Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 3. November 2011, 07:31 Uhr

Gute Aussichten für das Schloss

Zoom

Vom Wetter gezeichnet: Der Riegelbau in der Westwand des Schlosses Oberberg muss in den nächsten Jahren saniert werden. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Auf Schloss Oberberg stehen in nächster Zeit grössere Sanierungsarbeiten an. Am kommenden Dienstag entscheidet das Stadtparlament über einen Erneuerungsbeitrag von 500 000 Franken sowie jährliche Unterhaltsbeiträge ab 2012.

ADRIAN VÖGELE

Gut in Schuss ist es, das Schloss Oberberg. Denkt sich der Gast, wenn er die neugestaltete Schlossterrasse betritt, flüchtig die Fassade des stolzen Gebäudes betrachtet und dann einen Blick in den ehrwürdigen Gerichtssaal und die feudalen Räume des Restaurants wirft. Doch der Schein trügt – zumindest teilweise: So ist etwa die Schlossküche über zwanzig Jahre alt und muss dringend erneuert werden. Die Lüftung im Restaurant taugt so gut wie nicht mehr. Das Dach des Schlosses ist nicht isoliert, weshalb Winter für Winter sehr viel Heizenergie verlorengeht. Die Riegelbauten in den Obergeschossen verwittern zusehends, zahlreiche Fenster sollten ersetzt werden, die Wirtewohnung im vierten Stock ist renovationsbedürftig, die Haustechnik ist veraltet – et cetera. Vieles im und am Gebäude ist noch auf dem Stand der späten 50er-Jahre. Damals, nach dem Schlossbrand von 1955, wurde das Gebäude letztmals umfassend erneuert.

Auf Sponsoren angewiesen

Angesichts dieser vielen «Baustellen» hat der Förderverein des Schlosses eine Investitions- und Unterhaltsplanung erstellt. Für 2012 bis 2017 rechnet er mit Investitionen in der Höhe von über 1,5 Millionen Franken (siehe Kasten).

Nicht, dass in den vergangenen Jahren gar nichts investiert worden wäre: «Wir stecken unsere gesamten Einnahmen in den Unterhalt des Schlosses», sagt Albert Lehmann, Präsident des Fördervereins. Doch der jährliche Ertrag aus Mitgliederbeiträgen und Pachtzins – eine Summe in der Grössenordnung von 70 000 Franken – reicht für die anstehenden Sanierungsarbeiten bei weitem nicht aus, weshalb der Verein auf Sponsoren angewiesen ist.

Nun bricht die Stadt Gossau eine Lanze für ihr Wahrzeichen: Der Stadtrat beantragt dem Parlament finanzielle Unterstützung für die Sanierungsvorhaben. Erstens soll ein einmaliger Erneuerungsbeitrag von 500 000 Franken gesprochen werden, je zur Hälfte zahlbar in den Jahren 2012 und 2013. Zweitens will der Stadtrat ab 2012 einen jährlichen Beitrag von 50 000 Franken an den Unterhalt des Schlosses leisten.

Neues in der Folterkammer

Der Stadtrat begründet den Antrag unter anderem damit, dass sich das Schloss zu einem äusserst beliebten Ort für Ziviltrauungen entwickelt habe: Das Zivilstandsamt Gossau hat dort von Anfang 2010 bis Juni 2011 über hundert Trauungen durchgeführt. Weiter begrüsst der Rat neben der gastronomischen auch die gesellschaftliche und kulturelle Neubelebung des Schlosses. So will der Förderverein am Fuss des Schlosshügels eine Art Arena bauen, die für Kulturveranstaltungen vor der Kulisse des Schlosses genutzt werden könnte.

Der Museumsraum, dessen Einrichtung etwas in die Jahre gekommen ist, soll attraktiver, allenfalls auch interaktiver gestaltet werden. Dasselbe gilt für die Folterkammer, sinnigerweise direkt hinter dem Gerichtssaal gelegen. Der Gerichtssaal selber soll mit neuer Infrastruktur für Konferenzen und Schulungen ausgerüstet werden. Für Kinder soll ausserdem an der Westseite des Schlosshügels ein Spielplatz entstehen. Dies alles entspricht dem Ziel des Fördervereins, das Schloss als Anziehungspunkt für alle Generationen und Anspruchsgruppen zu etablieren.

Das Gossauer Stadtparlament berät die Vorlage zum Investitions- und Unterhaltsbeitrag für das Schloss Oberberg am kommenden Dienstag.



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
keine

Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder

 ...