als in anderen Jahren zerstören. Der SP-Präsident spricht von einer politischen Unkultur.
13. November 2017, 18:12
Angelina Donati
Der Wahlkampf in Gossau nimmt Fahrt auf. Fast schon im Stundentakt wird die Gossauer Redaktion des "St.Galler Tagblatts" mit neuen Leserbriefen zu den Stadtpräsidents- und Stadtratswahlen beliefert. Einige Stimmbürger hauen dabei ziemlich erbost in die Tasten. Doch damit nicht genug: In den vergangenen Tagen und Wochen brach sich eine regelrechte Zerstörungswut an Plakaten von Politikern den Bann Dass auf Wahlplakaten gerne gekritzelt wird, sie auch abgerissen oder zerstört werden, ist nicht neu. Dieses Mal aber scheint das Ausmass der Beschädigung grösser als in anderen Jahren.
 

"Gezielt verübt worden"

Auffällig ist ausserdem, dass vor allem die Kandidaten der SP und der Freien Liste Gossau (Flig) ihr Fett wegbekommen. Diesen Eindruck hat auch Alfred Zahner, Parteipräsident der Flig. Beim zufälligen Vorbeigehen ist er gleich auf einige demolierte Plakate gestossen. "Aus meiner Sicht sind die Vandalenakte gezielt verübt worden und richten sich gegen die Parteien." Dass sich die Vorfälle an unterschiedlichen Orten in Gossau zugetragen haben, festigt seine Meinung. Am Standort im Oberdorf führt ausserdem nicht einmal ein Fussweg vorbei, sondern nur eine stark befahrene Strasse: "Der Übeltäter musste demnach zuerst das Auto parkieren, aussteigen, das Plakat abreissen und sich danach wieder ins Fahrzeug begeben." Halt machen die Zerstörer auch nicht vor einem Plakat, das auf einem eingezäunten Grundstück steht. Nur noch der Schriftzug lässt erahnen, dass es sich hier um Flig-Stadtratskandidat Stefan Harder handelt.
 

"Plakate der SP werden mehr beschädigt"

Die SP-Gegner fahren mit noch härteren Geschützen auf: Statt die Plakate "nur" zu verunstalten, stehlen sie sie einfach. Gleich mehrere Plakate seien weggekommen. "Plakate zu zerstören ist eine politische Unkultur geworden", sagt SP-Parteipräsident Ruedi Blumer. Es könne sich hierbei um Leute handeln, die aus Langweile Blödsinn machen oder die Tat auch aus falsch verstandenem Mut verüben. Oder eben solche, die sich mit ihrer Aktion gezielt gegen eine Partei richten. "Keine Partei wird von solchen Vandalenakten verschont. Plakate der SP werden aber mehr beschädigt als solche der Bürgerlichen", sagt Blumer. Nicht zuletzt deshalb setzt die SP einen selbst ernannten Plakate-Kontrolleur ein. Zwei Mal wöchentlich zieht dieser seine Runden und sieht nach dem Rechten. Wo ein Plakat fehlt oder zerstört ist, wird es mit einem extra erstellen Reserveplakat ersetzt.


"Manchmal ist es der Wind"

Von der Möglichkeit, Anzeige gegen Unbekannt einzureichen, sehen Zahner und Blumer ab. "Weil wohl kaum ein Fall aufgeklärt werden könnte, bringt es nicht viel", sind sich die Parteipräsidenten einig. Zahner überlegte sich erst, Leute für Hinweise zu belohnen, kam dann aber von dieser Idee wieder weg. Dass wegen beschädigter Plakate kaum Anzeigen erstattet werden, bestätigt auch die Kantonspolizei. Manchmal sei es auch der Wind, der die Plakate dem Boden gleichmache, sagt Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli.

Auch das Plakat von Monika Gähwiler-Brändle in der Bahnhofunterführung musste dran glauben.

Auch das Plakat von Monika Gähwiler-Brändle in der Bahnhofunterführung musste dran glauben.

"Sticht wenigstens heraus"

Überhaupt nicht lange konnte sich das dreiteilige Plakat von SP-Stadtratskandidatin Monika Gähwiler-Brändle in der Unterführung am Gossauer Bahnhof halten. Bereits am zweiten Tag war ein Teil abgerissen, und am vierten Tag war das Plakat kaum mehr erkennbar. "Das Positive daran ist, dass das Plakat dadurch aus der Masse heraussticht", sagt Blumer. Auf eines seiner Wahlplakate sei bei den vergangenen Kantonsratswahlen ein Fadenkreuz gesprayt worden. "Das war makaber und unangenehm", erinnert er sich. "Wenn man politisiert, steht man aber nun mal im Schaufenster und muss damit umgehen können."
 

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