Wegen Norovirus: Altersheimbewohner verbringen Heiligabend unter Quarantäne

EPIDEMIE ⋅ Im Altersheim Wiborada in Bernhardzell greift momentan der hochansteckende Norovirus um sich. Um eine Verbreitung zu vermeiden, bleibt das Heim vorläufig geschlossen – möglicherweise auch über die Festtage. Thomas Günter, Geschäftsführer des Altersheims Wiborada, äussert sich zur momentanen Lage.
22. Dezember 2017, 17:43
Raphaela Roth
Herr Günter, seit wann kämpft das Altersheim Wiborada mit dem Norovirus?
Seit etwa zwei Wochen sind rund die Hälfte der Bewohner erkrankt. Am 8. Dezember haben wir den Laborbefund erhalten und seit 9. Dezember ist das Altersheim für Besucher geschlossen. 
Thomas Günter, Geschäftsführer Altersheim Wiborada. Zoom

Thomas Günter, Geschäftsführer Altersheim Wiborada.

Sogar der Pöstler muss die Post vor der Türe ablegen. Gestern  gab es wieder zwei Neuerkrankungen. 

Das ist eine lange Zeit ohne Besuch und Kontakt nach aussen. Wie belastend ist die Situation für die Bewohner?
Langsam kommt bei den Bewohnern der «Lagerkoller» auf. Aber unsere Bewohner sind tapfer und zeigen Verständnis für die Massnahme. 

Und für die Mitarbeiter?
Einige von ihnen sind selbst erkrankt. Für die anderen bedeutet die Epidemie einen erheblichen Zusatzaufwand in der Pflege. In Kontakt mit Erkrankten muss etwa ein Ganzkörperschutzanzug getragen werden, der nach Gebrauch sofort vernichtet wird. Es gibt auch einen viel grösseren Putzaufwand: Handläufe und Toilettenräume müssen viel öfters geputzt und desinfiziert werden.

Gibt es noch andere Hygienemassnahmen?
Die Böden wurden mit einem Schutz ausgestattet. An jeder Tür zum Zimmer eines Erkrankten gibt es eine Sicherheitsschwelle. Dort werden die Schuhe desinfiziert, sodass keine Viren haften bleiben. Die Hände müssen nach jedem Kontakt desinfiziert werden. Ich selber desinfiziere meine Hände schätzungsweise 20 Mal am Tag. Ansonsten ist der Tagesablauf aber gleich. Die erkrankten Bewohner werden im Zimmer von den Gesunden isoliert.

Können Sie sagen, wie das Virus eingeschleppt wurde?
Das könnte zum Beispiel ein krankes Kindergartenkind gewesen sein, das die Grossmutter besuchte. Oder aber ein Bewohner, der aus dem Spital ins Heim zurückkehrte. Da gibt es viele Möglichkeiten. Wie es genau passieren konnte, kann man nicht nachvollziehen. Wichtig ist, dass der Virus bald überstanden ist. 

Denken Sie, dass die Bewohner zu Weihnachten wieder Besuch empfangen können?
Ich denke, dass wir momentan auf dem Weg der Besserung sind.  Dass die Epidemie gerade an Weihnachten ausbricht, ist natürlich das Dümmste, das passieren konnte. Vorläufig bleibt das Altersheim bis am Sonntag geschlossen. Wir werden aber am 24. Dezember eine interne Weihnachtsfeier abhalten. Leider ohne musikalische Unterhaltung des Männerchors. Dann werden wir von Tag zu Tag entscheiden, ob wir das Heim für Besucher wieder öffnen können.
 

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