Tarzan mit Kettensäge

GOSSAU ⋅ Der Wald als Lebensraum, Lieferant für Energie und Schutz vor Naturereignissen fasziniert. Besonders am Tag des Holzes, an dem Waldarbeiter ihr Können demonstrierten.
18. September 2017, 06:29
Nina Rudnicki

Nina Rudnicki

redaktiongo@tagblatt.ch

Der Lärm der Kettensägen dringt bis zum Waldrand. Dort steigt eine Gruppe aus dem Shuttlebus und spaziert in den Diggetwald bei Niederbüren. Losgefahren waren die Besucher vom Erlenhof der Gossauer Holzverarbeitungsfirma Lehmann AG. Auf einem Rundgang mit fünf Posten wollen sie im Rahmen des Tages des Schweizer Holzes am Samstag alles rund um das Thema Waldberufe, Waldpflege, Holzsorten und Holzernte erfahren. Das ist spektakulär: Kinder und Erwachsene schauen gespannt zu, wie sich ein Waldarbeiter mit einem Langseil durch die Baumkronen schwingt. Die Kettensäge hängt an seiner Hüfte. Dann stellt er sich nahe am Stamm auf einen Ast und schneidet von diesem Stück für Stück ab. Anschliessend schwingt er sich auf den nächsten Ast. Nur ein paar Meter weiter, beim Posten «Demonstration Holzernte» schält ein baggerartiges Fahrzeug mit seiner Kralle die Äste und Rinde von den gefällten Baumstämmen. Die geschälten Baumstämme stapelt es wie Zündhölzchen auf einen Haufen.

Waldberufe liegen wieder im Trend

Beim Posten «Waldberufe» ist auch Revierförster Bernhard Herbert anzutreffen. Er informiert die Besucherinnen und Besucher, welche Waldberufe, Studiengänge und Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt. «Über Nachwuchsmangel können wir uns nicht beklagen. Auf eine Lehrstelle erhalten wir vier bis fünf Bewerbungen», sagt er. Waldberufe seien seit einigen Jahren im Trend. Er vermute, das liege daran, dass es viele Jugendliche wieder stärker zur Natur und zum Handwerk ziehe. «Als Forstwart trage man zudem ziemlich schnell viel Verantwortung und habe einen abwechslungsreichen, spannenden Arbeitsalltag», sagt Herbert. Auf der Infotafel sind aber auch weitere Berufe aufgeführt wie Waldpädagoge, Baumpfleger, Forstmaschinenführer und Förster.

Der Diggetwald ist laut Herbert ein typischer Schweizer Wald. Hier wachsen Birken, Ahorn, Lerchen, Douglasien, Buchen, Eichen und Fichten. Letztere sei der «Brotbaum» jedes Holzunternehmens, sagt Herbert. «Die Fichte ist einfach nachzuziehen, kann vielseitig verwendet werden und lässt sich einfach verarbeiten.» Die Bäume aus dem Diggetwald werden als Energie-, Industrie-, Laubnutz- und Nadelnutzholz verwendet und für alles mögliche von Möbeln, Parkett, oder Platten bis hin zu Holzschnitzeln gebraucht.

Bis zum späten Nachmittag haben rund 30 Mitarbeitende den über 1000 Besucherinnen und Besuchern alles rund um den Wald erklärt und demonstriert. Im Mittelpunkt stand dabei die Botschaft, dass der Wald nicht nur Holz liefert, sondern auch vor Naturgefahren wie Rutschungen, Murgängen und Hochwasser schützt. Zudem ist er ein Hort der Biodiversität und beherbergt seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten, ist Trink- und Luftfilter sowie «die grösste Sportarena». 50 Prozent der Bevölkerung ist mindestens einmal in der Woche im Wald – ein Teil davon nun mit ein wenig mehr Hintergrundwissen.


Leserkommentare

Anzeige: