Welpen im Schnüffelparadies

GOSSAU ⋅ Der Walter-Zoo ist der einzige Zoo der Schweiz, in dem Hunde erlaubt sind. Regelmässig nutzen auch Hundeschulen diese Gelegenheit zum Üben. Ein Chäferfest – nicht nur für die Hunde.
22. September 2017, 17:14
Corinne Allenspach
Sie heissen Gino, Elli oder Malou, sie sind wenige Wochen alt, und sie haben schon kurz nach Betreten des Zoos das Chäferfest. Aufgeregt zerren die Rehpinscher-, Chihuahua-, Labrador-, Husky-, Pitbull- und Retriever-Welpen an ihren Leinen und wissen kaum, wo sie ihre Nase als erstes hineinstecken sollen. Schliesslich sind die Hunde zum ersten Mal in einem Zoo.

Manuela Albrecht beobachtet die Szenerie eine Weile lang amüsiert. Die Tierpsychologin und Hundetrainerin, die in Wittenbach eine Hundeschule betreibt, kommt immer mal wieder mit einer Gruppe Hundehaltern in den Walter-Zoo, denn sie weiss: «Ein Zoo ist ein Schnüffelparadies für Hunde.» Die Wildtiere verströmen einen speziellen Geruch, für Hundenasen rieche darum «alles so komisch».

Der Ausflug ist aber «kein Ferienbummel», wie Manuela Albrecht den Hundehaltern auf dem Rundgang immer wieder einschärft. Vielmehr ist das Ziel, dass die Halter ihre Hunde genau beobachten, und sofort richtig reagieren, falls die Welpen bellen oder an einem Gehege hochspringen. Doch dazu bleibt vor lauter Schnüffeln gar keine Zeit. Weil der Boden vom Regen nass ist, riecht alles noch intensiver für die empfindlichen Hundenasen.
 

Auch die Zootiere geniessen das Spezialprogramm

Aber nicht nur die Hunde scheinen das Spezialprogramm zu geniessen, sondern auch die Zootiere. Kamele, Esel, Zwerggeissen, Zebras, Yaks, Emus und Co. kommen sofort heranspaziert und beäugen die tierischen Besucher neugierig, zum Teil fast Schnauze an Schnauze. Für Giulia Boschetti, im Walter-Zoo für Events zuständig, ist das keine Überraschung. «Unsere Tiere sind sich seit Jahrzehnten an Hunde gewöhnt», sagt sie. Denn dass der Walter-Zoo als einziger Zoo der Schweiz Hunden praktisch uneingeschränkten Zutritt gewährt, hat eine lange Tradition. «Bereits Walter Pischl, der den Tierli Walter vor über 50 Jahren gegründet hat, hatte immer einen Hund», sagt Giulia Boschetti. Und auch die Familie Federer habe selber Hunde. Darum, und weil man viele positive Rückmeldungen erhalte von Hundehaltern, seien Hunde auch heute noch willkommen.

So vergeht denn auch kein Tag, ohne dass im Walter-Zoo Private oder Hundeschulen mit Vierbeinern aufkreuzen. Anders als in anderen Zoos, wo es heisst: Hunde müssen draussen warten. In Knies Kinderzoo in Rapperswil beispielsweise wird das als reine Sicherheitsmassnahme begründet, um unnötigen Stress für die Zootiere zu vermeiden, wie Beat Sinniger von der Zoodirektion sagt. Eine Ausnahme gelte für Blindenführhunde, die nach Absprache Zutritt erhielten.

Auch im Walter-Zoo gibt es hundefreie Zonen. Ins Tropenhaus etwa dürfen die Vierbeiner nicht. Nach 40 Minuten Schnüffeln und etlichen Hundeguezli sind die meisten Welpen sowieso so hundemüde, dass sie zum Teil auf dem Arm ihrer Halter einschlafen. Manuela Albrecht erstaunt das nicht: «Schnüffeln ist für Hunde sehr anstrengend im Kopf.» Sogar für einen Lawinenhund. Er schnüffle 20 Minuten, danach brauche er eine Pause.

Leserkommentare

Anzeige: