Tagblatt Online, 13. Juni 2012 01:03:00
Seeried auf dem Waffenplatz
Breitfeld SG
Feucht und felsig wie auf dem Breitfeld – das sind die Voraussetzungen dafür, dass sich das stark gefährdete Stachelige Seeried ansiedelt. (Bild: pd/Armasuisse)
GOSSAU. Auf dem Breitfeld bei Gossau wächst stark gefährdetes Stacheliges Seeried. Die Armee vermutet, dass Enten es eingeschleppt haben. Das sei ein Zeichen für die intakte Natur auf dem Waffenplatz.
NINA RUDNICKI
Das Breitfeld zwischen St. Gallen und Gossau kennen die meisten als militärischen Übungs- und Schiessplatz. Weniger bekannt ist das Gebiet als Lebensraum für Wassertiere und -pflanzen, obwohl die Armee das immer wieder betont. In einer Medienmitteilung heisst es nun, dass auf dem Breitfeld das Stachelige Seeried gefunden wurde. Eine Wasserpflanze, die gemäss Roter Liste als stark gefährdet gilt.
Felsiger Untergrund
Doch weshalb wächst das Stachelige Seeried nun ausgerechnet auf dem Waffenplatz? Urs Weber, vom Ökobüro Hugentobler, das die Auswertungen für die Armee vornimmt, klärt auf. Zum einen hänge das mit der ökologischen Aufwertung und dem Ausbau des Waffenplatzes im Jahr 1997 zusammen. Seither gibt es auf dem Areal zahlreiche neue Weiher. «Damit sind die Grundvoraussetzungen schon mal sehr gut», sagt Weber. Hinzu komme der felsige Untergrund, der sogenannte Nagelfluh, welcher sich nur für wenige Pflanzen eigne. Daher könne das Stachelige Seeried, wenn es erst einmal Wurzeln geschlagen habe, nur schwer von anderen Pflanzen verdrängt werden. Und Wurzeln geschlagen hat es bisher nur an wenigen Orten. In der Schweiz laut Weber gerade mal vereinzelt im Mittelland wie im Raum Aargau-Zürich und im Rheindelta bei Vorarlberg. In St. Gallen ist die Pflanze bisher überhaupt noch nicht vorgekommen. Gerade weil das Stachelige Seeried so selten sei, lasse sich nur spekulieren, wie es auf den Waffenplatz gelangt sei, sagt Weber. «Am wahrscheinlichsten ist, dass Enten die Samen in ihrem Gefieder mitgeschleppt haben.» Dass hingegen Menschen die Pflanze extra gesetzt haben, hält er für unwahrscheinlich.
Auf drei Weiher ausgebreitet
Erstmals auf dem Waffenplatz nachgewiesen wurde das Stachelige Seeried laut Weber 2011. Das schliesse allerdings nicht aus, wie er betont, dass es schon einige Zeit länger dort wachse. Fakt ist: Mittlerweile hat sich das Stachelige Seeried auf drei Weiher ausgebreitet. Laut Weber besteht die Population aus etwa hundert Pflanzen. Daher ist er zuversichtlich, dass die seltene Pflanze auch weiterhin auf dem Waffenplatz wachsen wird. Es gebe dort nicht nur kaum «Konkurrenzpflanzen», sondern auch keine Schädlingen, die zur Bedrohung werden könnten. «Wenn man all diese Faktoren zusammenzählt, kann man eigentlich nur optimistisch sein, dass das Stachelige Seeried dauerhaft dort bestehen bleibt», sagt er.
Die Eigenschaften des Stacheligen Seerieds seien genau wie es dessen Name schon verrate «sperrig und stachelig». Es werde bis zu einem Meter hoch, bestehe aus einem Stengel mit einem Blütenstand an der Spitze. Einmal pro Jahr wachse es von Grund auf neu. «Dass es jetzt so gut auf dem Waffenplatz gedeiht, ist ein Zeichen dafür, wie gut Natur und Waffenplatz hier zusammenspielen.»
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