Tagblatt Online, 26. Februar 2011 01:05:00
Zweiter Anlauf für Senioren
Ungewissheit: Wo werden die Senioren künftig betreut? Entscheide soll die neue Trägerschaft treffen. (Bild: Bild: ky/Gaëtan Bally)
GOSSAU. Für das Projekt «Seniorenwohnen» zeichnet sich eine Lösung ab: Eine gemeinnützige AG soll sich um die Belange der älteren Bevölkerung kümmern. Die Stadt will Mehrheitsaktionärin sein.
rita bolt
Drei Jahre hat's gedauert, bis der Stadtrat eine neue Lösung für das Seniorenwohnen mit Betreuung und Pflege präsentiert. Das Parlament lehnte damals ab, die Altersbetreuung einem spezialisierten Privatunternehmen zu übertragen. Nun soll eine gemeinnützige Aktiengesellschaft künftig das Betreuungsangebot in Gossau und den umliegenden Gemeinden sicher stellen. Die Stadt Gossau soll aber die Mehrheit der Aktien besitzen.
Beteiligung von Privaten
Das Altersheim Espel ist ein städtisches Heim, das Regionale Pflegeheim wird von einem Zweckverband, dem die Gemeinden Waldkirch, Gaiserwald, Andwil, Niederbüren und Oberbüren angehören, geführt. Alle Gemeinden nehmen den Vorschlag, eine gemeinnützige AG zu gründen, «zustimmend zur Kenntnis». Der Stadtrat geht davon aus, dass alle oder mindestens 80 Prozent der Aktien im Besitz der Stadt Gossau und der Gemeinden des Zweckverbandes sein werden. Wobei die genaue Aufteilung des Aktienkapitals laut Stadtrat heute noch offen ist. Die vorberatende Kommission unter dem Vorsitz von Alfred Zahner (Flig) beantragt, dass nur 70 Prozent der Aktien bei den Gemeinden bleiben sollen. Denn Ziel sei, dass sich Einzelpersonen, Vereine und gemeinnützige Institutionen am Aktienkapital beteiligen, um eine breite Abstützung zu erreichen. Die Aktiengesellschaft soll nicht in dem Sinne gewinnorientiert arbeiten, dass hohe Dividenden ausbezahlt werden können. «Denkbar ist aber eine geringe Gewinnausschüttung, um Private zu bewegen, sich am Aktienkapital zu beteiligen», schlägt die vorberatende Kommission vor.
Standorte bestimmen
Was aber geschieht mit dem Espel und dem Regionalen Pflegeheim? Es werde eine der ersten Aufgaben der Trägerschaft sein, die Standorte für das Seniorenwohnen zu bestimmen, steht im Bericht des Stadtrates. Die Weiternutzung der Heime sei denkbar. Er habe zudem das stadteigene Grundstück an der Schwalbenstrasse für das Seniorenwohnen reserviert. Was seit längerem bekannt ist: Beide Heime sind sanierungsbedürftig und verfügen über keine zeitgemässen Strukturen mehr. Die Sanierung beider Heime und Komfortanpassungen sowie eine Erweiterung würde über 50 Millionen Franken verschlingen. «Ein Neubau mit 90 Pflegebetten und 25 Alterswohnungen verursacht Investitionen von etwa 43 Millionen Franken», schreibt der Stadtrat in der Parlamentsvorlage. Wenn man davon ausgehe, dass die Investitionen mit 70 Prozent Fremdkapital finanziert würden, verblieben für die Gemeinden noch 13 Millionen.
Am kommenden Dienstag kann das Parlament den Entscheid treffen, ob der Stadtrat die entsprechenden Unterlagen mit den Verbandsgemeinden erarbeiten soll, um eine gemeinnützige AG zu gründen. Geplant ist, dass diese den Betrieb ab 2013 aufnimmt und ab 2014 Neu- und Umbauten realisiert werden können.
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