Mit Bäumen die Wiese beleben

NAHERHOLUNG ⋅ Lange haben Bevölkerung und Behörden darüber geredet, nun scheint das Projekt greifbar nahe. Gesammelte Ideen für eine neue Nutzung der Mooswiese werden derzeit auf dem Reissbrett skizziert.
12. Oktober 2017, 06:48
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Wer derzeit vor dem Lager­schuppen der Braun AG auf der Mooswiesstrasse läuft, dem dürfte die kleine Baustelle neben dem Spielplatz auffallen. Bauschranken versperren eine Betonfläche, aus der ein blaues Leitungsrohr ragt. Am Entstehen ist hier ein öffentliches WC-Häuschen; es wird das fünfte in ganz Gossau sein. Bis die WC-Anlage samt Verschalung angeliefert und aufgebaut wird, dauert es nicht mehr lange. «Planmässig soll das WC ab Anfang November benutzbar sein», sagt Hans-Peter Roters, Leiter des städtischen Tiefbauamts. Das ganze Projekt koste die Stadt 150 000 Franken. Ein WC-Häuschen neben dem Spielplatz ist ein lang gehegter Wunsch. Bislang habe man mit Provisorien gearbeitet, über die lange Sicht habe das aber nicht funktioniert, sagt Roters. Dem bald fertig­erstellten stillen Örtchen könnte in Zukunft aber noch mehr Bedeutung zukommen, sagt Roters und lässt damit durchblicken, dass punkto neue Nutzung der Mooswiese einiges in Gang ist. Auch wenn das WC nicht zu diesem Projekt gehört, kann es also als Vorbote auf die schon seit Jahren angestrebte Aufwertung der Mooswiese betrachtet werden.

Massnahmen für eine «sanfte» Nutzung

Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt, bestätigt die Aussagen von Roters und ­ergänzt: «Derzeit ist ein Landschafts-Architekturbüro daran, einen Plan zu entwerfen.» Die Bevölkerung soll die acht Hek­taren grosse und zentrumsnahe Fläche künftig stärker nutzen können. Dies wird schon lange gewünscht: «Die Idee einer Aufwertung der Mooswiese hat viele Mütter und Väter», sagt Salzmann. Man habe aber stets gewusst: Übertreiben darf man es nicht. Die Fläche soll laut Salzmann ein ­Miteinander von Landwirtschaft und Freizeitnutzung ermöglichen. «Und», erinnert Salzmann daran, «der grösste Teil der Wiese ist Grundwasserschutzzone, was die ­Nutzungsmöglichkeiten einschränkt.»

Obschon die Möglichkeiten begrenzt sind, dürfte sich bei einer allfälligen Aufwertung das Bild der Mooswiese ändern. Die Architekten schätzen nicht nur die Kosten, sie sind laut Salzmann auch damit beauftragt, bei vier Themen Ideen zu aufzunehmen und Vorschläge zu unterbreiten. Zum einen sollen neue Wege mehr zum Spazieren auf der Wiese einladen. Verschönert soll der Freiraum mit zusätzlichen Bäumen werden. Drittes Thema sind «Möbel», also verschiedenartige Sitzgelegenheiten. Noch ziemlich schwierig vorzustellen mag das vierte Thema sein: «Nutzungsmöglichkeiten ohne Nutzungsinfrastruktur». Die Idee der «sanften» Nutzung der Mooswiese heisst zum Beispiel Drachen steigen lassen, Frisbee werfen oder Fussball spielen. Die Mooswiese soll auch ein Ort der Begegnung sein.

Stadtbewohner ­haben ­mitgearbeitet

Den Auftrag an das Architekturbüro hat im Grunde genommen nicht die Stadtverwaltung, sondern die Stadtbevölkerung erteilt. Die Idee eines Stadtparks ist nämlich am «Zukunftskafi» im Mai 2014 durch Teilnehmer wieder aufs Parkett gebracht worden. Der Stadtrat hat darauf das Projekt der Region Appenzell AR-St. Gallen-Bodensee eingereicht. Mit fünf anderen Orten wurde Gossau ins Programm «Stadtlandschaften» aufgenommen. Diesen Sommer hat die Region das Projekt abgeschlossen. Daraufhin hat die Stadtverwaltung den Auftrag mit konkreten Ideen, die im ganzen Partizipations­verfahren gebündelt wurden, an ein Büro vergeben. Läuft nun ­alles nach Plan, liegen Ende Jahr Vorschläge vor für eine etappenweise Umsetzung der Mass­nahmen. Später werden Vorhaben und Finanzierung im Stadtparlament beraten.


Leserkommentare

Anzeige: