St.Galler Tagblatt Online, 14. November 2008 01:00:40
Berliner Compagnie erntete grossen Applaus
Die Berliner Compagnie. (Bild: Bild: pd)
Wie sich ein ernstes Thema unterhaltsam und spritzig umsetzen lässt, demonstrierte die Berliner Compagnie mit der Gangsterkomödie <<Das blaue Wunder>>.
Die 110 Zuschauer, die auf Einladung des Vereins Claro Weltladen Gossau ins Kirchgemeindehaus Haldenbüel gekommen waren, erlebten eine bissige Inszenierung auf hohem schauspielerischem Niveau, mit kabarettreifen Dialogen und häufigen Kulissen- und Kostümwechseln. Im Stück geht es um die Privatisierung des Wassers, die den Investoren enorme Gewinne beschert. Hat der Verbraucher den Versprechungen geglaubt, die Grosskonzerne würden effektiver arbeiten als öffentliche Betriebe, so erlebt er bald sein <<blaues Wunder>> in Form schlechterer Qualität und höherer Preise.
Beim Aufkauf des Wassers – <<das Öl des 21. Jahrhunderts>> – gehen die Manager nicht zimperlich vor. Da wird getrickst, gelogen, gedroht, bestochen und notfalls auch gemordet. Besonders dramatisch spitzte sich die Lage im bolivianischen Cochabamba zu, wo im Jahr 2000 die Wassertarife auf das Dreifache gestiegen waren. Der viermonatige <<Wasserkrieg>> endete mit der Vertreibung des US-Konzerns. Doch andernorts versucht die unheilvolle Allianz von Wirtschaftsbossen und korrupten oder ahnungslosen Politikern weiterhin, die Privatisierung des Allgemeinguts voranzutreiben.
<<Das blaue Wunder>> erwies sich als ein Lehrstück, das zur Wachsamkeit und allenfalls zum bürgerlichen Widerstand auffordern will. Die vier Akteure der Berliner Compagnie stellten mit Witz, Wandlungsfähigkeit und Spielfreude die Gangster und zahlreiche andere Personen dar. (pd)
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