Tagblatt Online, 22. August 2012 07:09:00
«Früchte zuerst waschen»
Rauchschwaden über der Solenthaler Recycling AG, später rieselt Asche auf die Häuser der Anwohner. (Bild: Ralph Ribi)
Die Bewohner des Quartiers Scheffenegg sind verunsichert. Nach dem Grossbrand in der Solenthaler Recycling AG wissen sie nicht, ob sie Früchte aus ihrem Garten noch essen sollen.
RAFAEL ROHNER
Christoph Solenthaler hat einen Tag nach dem verheerenden Grossbrand in seiner Firma einen schweren Gang vor sich: Zusammen mit Stadtpräsident Alex Brühwiler und Feuerwehrkommandant Stefan Kramer will er die Einwohner des Quartiers Scheffenegg persönlich über die Vorkommnisse am Sonntag informieren.
Etwa 50 Anwohner sind am Montagabend gekommen. Viele machen sich sorgen. Es ist nicht das erste Mal, dass es nebenan gebrannt hat. Doch so hoch loderten die Flammen noch nie. Die Rauchsäule war in der ganzen Region zu sehen. Im Quartier ist das Feuer auch einen Tag nach dem Brand noch gut zu riechen.
Jemand will wissen, ob das Gemüse in seinem Garten noch essbar ist. Landwirt Albert Forster fragt, ob er in den nächsten Tagen heuen darf oder ob die Gesundheit von Kühen gefährdet ist. Ein anderer Anwohner hat ein altes Konfi-Glas mitgebracht. Darin befindet sich Asche. Er fragt, ob sie Giftstoffe enthält. Denn Asche sei hier überall zu finden.
Anwohner unterstützen
Stadtpräsident Alex Brühwiler hat ein offenes Ohr für die Anliegen der Anwohner. Antworten auf ihre drängenden Fragen kann er aber keine geben. Dafür sei das Amt für Umwelt zuständig, sagt er. Brühwiler nimmt die Fragen der Anwohner auf und verspricht, diese in den nächsten Tagen abzuklären. Ziel des Anlasses ist es nicht, bereits alle Fragen zu beantworten, vielmehr sollen die Anwohner in dieser Situation unterstützt werden. Die nötigen Fachinformationen werde das kantonale Amt für Umwelt liefern, sagt Brühwiler.
Alle offenen Fragen der Anwohner kann derzeit aber auch Rainer Benz, Amtsleiter im Amt für Umwelt, nicht beantworten. Für die Früchte aus dem eigenen Garten empfiehlt er: Man soll diese wie gewohnt vor dem Essen gut waschen. Für die Qualitätskontrolle der Lebensmittel, die verkauft werden, sei hingegen das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen zuständig. Grundsätzlich sagt Benz zum Brand in Gossau: Das Ereignis sei vergleichbar mit anderen Industriebränden. Die Erfahrung zeige, dass jeweils wenig Schadstoffe zurückblieben. In Gossau sei die Rauchentwicklung zudem günstig gewesen. Der Rauch sei geradewegs in den Himmel gestiegen, wo sich allfällige schädliche Gase stark verdünnt hätten. Weitere Informationen seitens des Kantons seien nicht geplant. Die Stadt Gossau kann sich laut Brühwiler hingegen sehr wohl vorstellen, weiter zu informieren.
Albert Forster kann heuen
Bereits eine Antwort erhalten hat inzwischen Landwirt Albert Forster. Gestern mittag habe ihn jemand vom Kanton angerufen, sagt er. Er dürfe heuen. Zudem soll heute eine Probe von seinen Früchten genommen werden. Die Kommunikation seitens der Stadt lobt er. Er habe es geschätzt, dass der Stadtpräsident mehrmals vor Ort gewesen sei.
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