Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 20. Juli 2012 07:55:00

Möglichst früh Deutsch lernen

ASYL, FLUECHTLINGE, SCHULE, ASYLSUCHENDE, BFF, FLUECHTLINGE, DURCHGANGSHEIM, INTEGRATION, SPRACHUNTERRICHT, DEUTSCHHEFT, SCHULHEFT Zoom

Kinder sollten möglichst früh in ihrem Leben beim Deutschlernen gefördert werden. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

GOSSAU. Ausländerkinder, die in der Schweiz geboren wurden, erhalten in Gossau ab sofort nur noch maximal zwei Jahre lang zusätzlichen Deutschunterricht. Schulpräsident Urs Blaser ist überzeugt, dass das genügt.

DANIELA DECURTINS

«Nie lernen Kinder so leicht eine weitere Sprache wie in den ersten Lebensjahren», sagen die Fachleute. Deshalb sollen die Kinder ausländischer Eltern beim Deutschlernen möglichst früh gefördert werden. Der Schulrat in Gossau sieht das genauso. Er hat darum beschlossen, zusätzlichen Deutschunterricht für fremdsprachige Kinder nur noch im Kindergarten und in Ausnahmefällen im Einschulungsjahr, das zwischen Kindergarten und erster Primarschule liegt, anzubieten. Bis anhin war das auch noch in der ersten Klasse möglich. «Wir sind überzeugt, dass zwei Jahre reichen», sagt Urs Blaser, Schulpräsident in Gossau. Das gelte jedoch nur für Kinder, die in der Schweiz geboren wurden, oder zumindest von Anfang an den Kindergarten hier besucht haben. Die Schule will damit auch die Eltern aufmerksam machen, dass der Erwerb der deutschen Sprache eine wichtige Vorbereitung für die Schulzeit ist. «Für fremdsprachige Kinder, die während der Schulpflicht zuziehen, gelten natürlich andere Regeln», sagt Blaser.

Keine Sparmassnahme

Doch wie sieht es aus, wenn ein Kind erhebliche Schwierigkeiten in der Schule hat wegen mangelnder Deutschkenntnisse? «In solchen Fällen wird der Schulpsychologische Dienst beigezogen», sagt Blaser. Sollte sich herausstellen, dass es nur an der Sprache liegt, bekomme das Kind selbstverständlich Nachhilfeunterricht in der deutschen Sprache. Für den Schulrat sei das nicht direkt eine Sparmassnahme. «Die Kosten werden ab jetzt einfach anders verteilt», sagt Blaser. Ab diesem Sommer wird zum Beispiel im Kindergarten vermehrt mit Heilpädagogen zusammengearbeitet. «Kinder mit Lernschwierigkeiten und anderen Auffälligkeiten werden intensiver betreut», sagt der Schulpräsident.

Gaiserwald und Wittenbach

Gossau geht damit weiter als etwa Wittenbach oder Gaiserwald. Dort gelten keine speziellen Regelungen. «Zusätzlicher Deutschunterricht wird nach Bedarf auf Antrag der Fachpersonen bewilligt», sagt Maya Gehring, Schulpräsidentin in Gaiserwald. Da spiele das Alter des Kindes keine Rolle. Ruth Keller, Schulpräsidentin in Wittenbach, sagt dazu: «Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration und als Grundlage für alle Fächer eine wichtige Voraussetzung.»

In Kompetenz der Schulhäuser

Die Stadt St. Gallen überlässt die Entscheidung, ob ein Kind noch zusätzliche Deutschstunden benötigt, den einzelnen Schulhäusern. «Wir haben keine Richtlinien, bis wann ein Schüler Nachhilfe in Deutsch bekommt», sagt Christian Crottogini, Schulamtsleiter der Stadt St. Gallen. Wenn es notwendig sei und das Kind grosse Probleme habe, dann werde von den entsprechenden Lehrpersonen ein Antrag gestellt.

Spielgruppe wird unterstützt

In Gossau gehen laut Urs Blaser 85 bis 90 Prozent der Kinder in die privaten Spielgruppen. Dieses Angebot wird von der Gemeinde begrüsst und gefördert. «Ziel ist es, dass alle Kinder künftig die Spielgruppen besuchen», sagt er. Kindergärtnerinnen sagen laut dem Schulpräsidenten, dass sie besonders bei fremdsprachigen Kindern schnell merken, ob sie in einer Spielgruppe waren oder nicht. Es sei eine optimale Vorbereitung auf den Kindergarten. «Zudem haben die fremdsprachigen Kinder bereits hier die Möglichkeit, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen», sagt Blaser. Für Eltern gebe es diesbezüglich zwei bis drei Informationsveranstaltungen pro Jahr, welche von der Schule mitgetragen und finanziert werden.

Sollten die ausländischen Kinder jedoch Probleme mit der Neuregelung haben, werde man diese Massnahme nochmals überdenken. «Ich bin aber überzeugt, dass sich das neue Konzept bewähren wird», sagt der Schulpräsident.




Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...