Tagblatt Online, 31. Mai 2012 12:06:00
Aus Übermut Bäume gejagt?
Förster Patrik Schilling untersucht die vier zerfetzten Bäume. Den Kugelhagel haben sie nicht überstanden. (Bild: Nina Rudnicki)
GOSSAU. Noch rätselt die Polizei, wer die vier Bäume im Gossauer Nutzenbuecherwald mit über hundert Schüssen zerstört hat. Waldbesitzer und Förster glauben an einen Bubenstreich.
NINA RUDNICKI
Der Förster Patrik Schilling betrachtet die vier zerfetzten Bäume im Gossauer Nutzenbuecherwald. Auf dem Boden liegen Patronenhülsen. Über hundert Mal haben Unbekannte mit einer 9mm-Pistole auf die Bäume geschossen. (Ausgabe vom 30. Mai) Und das aus so naher Distanz, dass die Kugeln die Stämme durchschlagen haben und dahinter im Waldboden stecken. «So etwas habe ich noch nie gesehen», sagt Schilling. «Normalerweise begnügen sich die Leute damit, Namen in die Stämme zu ritzen.» Er glaube nicht, dass die Täter nachgedacht haben, bevor sie darauf los ballerten. Eine unüberlegte Tat also – auch in den Augen von Waldbesitzer Andreas Künzle. Vorerst will er keine Anzeige erstatten. «Das sieht mir nach einem dummen Bubenstreich aus», sagt er. «Eine gefährliche Person müsste nicht im Wald schiessen üben.»
Mit Schalldämpfer?
Als alles andere als einen Bubenstreich bezeichnet Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen die Tat: «Die Kugel einer solchen Waffe fliegt bis zu zwei Kilometer weit, mit einer Geschwindigkeit von 400 Metern pro Sekunde.» Die Gefahr sei hoch, dass jemand aus Versehen getroffen werde. Zudem sei es nach dem Jagdgesetz sowieso verboten, als Privatperson mit einer Schusswaffe in den Wald zu gehen.
Erstaunlich ist auch, dass auf den Zeugenaufruf der Polizei noch keine Hinweise eingegangen sind. «Die Schüsse müssten etwa einen Kilometer weit zu hören gewesen sein», sagt Krüsi. «Möglich, dass der Täter einen Schalldämpfer benutzte oder die Anwohner die Schüsse für eine Militärübung hielten.» Woher die Munition und die Waffe stammen, weiss die Polizei noch nicht.
Seltsames aus der Stadt
Waldbesitzer Künzle bleibt derweil nichts anderes übrig, als die zerstörten Bäume aus seinem Wald zu räumen. Als Waldbesitzer müsse man das in Kauf nehmen, vor allem, wenn der Wald in Stadtnähe liege. Es komme immer wieder vor, dass Leute nicht wissen, wie man sich in der Natur verhält. «Ich habe schon eine ganze Polstergruppe zwischen den Bäumen gefunden. Das ist mindestens genauso skurril wie der jetzige Fall.»
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deich (31. Mai 2012, 15:22)
Seltsam
Da verwechselt ein Waldbesitzer eine abgewetzte Polstergruppe mit Pistolenmunition! Man sollte da schon etwas genauer hinschauen. Hier ist eindeutig die Polizei gefragt. "In Kauf nehmen", wie der Waldbesitzer meint, gilt nicht.
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