Tagblatt Online, 07. Februar 2012 09:48:00
Tee gegen die Affenkälte
Walter-Zoo in Gossau
Winter im Walter Zoo (Bild: Michel Canonica)
GOSSAU. Während sich die Sibirischen Tiger über den vielen Schnee freuen, verkriechen sich die Schimpansen die meiste Zeit im warmen Affenhaus. Und die Reptilien bekommen vom Winter gar nichts mit, wie ein Besuch im Walter-Zoo zeigt.
NINA RUDNICKI
Ein Tee gegen die Grippe, ein Whirlpool oder ein dickes Fell – auch für Tiere gibt es spezielle Tricks, damit diese den kalten Winter möglichst angenehm überstehen. Wie im Walter-Zoo. Zwar zieht es in diesen Tagen kaum einen Besucher in den Tierpark, wie Tierärztin Karin Federer sagt, und die Tiere bleiben unbetrachtet, langweilig wird es ihnen deswegen aber nicht. Auch den Tierpflegern geht die Arbeit nicht aus. Mehrmals am Tag müssen sie die gefrorenen Wasserleitungen auftauen, um sicherzustellen, dass die Tiere genügend Trinkwasser bekommen. Denn genug trinken und fressen, das ist wegen der Energiereserven bei dieser Kälte das Wichtigste.
Abgesperrte Schwimmbecken
«Die Sibirischen Tiger zum Beispiel sind jetzt nicht annähernd so träge wie im Sommer», sagt Federer. «Sie können Temperaturen bis zu minus 60 Grad aushalten, lieben es im Schnee zu spielen und darin herumzuspringen.» Mindestens acht Kilogramm Fleisch frisst ein Tiger pro Tag, um seinen Energiebedarf zu decken. Einen Nachteil hat der Winter aber auch für die Grosskatzen, denn aus Sicherheitsgründen haben die Tierpfleger das Wasserbecken vom Gehege abgetrennt. «Das Eis könnte brechen, und obwohl das Becken nur einen Meter sechzig tief ist, bestünde die Gefahr, dass die Tiger es wegen des Eis nicht mehr aus dem Becken herausschafften und ertränken», sagt sie.
Mit Luftblasen aufwirbeln
Besser haben es da die Enten, die können nicht ertrinken. Ihr Teich ist deshalb auch nicht abgesperrt. Im Gegenteil, aufsteigende Luftblasen verhindern, dass der Teich zufriert. Der Ententeich sieht denn auch eher aus wie ein Whirlpool, in dem die Enten unbekümmert ihre Runden schwimmen. Der Winter macht ihnen nichts aus, zumindest das haben sie gemeinsam mit den Tigern. Anders sieht es bei den Schimpansen aus. Im Winter schliessen die Tierpfleger sie im Affenhaus ein und öffnen die Tür zum Aussengehege höchstens für ein bis zwei Stunden am Tag. «Manchmal machen die Schimpansen zwar eine Schneeballschlacht, haben aber ziemlich schnell genug davon und wollen wieder hinein ins Warme», sagt sie. Für die Affen ist es laut Federer besonders wichtig, genug zu trinken, denn im Gegensatz zu anderen Tieren können sie sich bei den Pflegern mit der Grippe anstecken. Vor allem die Affenbabies sind schnell krank, bekommen Fieber und Husten. Im Walter-Zoo bekommen sie deshalb gesüssten Tee, den sie lieben und darum umso mehr davon trinken. «Im grossen und ganzen merken die Tiere aber nicht, dass es diesen Winter speziell kalt ist», sagt Federer, «das ist eher etwas, das uns Tierpflegern zu schaffen macht. Neben dem Auftauen der Wasserleitungen müssen wir nämlich auch ständig Schnee schaufeln.»
Am wenigsten bekommt die Kälte den Reptilien. Sie sind wechselwarm, das bedeutet, dass ihre Körpertemperatur immer so warm ist wie ihre Umgebung. Dennoch brauchen auch sie – etwas abgeschwächt zwar – eine Winterpause. Für die Krustenechsen und andere Schuppenkriechtiere wie die Bartagamen wird die Lichtquelle einfach etwas heruntergefahren. «Ohne Winterpause würde die Krustenechse im Frühling nicht in Paarungsstimmung kommen», sagt Federer.
Der Quittenwaran und das Stumpfkrokodil beim Tropenhaus bleiben vom Winter ganz verschont, dafür wird hier für sie die Regenzeit imitiert.
An den Winter angepasst
Am einfachsten haben es die Tierpfleger mit den Ponies, Zebras, Zwergziegen und Kamelen. Sie zählen zu den sogenannten angepassten Tiere. Im Winter bekommen sie automatisch ein dickeres Fell und verlieren es im Sommer wieder. «Unsere Kamele zum Beispiel sind dann fast schon nackt», sagt Federer.
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