Pächter bleibt verschwunden - «Ochsen» in neuer Hand

GOSSAU ⋅ Das Restaurant La Piazza am Ochsenkreisel hat einen neuen Pächter. Erich Hug ist voller Freude und Tatendrang. Bei der Eröffnung im Oktober wird das Restaurant völlig verändert sein.
07. September 2017, 09:57
Marlen Hämmerli

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Das ehemalige Restaurant La Piazza am Ochsenkreisel hat einen neuen Pächter. Nachdem der letzte Pächter über Nacht mit Sack und Pack verschwand, hat Erich Hug das Restaurant übernommen. Die Eröffnung von «Hug’s Ochsen» ist auf den 14. Oktober angesetzt. «Derzeit sind wir im Zeitplan. Ob ich aber wirklich Mitte Oktober eröffnen kann, ist noch etwas unsicher», sagt Hug. Denn bis dahin bleibt einiges zu tun. Auf Hugs Initiative hin wird nicht nur wie vom Vermieter geplant die Küche renoviert, sondern alle Räume.

Hug gestaltete die Räume mit einem Designer neu

Euphorisch berichtet Hug von seinen Plänen und verabschiedet nebenbei die Maler, die gerade Feierabend machen. «Ich habe mich riesig darüber gefreut, den Zuschlag erhalten zu haben. Der ‹Ochsen› ist ein historisches, zentral gelegenes Gebäude mit Charme.» Nun wolle er die Räume «auffrischen und das Restaurant in die moderne Zeit führen». Alle Räume werden frisch gestrichen und der Schankraum erhält ein neues Erscheinungsbild. Für das Konzept habe er mit einem Designer zusammengearbeitet. Ausserdem kaufte Hug neue Küchengeräte, liess den Boden neu plätteln und richtete den Personalraum gemütlich ein.

Hugs Vorgänger war im Juli von einem Tag auf den andern verschwunden. Vermieter Fredi Brändle hat seitdem nichts mehr vom ehemaligen Wirt gehört. «Ich weiss nur, dass ihm der geleaste Porsche abgenommen wurde.» Die unbezahlten Monatsmieten schreibt Brändle nun ab und blickt nach vorne.

Nebst Hug hatten sich vier weitere Betreiber für das Restaurant interessiert. Erich Hug erhielt den Zuschlag, weil er auf Brändle den besten Eindruck gemacht hat: «Er hat Gastronomieerfahrung und ist bodenständig.» Als Vermieter wolle er Hug nicht in die Betriebsführung dreinreden. «Aber ich habe mit ihm besprochen, dass er den ‹Ochsen› wieder zurück zu seinen traditionellen Wurzeln führt.»

Jeder ist willkommen und soll das auch spüren

Was Hug genau plant, will dieser nicht verraten. «Ich möchte die Spannung aufrecht erhalten.» Es werde aber sicher keine Pizzeria mehr sein. Wichtig sei ihm, dass sich jeder willkommen fühle: «Egal ob Jung oder Alt. Ob sie das Essen mitnehmen möchten oder lieber vor Ort essen. Ich begrüsse alle.» Hug liegt viel daran, ein positives Ambiente zu schaffen und mit guter Laune und leckerem Essen zu überzeugen. «Wenn die Gäste das Restaurant verlassen, sollen sie in guter Stimmung sein.»

Erich Hug ist in Winkeln aufgewachsen und hat seine Lehre zum Koch im «Goldenen Schäfli» an der Metzgergasse gemacht. Danach arbeitete er während 30 Jahren als Koch und Restaurantleiter in verschiedenen Restaurants in St. Gallen und der Umgebung. «Wo genau, spielt keine Rolle. Wichtiger ist, dass die Gastronomie meine Leidenschaft ist. Ich habe Freude am Beruf und an den Leuten.»

Bis zur Eröffnung bleibt noch einiges zu tun. Das Logo und die Homepage sind bald fertig und täglich hat Hug mehrere Termine, unter anderem mit Lieferanten. Ihm gefällt es: «Ich bin jeden Tag mit Freude dran. Es ist toll, wie sich alles entwickelt.»

Eine bewegte Geschichte

Der neue Pächter Erich Hug freut sich, in einem «solch speziellen Gebäude» zu wirten. Damit spielt er auf die Geschichte des «Ochsen» an. Dieser wurde 1707 als Wohn- und Geschäftshaus für den Tuchhändler Sebastian Condamin erbaut. Nachdem die Fürstabtei das Gebäude 1789 gekauft hatte, liess es Abt Beda Angehrn umbauen. Die Bausubstanz des heutigen «Ochsen» geht deshalb auf die Jahre 1789/1790 zurück. Nach dem Umbau verlegte Obervogt Karl Müller-Friedberg seinen Sitz vom Schloss Oberberg in den «Ochsen». Damit wurde das Gebäude für kurze Zeit ein Gerichts- und Verwaltungssitz der Fürstabtei. 14 Jahre später wurde der Kanton St. Gallen gegründet.

Seit dem 19. Jahrhundert diente der «Ochsen» als Gaststube, wie Historiker Karl Schmuki gegenüber dem «Tagblatt» sagte. Unter Alois Gemsch (1847– 1907) und seinen Nachfahren wurde der «Ochsen» zu einer renommierten Gaststätte in Gossau. Nach einigen Pächterwechseln übernahm die Familie Brunner und führte das Restaurant über Generationen hinweg. Danach wechselte es wieder einige Male den Pächter. (mha)


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