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Tagblatt Online, 09. Februar 2012 11:50:00

SP und SVP im selben Boot

SG - Gossau Gossau auch eine Stadt Marketing Werbung an Schaufenster und am Stadteingang Zoom

125 000 Franken jährlich wird bis 2015 in die Vermarktung des Standorts Gossau gesteckt. (Bild: Archivbild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Der Gossauer Standortförderung wird bis 2015 eine halbe Million Franken zur Verfügung gestellt. Es war ein knapper Entscheid, den eine ungewöhnliche Konstellation ermöglichte.

MARION LOHER

Das kommt wahrlich selten vor: Für einmal schlug sich im Gossauer Stadtparlament die SP auf die Seite von SVP und FDP. Damit waren die beiden Sozialdemokraten das Zünglein an der Waage, als es um die Abstimmung über den Rahmenkredit für vier Jahre Standortförderung ging: Mit 17 zu 13 Stimmen wurde der Beitrag von einer halben Million Franken gutgeheissen.

Pointiert und professionell

Der Entscheid war knapp, im Parlament wie auch schon in der vorberatenden Kommission. Drei von fünf Kommissionsmitgliedern hatten sich für den Rahmenkredit von 500 000 Franken ausgesprochen. Eine Minderheit stimmte dem stadträtlichen Vorschlag zu, 600 000 Franken zur Verfügung zu stellen. Unterstützung bekam diese Minderheit im Parlament sowohl von der grössten wie auch von der drittgrössten Fraktion, der CVP und der Freien Liste Gossau (Flig). CVP-Parlamentarier Stefan Häseli begründete seine Zustimmung in einem flammenden Plädoyer unter anderem mit einem Henry-Ford-Zitat: «Wer auf Marketing verzichtet, um Geld zu sparen, kann auch die Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.» Häseli nutzte aber auch die Gelegenheit, ein paar Wünsche zu plazieren. «Wir erwarten ein pointiertes und professionelles Marketing.» Es reiche nicht, nur goldene Eier zu legen. Man müsse dazu auch gackern. Für seinen Parteikollegen Reto Mock war ausschlaggebend, dass beim gekürzten Betrag nach Abzug der gebundenen Beiträge noch rund 105 000 Franken jährlich für standortfördernde Tätigkeiten verfügbar wären. «Und das», so Mock, «ist eindeutig nicht mehr viel.»

Nicht mit voller Kelle anrühren

Genug hingegen war es für eine Mehrheit der vorberatenden Kommission sowie für die Fraktionen der SVP und FDP, aber auch für die beiden SP-Parlamentarier. Karl Bürki, einer der beiden, fasste sich in seinem Votum kurz und sagte einzig, dass Marketingerfolge schwer bis gar nicht messbar seien. Für FDP-Vertreter Felix Koller wäre es falsch gewesen, wenn in Zeiten knapper werdender Finanzen immer mit der vollen Kelle angerührt werde. «125 000 Franken jährlich sind genug Geld für ein wirkungsvolles und schlankes Standortmarketing», sagte er. Denn weniger Mittel bedeuteten nicht automatisch weniger Wirkung. Hier würde dies wohl eher eine Rückbesinnung auf das Wesentliche heissen.

Mit Vernunft

Die vorberatende Kommission hatte nicht nur die vom Stadtrat vorgeschlagene Höhe des Betrags kritisiert, sondern auch die Schaffung einer neuen 80-Prozent-Stelle. Kommissionspräsident Roland Seiler fand, dass sich die Aufgaben der Standortförderung auch ohne Personalaufstockung erledigen liessen. «Leider können wir dem Stadtpräsidenten keine Vorschriften machen, wie er die Aufgaben in der Verwaltung zu organisieren hat.» Die Kommission hoffe auf Vernunft. Stadtpräsident Alex Brühwiler konterte, der Stadtrat liesse immer Vernunft walten – früher, heute und morgen.





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