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Tagblatt Online, 19. September 2008 01:05:33

Tower-Hotel mit Seesicht

Sepp Oberholzer plant in einem Futterturm der ehemaligen Landi in Waldkirch ein Hotel

Zoom

In den Startlöchern: Sepp Oberholzer vor dem Siloturm, in welchem er ein Hotel realisieren will. (Bild: Bild: Marianne Bargagna)

WALDKRICH. Ein Hotel ohne Reception, aber mit Seeblick: Das plant Sepp Oberholzer, der Besitzer der ehemaligen Landi-Liegenschaft. Eröffnung könnte im nächsten Frühling oder Sommer sein.

Marianne Bargagna

Der Waldkircher Sepp Oberholzer ist immer wieder für Überraschungen gut: Vor knapp drei Jahren informierte er, dass er die etwa 7500 Quadratmeter grosse Landi-Liegenschaft an der Hauptwilerstrasse kaufen werde. Im Juli 2006 wurde er stolzer Besitzer der Liegenschaft mit Getreidesilo, Obstverladeanlage, Brückenwaage, Maschinenhaus, Laden und Tankstelle. Ein Grossteil der Räume hat er vermietet (vgl. Kästchen). Jetzt will er im etwa 20 Meter hohen Turm, dort wo früher Futter gemischt wurde und wo Futterwürfel gepresst wurden, ein Hotel realisieren. Das Baugesuch wurde nicht nur von der Gemeinde, sondern auch von verschiedenen kantonalen Stellen geprüft und für akzeptabel befunden. Die Baubewilligung hat Oberholzer gestern erhalten. Mit dem Bau will er sofort beginnen.

Computer gibt Schlüssel

Grau steht er da, der Betonturm. Dunkel die Löcher, wo einst Fenster waren. Gegenwärtig kein schöner Anblick. Das soll sich ändern. Aus der «grauen Maus» soll ein Hotel werden mit elf Doppel- und drei Einzelzimmern, einem Aufenthaltsraum, einem Wirtschaftsraum. Aber ohne Restaurant und ohne Reception. «Es wird ein so genanntes Selbstbedienungshotel», sagt Oberholzer und erklärt: Ein Zimmer könne im Internet oder direkt am Hotel-Computer im frei zugänglichen Raum gebucht werden. Der Kunde erhalte dann eine Reservations-Nummer, die im Hotel-Computer eingeben werden müsse. Dann muss der Kunde mit der Kreditkarte bezahlen und der Computer wirft den Schlüssel aus, der Gast kann sein Zimmer beziehen. Hat Oberholzer keine Befürchtungen, dass dieses Hotel zu einem Stundenhotel verkommen könnte? Selbstverständlich sei das nicht sein Ziel, aber kontrollieren, wer im Hotel übernachtet und was dort getrieben werde, das könne er nicht. Dann fügt er lakonisch hinzu: «Wichtig ist, dass die Gäste bezahlen.»

Acht der Doppelzimmer werden einen Balkon haben und Seesicht, über das Dorf Waldkirch hinweg. Im Aufenthaltsraum werden je ein Kaffee-, Getränke- und Snackautomat stehen. «Und hier werden die Gäste auch Hinweise auf die Restaurants in der Gemeinde finden», sagt Oberholzer und fügt an, dass er das Hotel nicht a priori selbst betreiben wolle. Es könnte auch von einem bestehenden Hotel in der Gegend quasi als Satellit betrieben werden. Noch sei in dieser Sache aber nichts entschieden.

Sonne und Holz

Oberholzer realisiert nicht nur Hotelzimmer, er wird auch etwa 30 Quadratmeter Sonnenkollektoren installieren. Damit könne er im Sommer den Warmwasserverbrauch abdecken. Weiter plant der zukünftige Hotelbesitzer eine etwa 100 Quadratmeter grosse Photovoltaik-Anlage für die Stromproduktion. Beheizt wird nach der Fertigstellung des Hotels die ganze Liegenschaft mit einer Holzpellet-Anlage.

Gäste aus nah und fern

Sepp Oberholzer ist zuversichtlich, dass sein Konzept aufgeht. Die Gäste müssten, so seine Schätzungen, für ein Doppelzimmer mit Balkon pro Nacht etwa 120, für ein Einzelzimmer etwa 65 Franken bezahlen. Als Gäste erwartet er Velotouristen, Golfer vom naheliegenden Golfpark, aber auch Personen, die in St. Gallen als Aussteller oder Gäste Messen besuchen, sowie Monteure und Handelsreisende.

Dass der Betrieb eines solchen Selbstbedienungs-Hotels in Waldkirch durchaus funktionieren kann, das hält auch der Waldkircher Gemeindepräsident Franz Müller für möglich. Denn es gebe je länger je mehr Grenzgänger, die in der Region arbeiteten. Mit einem Blick auf die ehemalige Landi-Liegenschaft stellt er anerkennend fest: «Wir sind angenehm überrascht, was in diesen Gebäuden bis heute alles geschehen ist.»




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