Unheilige Allianz gegen die CVP

GOSSAU ⋅ Nun kommt doch noch eine überparteiliche Kommission für die Suche nach der Neubesetzung im Stadtpräsidium zustande. Allerdings haben sich nur vier von fünf Parteien formiert.
11. August 2017, 07:13
Angelina Donati

Angelina Donati

angelina.donati@tagblatt.ch

Diese Mitteilung macht stutzig: Eine Allianz von SP bis SVP formiert sich. Zwar liessen die Gossauer Parteien im Mai noch verlauten, dass sie womöglich gemeinsam von links bis rechts nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin des Stadtpräsidenten Alex Brühwiler (parteilos) suchen wollen. Weil aber die CVP und die FDP dagegenhielten, wurde die Idee verworfen (Tagblatt vom 26. Mai). Zwischenzeitlich zauberte die CVP den ersten und immer noch einzigen Kandidaten Daniel Lehmann aus dem Hut. Unterstützt wird Lehmann auch von der Handels- und Industrievereinigung Gossau (HIG), die sich für den ehemaligen Gewerbepräsidenten stark macht.

Nun muss die FDP reuig geworden sein. Sie gehört mit SVP, Flig und SP zu einer Gruppe, die weitere Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl am 26. November aufstellen will. Weshalb dieser Sinneswandel? «Es stand nie abschliessend fest, dass sich die FDP an einer überparteilichen Suche nicht beteiligen wollte», sagt FDP-Vorstandsmitglied Brigitta Mettler. Auch sei man der Auffassung gewesen, dass wenn die CVP nicht mitziehe, sich auch die restlichen Parteien nicht formieren würden. Auf die Frage, ob die FDP bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten erfolglos war, winkt Mettler ab: «In unseren Kreisen haben wir nicht aktiv gesucht. Mit zwei amtierenden Stadträten sind wir ja bereits schon gut bedient.»

Den Bürgern eine Auswahl bieten

Das überparteiliche Komitee ohne CVP soll denn auch nicht als Kampfansage gegen die CVP oder deren Stadtpräsidentenkandidaten verstanden werden. «Wir wollen der Bürgerschaft eine echte Wahl bieten», erklärt Brigitta Mettler. «Es ist aber keinesfalls gegen Daniel Lehmann gerichtet», betont sie. Dem pflichtet auch der SP-Präsident Ruedi Blumer bei. «Eine Wahl ohne Auswahl ist keine richtige Wahl», sagt er. Vor allem oder gerade weil es um das Stadtpräsidium gehe. Erneut bezieht sich Blumer auf das «vorbildliche Zusammenarbeiten» aller Gossauer Parteien im Jahr 2009 bei der Suche nach einem neuen Schulpräsidenten. Ganz im Gegensatz zum «selbstherrlichen Auftreten», das heute die HIG mit dem Kandidaten Daniel Lehmann an den Tag legt, wie der SP-Präsident weiter ausführt. Lehmann sei ein guter Mensch. Dennoch könne ihm das Auftreten im Dienste des Gewerbes auch schaden. Diese «einseitige Geschichte» habe wohl auch neue Energien geweckt, und dadurch sei die Idee der überparteilichen Findungskommission wieder auf den Tisch gekommen.

Gesucht wird neu auch mittels Zeitungsinserat eine «strategisch denkende und führungserfahrene Person, die Gossau gezielt weiterentwickeln kann». Dafür geeignet seien offene, politisch interessierte und kommunikative Persönlichkeiten, die motiviert, engagiert und bürgernah neue Ziele verfolgen, heisst es. Auch die Bevölkerung wird aufgerufen, bis 31. August mögliche Kandidaten zu melden, die dem gewünschten Profil entsprechen.

Kommission reizt alle Mittel aus

Viele Bewerbungen rechnet sich Ruedi Blumer nicht aus, denn: «Nur wer seine Wahlchancen genau abwägt, wird sich für dieses Amt aufstellen lassen», sagt er. In der Öffentlichkeit zu stehen, um dann doch nicht gewählt zu werden und zurück zum aktuellen Arbeitgeber zu kehren, könne eben auch eine äusserst unangenehme Seite haben.

Genau deshalb will die Kommission wohl alle Mittel ausreizen, damit auch tatsächlich Bewerbungen hineinflattern, insbesondere auch von weiblichen Anwärtern. Nebst den drei Parteipräsidenten wird allen voran FDP-Vorstandsmitglied Brigitta Mettler als Kontaktperson genannt und nicht etwa Wahlkomitee-Kollege Andrin Fröhlich. «Meiner Erfahrung nach kontaktieren Frauen eher Frauen als Männer», begründet Brigitta Mettler.

 

 


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