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Tagblatt Online, 26. Januar 2009 01:00:50

«Wir feiern Wort und Bild»

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«Ferment»-Team an der Pressekonferenz vom Samstag (von links): Almut Haneberg, Andreas Baumeister, Adrian Willi, Vreni Merz, Pierre Stutz.

Seit 50 Jahren erscheint in Gossau die Zeitschrift «Ferment». Entstanden zur Zeit des kirchlichen Aufbruchs, regt sie an zu einem Leben mit spirituellem Tiefgang und in sozialer Verantwortung. Am Samstag wurde «Geburtstag» gefeiert.

josef osterwalder

gossau. An einem bessern Tag hätte die Zeitschrift «Ferment» ihren 50. Geburtstag nicht feiern können. Am Wochenende waren es genau 50 Jahre her, seit Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil angekündigt hatte. Damals hatte er die Kirche auf ein «aggiornamento» verpflichtet, ein Ausdruck, der Aufbruch, Zeitgenossenschaft und Leben im Heute bedeutet.

Ein Kind des Konzils

All dies wurde auch zum Programm der Zeitschrift «Ferment». Die Gemeinschaft der Pallottiner-Patres erkannte, dass die Vorstellungen des Papstes sich mit jenem Programm decken, das Vinzenz Pallotti (1795–1850) einst ihrer Ordensgemeinschaft gegeben hatte. Dieser Gedanke begeisterte die Gossauer Pallottiner auf dem Friedberg so sehr, dass sie beschlossen, den Konzilsgeist mit einer neuen Zeitschrift zu verbreiten. Sie sollte mit ihren Beiträgen zeigen, was weltoffener Glauben bedeutet und wie eine echt gelebte Spiritualität zu engagierter Weltverantwortung führt.

50 Jahre folgte die Zeitschrift diesen Grundsätzen, blieb ihnen genauso treu wie ihrer auffallenden Aufmachung. Und immer mehr zeigte sich, wie treffend der Titel «Ferment» für eine Publikation passt, die wie ein «Sauerteig» stimulierend in der Gesellschaft wirken will.

Geburtstagsfest

Am Samstag luden Herausgeber und Redaktion auf den Friedberg zum «Ferment»-Geburtstag ein. Provinzial Adrian Willi erinnerte, wie die Zeitschrift und ihre Redaktoren den Ferment-Gedanken unbeirrt durchgetragen habe. Redaktionsleiter Andreas Baumeister stellte seine Mitarbeitenden vor, zu denen mit Pierre Stutz einer der bekanntesten Verfasser spiritueller Schriften gehört. Vreni Merz und Almut Haneberg steuern sozial- und religionspädagogische Erfahrung bei. Stets im Bemühen, den theologischen Aussagen Bodenhaftung zu geben. Vreni Merz erläutert es an einem Beispiel: «Wenn jemand sagt, Gott liebe die Menschen und sei ihnen nahe, dann ist das zwar absolut richtig. Doch weit berührender wirkt, wenn ein Schulkind sagt <Gott ist wie ein Skianzug>; das kommt unmittelbar vom Herzen.»

Vortritt für die Bilder

Dass die Zeitung «Ferment» 50 Jahre heil überdauern konnte, liegt auch daran, dass Bilder und Texte überzeugend aufeinander bezogen sind. Sie scheinen ineinander zu fliessen. «Wir feiern Wort und Bild», hiess darum das Motto zum Geburtstagsfest der Zeitschrift.

Doch nicht nur der Vorrang der Bilder gehört zu den Besonderheiten des «Ferments»; auffallend ist auch, dass es sich stets um Schwarz-Weiss-Aufnahmen handelt. Dies gibt den Heften eine eigenartige Kargheit, die sich wohltuend von der täglichen Übersättigung mit schreiend bunten Bildern abhebt. So deutet bereits die Bildsprache des «Ferments» an, worauf es bei einem spirituellen Weg ankommt: «Man muss sich zurücknehmen, auf das Wesentliche konzentrieren», sagt Pater Willi.

Schwarz und weiss

Da ist es nur konsequent, dass das eben erschienene Januar-Heft «schwarz und weiss» zum Thema macht. Es entfaltet bipolare Beziehungen wie «ich und du», «lebend und tot», «heiter und ernst». Dies sind Themen, die sowohl die Lebenskunst als auch die Glaubenswelt berühren. «Es geht um Spiritualität im Alltag», sagt Andreas Baumeister, «damit wir einen inneren Anker finden, unser Leben bewusst gestalten und frei und klar mit dem Wandel der äussern Verhältnisse umgehen können.» Ein ebenso anspruchsvolles wie unumgängliches Ziel.





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