Tagblatt Online, 21. Juli 2009 01:02:00
Roland Gnägi
Jeden Abend auf dem Fussballplatz: FCG-Präsident Roland Gnägi. (Bild: Bild: Coralie Wenger)
gossau. Sommerferien, und er arbeitet. «Ja, die Sekretärin ist in den Ferien. Sie würden staunen, wenn Sie sähen, wie hohe Berge Post wir täglich verschicken», sagt Roland Gnägi, Präsident des FC Gossau lachend. «Ich war im Juni in den Ferien, in Seefeld, mit meiner Frau.» Die ganzen 14 Tage habe es geregnet. Gnägis wollten wandern, den Fussball etwas hinter sich lassen, entspannen. «Meine Frau machte Wellness und ich ging well go essen», scherzt er. Und er ging auf den Fussballplatz. Denn just in die Ferien von Gnägis fiel das Testspiel FC Gossau gegen den FC Basel in Celerina.
Das habe er sich nicht entgehen lassen wollen. «Wir machten einen Ausflug ins Engadin. Nach dem Spiel ging's zurück nach Seefeld.» Er sei froh, eine Frau an seiner Seite zu haben, die das mitmache.
*
Roland Gnägi trinkt in der News-CaféBar einen Kaffee – schwarz. Er, für den der Tag mehr als 24 Stunden haben müsste, nimmt sich Zeit, um über «seinen» FC Gossau und sich zu plaudern. «Ich war nicht sehr begabt als Fussballer», gibt er unumwunden zu.
Seine Karriere im Fussball hat er als Schiedsrichter in der NLA, – «ich war auch international tätig» –, als Chef der Ostschweizer Schiedsrichter und als Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes gemacht. Dafür hatte er ein gutes Händchen. Und um einen Fussballclub zu präsidieren, braucht es Köpfchen, Herzblut und eine gehörige Portion Idealismus. «Ich bin angefressen», sagt Gnägi und zuckt mit den Schultern. Er steht fast täglich auf dem Fussballplatz, denn die Mannschaft trainiert jeden Abend.
In letzter Zeit hätten sie sich viele Testspieler angeschaut. Die Entscheidung, wer engagiert werde, treffen aber Sportchef und Trainer. Gleich elf neue Spieler hat der Challenge-League-Club unter Vertrag genommen. «Mir ist es wichtig, dass nicht alles Profis sind, sondern höchstens Halbprofis, die noch arbeiten», sagt Gnägi und begründet, warum: «Sie sollen noch an einem anderen Ort Halt haben.»
*
Der FC Gossau spielt weiterhin in der Challenge League. Dies nur, weil La Chaux-de-Fonds und Concordia Basel die Lizenz für die kommende Saison nicht erhalten haben. «Ein Verzicht unsererseits aus der Challenge League hätte den FC Gossau 250 000 Franken gekostet», sagt Gnägi. Die finanzielle Situation sei für jeden Fussballclub eine Gratwanderung. Die Sponsorensuche auch.
Deshalb habe er die Idee von Austria Lustenau kopiert – dort besitzt er seit sieben Jahren eine Saisonkarte –, Lose für 1000 Franken anzubieten. Wer Hauptsponsor ist, wird ausgelost. Und wer jetzt eine Saisonkarte des FCG kauft, profitiert von einem verbilligten Preis. Ein taktischer Spielzug, der mehr Zuschauer ins Stadion bringen soll.
*
Der ehemalige Gemeindepräsident von Rheineck und frühere Gemeinderat von Gossau, Roland Gnägi, hat in St. Gallen für das Paul-Grüninger-Stadion erfolgreich gekämpft. Wird er sich auch in Gossau für ein Stadion einsetzen? «Bestimmt», gibt er sich kämpferisch. Der FC müsse eine zeitgemässe Infrastruktur haben. «Als ich 1990 von Gossau wegzog, gab es den Fussballplatz, die Tribüne und Kies rund um die Tribüne. Jetzt ist rund um die Tribüne geteert», sagt er mit sarkastischem Unterton. Mehr habe sich nicht getan. Kaum an die Spitze des FC Gossau gewählt, hat Gnägi bekannt gegeben, dass der FC ein Kleinstadion für acht bis zehn Millionen realisieren will – und hat damit den Stadtrat und viele Bürger geschockt. Provozieren Sie gern? «Ich bin kein Provokateur, ich bin ein <Takteur>», antwortet Gnägi schmunzelnd und ergänzt: Es liege auch eine Offerte der AFG Arena für die Stadionmiete vor.
*
Natürlich gebe es in seinem Leben auch noch etwas anderes als Fussball (sein Handy sei aber immer eingeschaltet). Er war am Wochenende am Basler Tattoo, am Festival der Dudelsackspieler und Trommler. Er lese zudem jeden Abend im Bett. Thriller, Krimis und Biographien. Gelesen habe er jene über Franz Josef Strauss. Auf seinem Nachtisch liege diese über Willi Brandt. Vielleicht kann er die eine oder andere Taktik der deutschen Politiker abkupfern, um die politischen Mühlen betreffend Gossauer Kleinstadion anzukurbeln. Rita Bolt
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben