Schmusen erlaubt

GOSSAU ⋅ Hauskatzen sind nicht erziehbar? Das sieht Gabi Federer Greulach anders. Momentan dressiert sie vier verspielte Stubentiger. Dazu braucht die Direktorin des Walter-Zoos viel Feingefühl und Geduld.
30. September 2017, 05:19
Angelina Donati

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angelina.donati

@tagblatt.ch

Gwundrig gucken Aria, Snow, Daario und Drogo hinter einer Türe hervor. Flink wendet sich Aria, springt auf den Fenstersims, hüpft auf einen Tisch und klettert gleich danach rasend schnell auf den Katzenbaum. Als wollte das Kätzchen zeigen, welche Tricks es bei Walter-Zoo-Direktorin Gabi Federer Greulach schon gelernt hat. Seit Juli ist der Zoo das neue Zuhause der vier Bauernhofkatzen. «Ich habe es vermisst, mit Katzen zu arbeiten», sagt Gabi Federer Greulach. Es sei ein wunderbarer Ausgleich, zu ihren teils bürokratischen Tätigkeiten. Ob mit einem Schimpansenkind herumzualbern oder einen jungen Waschbären zu knuddeln: Aufgewachsen auf dem Zoogelände ist sie sich gewohnt, von allen möglichen Tieren umgeben zu sein.

«Katzen waren immer schon meine Lieblinge.» Es seien sehr stolze Tiere. Genau den Stubentigern wird aber gerne nachgesagt, dass sie eigenwillig und unerziehbar seien. Gabi Federer ist anderer Meinung: «Entscheidend ist, wie man die Katzen motiviert. Zur Belohnung gehören ein Leckerli und viel Streicheleinheiten. Auch auf die Körperhaltung, Tonlage und Energie kommt es an», erklärt die Tierlehrerin. Sie sagt aber auch, dass man eine gewisse Begabung dazu brauche.

Dem Tier eine Beschäftigung geben

Täglich trainiert die Zoodirektorin vormittags und nachmittags jeweils eine halbe Stunde lang mit den Katzen. Mit viel Feingefühl und Geduld. «Am Anfang schauten sie mich etwas verdutzt an und dachten sich wohl, ‹was will die von uns›», sagt sie und schmunzelt. «Mittlerweile aber sind sie sehr erwartungsvoll und beobachten mich genau.» Bereits nach so kurzer Zeit können Aria, Snow, Daario und Drogo schon ein paar kleine Kunststücke. Etwa Männchen machen, von Podest zu Podest hüpfen oder auf den Hinterbeinen hocken. «Jedes Tier lernt auf seine eigene Art und nach seinem Tempo.» Es sei wichtig, auf jedes einzeln einzugehen. Katzen seien sehr sensibel. «Wenn ihnen etwas nicht passt, dann machen sie auch nicht mit.» Das sei auch gut so: «Das Tier soll man ein Tier sein lassen und es nicht unter Druck setzen.» Mit dem Dressieren gibt ihnen Gabi Federer eine Beschäftigung, welche die Tiere fordert und ihnen Freude bereiten soll. Und natürlich komme auch die gegenseitige Zuneigung nicht zu kurz. «Manchmal sitzen alle nebeneinander auf den Podesten und schnurren im Gleichtakt», erzählt die Zoodirektorin begeistert. «Und immer wieder schmusen wir zusammen.»

Erfahrung Katzenhaltern weitergeben

Zu sehen, wie die kleinen Katzen in dieser kurzen Zeit schon erste Fortschritte gemacht haben und ihnen die Tricks immer besser gelingen, stimmt Gabi Federer zufrieden. So zufrieden, dass sie sich sogar einen Auftritt am diesjährigen Tingel-Tangel-Variété im Zoo mit einer oder zwei Katzen vorstellen kann. Und auch dann könne es vorkommen, dass die Vierbeiner zwischendurch lieber schmusen als folgen. «Das darf und soll auch seinen Platz haben.» Dennoch drängt die Zeit: Bereits am 17. November feiert die Show Premiere. Mit einbezogen wird auch Tochter Jeannine Gleichmann-Federer. Auch sie hat Spass, mit den Katzen Nummern einzustudieren, wie Mutter Gabi erzählt.

Für Gabi Federer Greulach ist es bereits die dritte Katzengruppe, mit der die Tierlehrerin in ihrer über 40-jährigen Karriere arbeitet. «Aisha, eine der Katzen aus der zweiten Gruppe, die ich dressierte, ist heute 18 Jahre alt», erzählt Gabi Federer. «Die Tricks hat sie noch immer auf Lager. Aber natürlich ist sie mit dem Alter ruhiger geworden.» Mit ihrer Katzennummer machte sich die Gossauerin einen Namen, trat unter anderem im Zirkus Krone auf und gewann 1990 aus über 400 Artisten den Schweizer Showtalentwettbewerb. In ihrem Buch «Spiele für Katzen» verrät sie die Tricks, wie ein Stubentiger dressiert werden kann. Bald auch möchte sie ihren Erfahrungsschatz wieder mit ihrer altbewährten Show «Gabi’s-Katzentraining» den Zoobesuchern weitergeben. Noch steht das Startdatum nicht fest.


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