Wenn Licht durch die Dunkelheit bricht

EINSTIMMUNG AUF WEIHNACHTEN ⋅
21. Dezember 2017, 06:25
Sebastian Schneider

Es ist noch relativ ruhig im Dorf. Nur Vereinzelte sind mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit, Lastwagen fahren keine über die Strassen. Der Tag hat noch nicht richtig begonnen. Dennoch sind im Waldkircher Dorfzentrum zahlreiche Fussgänger unterwegs. Sie laufen über die vereisten Trottoirs Richtung Kirche, die mit hellem, weissem Licht so stark beleuchtet ist, dass kein Glockengeläut nötig ist, um auf das Gotteshaus aufmerksam zu machen. Viele der Fussgänger sind Schülerinnen und Schüler. «Wir haben gerade noch genug Zeit», sagt ein Mädchen zu ihrer Freundin. Um 6.50 Uhr müssen sich die Schulklassen vor der Kirche versammeln. Nur zehn Minuten danach beginnt der Rorate-Gottesdienst. Die Müdigkeit scheint der Aufregung zu weichen. Denn nun ist die ganze Waldkircher Oberstufe zusammengekommen, um der Feier in der Pfarrkirche St. Blasisus beizuwohnen.

 

Während sich die Kirche füllt, ist hie und da ein «Psst» eines Erwachsenen zu hören. Die Bläsergruppe der Oberstufe Bünt, die zum Einstimmen weihnachtliche Melodien spielt, übertönt das Geflüster aber weitgehend. Und auch wenn es ein bisschen lauter als an einem Sonntagmorgen sein mag: Die Kirche ist mit Schülern, Familien und weiteren Gläubigen gut gefüllt. Pfarreileiter Henryk Kadlubowski freut es, dass an diesen Feiern alle Schüler anwesend – egal, ob sie katholisch, reformiert, muslimisch oder konfessionslos sind.

 

Die Musik, die Morgenstimmung und das Licht der Kronleuchter und der Dutzenden Kerzen erzeugen eine Stimmung der Ruhe und Besinnlichkeit. Die Waldkircher bereiten sich in einem einfach gehaltenen ökumenischen Gottesdienst auf Weihnachten vor. Auch Kadlubowski und sein evangelisch-reformierter Kollege Erich Wagner reduzieren ihr Botschaften aufs Wesentliche. Auf das Licht, das die Dunkelheit durchbricht. Auf das Licht der Kerzen. Und auf die Geschichte und Bedeutung des Adventskranzes. Die Schule gestaltet den Gottesdienst mit der Bläsergruppe und mit dem Chor mit. Begleitet von Klavier, Gitarre und sanftem Schlagzeug singen die Schülerinnen und Schüler englische Weihnachtslieder. Fürbitten, das Vater Unser und wenige Worte der beiden Pfarrer. Keine Dreiviertelstunde dauert es, bis Kadlubowski den Zmorgen ankündigen darf. Im Pfarreizentrum hat es allerdings nicht für alle Kirchgänger Platz, weshalb die Oberstufenschüler im Schulhaus frühstücken.

 

Ursprünglich wurden Rorate-Gottesdienste zu Ehren der heiligen Mutter Gottes gefeiert. Seit der Anpassung der Liturgie durch das zweite Vatikanische Konzil in den 1960er-Jahren wurde die Praxis geändert. Heute steht das Licht im Mittelpunkt der Feiern. Dies ist auch ein Grund, weshalb die Rorate frühmorgens gefeiert wird. «Weil das Tageslicht die Dunkelheit der Nacht verdrängt», erklärt Kadlubowski.

 

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch


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