Tagblatt Online, 22. November 2008 08:23:00
Härtere Regeln für Verkauf von Alkohol an Minderjährige
Der Griff nach dem Alkohol soll Gossauer Minderjährigen erschwert werden. Eine entsprechende Massnahme tritt ab Januar in Kraft.
Noch immer kommen unter 16jährige an öffentlichen Festen zu leicht an Alkohol. Gossau nimmt die Veranstalter nun in die Pflicht – durch Schulung und schärfere Spielregeln.
Markus Symank
Der Bund spricht seit Jahren Klartext: «Alkoholische Getränke», heisst es im Gesetz, «dürfen an unter 16jährige nicht abgegeben werden, Alcopops nicht an unter 18jährige.» In Gossau so wenig wie anderswo. «Tests haben aber gezeigt, dass viele Veranstalter keine Kontrollen durchführen», sagt Jugendarbeiter Alfred Felix. Minderjährige kämen häufig problemlos an Alkohol.
Nun macht die Stadt ernst: Eine ab Januar 2009 gültige Regelung soll illegalem Alkoholausschank einen Riegel schieben.
Kaution bis zu 2500 Franken
Das Konzept namens «Weniger isch cool» sieht vor, dass Veranstalter in Gossau vor Anlässen mit Alkoholausschank eine Kaution hinterlegen müssen. Die Höhe der Kaution reicht von 300 bis 2500 Franken, je nach Besucherzahl. «Ohne Kaution keine Bewilligung», sagt R. Samuel Wey, Leiter Soziales Gossau, klipp und klar. Davon ausgenommen sind lediglich Veranstaltungen, an denen Jugendliche unter 18 Jahren keinen Zutritt haben.
Während einer Veranstaltung wird künftig kontrolliert, ob das Jugendschutzgesetz eingehalten wird. Nur wenn es zu keinen Verstössen kommt, erhält der Veranstalter die volle Kaution zurückbezahlt.
Armbänder zur Kontrolle
Zusätzlich zur Kaution müssen diejenigen Personen, die für den Alkoholausschank verantwortlich sind, an einer Instruktion über Präventivmassnahmen teilnehmen. «Mitarbeiter des Jugendsekretariats werden diese kurze Schulung durchführen», sagt Wey. Ausserdem stellt die Stadt kostenlose Massnahmen zur Prävention wie Plakate oder Beschriftungen für die Bar zur Verfügung. Auch Kontrollarmbändel – wie man sie von «Smart Connection» (siehe Kasten) bereits kennt – bieten die Behörden an. Zudem zeige man attraktive Vorschläge für alkoholfreie Drinks auf.
Wer auf die städtische Hilfe verzichten will, muss selbst ein Konzept zur Präventivarbeit vorlegen. «Wir sind in diesem Punkt flexibel», sagt Wey. «Es geht uns nicht darum, irgendjemand vor den Kopf zu stossen.» Vielmehr suche man den Dialog und die aktive Zusammenarbeit.
Und dies auch nach dem Event: Durch das Ausfüllen eines kurzen Fragebogens kann der Veranstalter seinerseits Verbesserungsvorschläge einbringen.
«Schweizweit einmalig»
«Das Konzept ist ein wichtiger Schritt, um die Anliegen des Jugendschutzes durchzusetzen», sagt Wey. «Und meines Wissens ist es in dieser Form eine schweizweit einmalige Sache.»
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