Remo Schelb hat genug

RÜCKTRITT ⋅ Per Ende Jahr legt SVP-Parlamentarier Remo Schelb sein Amt nieder. Der Rücktritt eines der engagiertesten Parlamentarier kommt überraschend. Allerdings gab es in letzter Zeit einige Unstimmigkeiten.
02. Dezember 2017, 07:57
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Noch vor wenigen Tagen war die SVP dank der Wahl von Claudia Martin in den Stadtrat in bester Festlaune. Nun gibt es für die Partei aber einen Dämpfer: Remo Schelb, der im Jahre 2013 notabene für Claudia Martin ins Parlament nachrückte und im vergangenen Jahr von der Stimmbevölkerung bestätigt wurde, tritt per Ende Jahr zurück. Fraktionspräsident Gallus Hälg verschickte gestern eine Medienmitteilung mit der Neuigkeit. Über die Gründe zum Rücktritt ist nichts zu lesen; auf Anfrage sagt Hälg, der Rücktritt sei Remo Schelbs persönlicher Entscheid. Man habe sich geeinigt, dies auf diese Weise zu kommunizieren.
 

Engagiert, aber auch umstritten

Der Weggang des Arnegger Unternehmers stellt auch für das Gossauer Stadtparlament einen Verlust dar. Denn Schelb war eines seiner engagiertesten Mitglieder: In der relativ kurzen Zeit reichte Schelb zehn Vorstösse ein, darunter zwei Motionen. Die Inhalte der Vorstösse, sie reichen von den Stadtwerken, über die Umzonung Dorfkern Arnegg bis hin zu verschiedenen finanzpolitischen Fragen, zeigen deutlich, dass sich Schelb verschiedenen Themen annahm. Selbst politische Gegner attestieren ihm Tüchtigkeit; er habe sich in viele Dossiers hineingekniet. Aus Parlamentskreisen ist zudem zu hören, dass es in Gossau mehr Politiker vom Typ Remo Schelb geben dürfte. Zumal er auch die Arbeit in den Kommissionen engagiert und pflichtbewusst erfüllt habe.

Allerdings hat Remo Schelb auch seine Kritiker. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass es solche auch in den eigenen Reihen gibt. Beobachter haben ihn darum auch als Einzelkämpfer wahrgenommen. In den vergangenen Wochen hat es zudem mindestens zwei Streitpunkte mit anderen Parteimitgliedern gegeben. In der Parlamentssitzung vom 7. November hat ein SVP-Fraktionsmitglied Schelbs Motion «Rückkehr zu einem bewährten Regierungssystem» nicht unterstützt und den Vorstoss dadurch zu Fall gebracht. Zudem hat sich herumgesprochen, dass Schelb überhaupt nicht damit einverstanden war, dass die SVP den Stadtpräsidentkandidaten Daniel Lehmann von der CVP nicht unterstützen wollte und Stimmfreigabe beschloss.

Dass Schelb Kritiker hat, trat bereits vor den Erneuerungswahlen im vergangenen Jahr zu Tage. Anonym wollte jemand ein Inserat in der Zeitung schalten mit dem Spruch: «Wer ihn kennt, der wählt ihn nicht. Wer ihn wählt, der kennt ihn nicht.» Der Verlag der Tagblatt-Medien beschloss, das Inserat mit diesem persönlichen Angriff nicht abzudrucken.
 

SVP weiterhin auf Verjüngungskur

Die SVP blickt in ihrer Mitteilung nicht nur auf den «bedauerlichen» Weggang von Remo Schelb, sie freut sich auch, Pascal Fürer als ersten Ersatz in der Fraktion begrüssen zu können. Fürer ist mit seinen 23 Jahren der jüngste Stadtparlamentarier. Sein Einzug steht auch für den Generationenwechsel, der derzeit in der SVP stattfindet. Und er drückt das Durchschnittsalter der SVP-Parlamentarier weiter nach unten, auf 36 Jahre.

Schelb ist der dritte Parlamentarier, der kürzlich sein Amt niedergelegt hat. Im September machte Marlis Eeg-Blöchliger (SP) den Anfang; für sie rückte Werner Bischofberger nach. Im November gab FDP-Fraktionspräsident Felix Koller seinen Rücktritt bekannt; beerbt wird sein Sitz von Brigitta Mettler.


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