Mit 55 in die Hausgemeinschaft: Neues Altersprojekt in Gossau

GOSSAU ⋅ Ältere Menschen leben oft allein oder in einem Altersheim. Heinz Loretini will mit dem Verein "Wohnen im Alter Gossau" einen dritten Weg bieten.
12. Februar 2018, 06:16
Adrian Lemmenmeier

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Wer pensioniert ist, hat Zeit. Zeit, die Welt zu bereisen, Enkelkinder zu betreuen oder ehrenamtlich die Bücher des lokalen Schützenvereins zu führen. Doch viele ältere Menschen wissen nicht, was sie mit so viel Zeit anfangen sollen. "Im Alter gehen soziale Beziehungen oft verloren", sagt Heinz Loretini. "Viele Menschen vereinsamen."

Loretini, Finanzchef der Stadt Gossau und Präsident der Gemeinnützigen und Hilfsgesellschaft St.Gallen, steht auch dem Verein "Wohnen im Alter Gossau" vor. Dieser hat ein Bauprojekt lanciert, das der Vereinsamung im Alter vorbeugen soll. "Wir haben festgestellt, dass es zwischen dem selbstständigen Wohnen und dem Leben im Altersheim eine Lücke gibt", sagt Loretini. Diese Lücke soll eine Hausgemeinschaft füllen: Menschen ab 55 wohnen gemeinsam in einem Haus, aber in eigenen Wohnungen.
 

Wohnen, Jassen, ins Theater gehen

Eine solche Hausgemeinschaft plant der Verein an der Gossauer Beda-Strasse auf einer jetzt noch grünen Wiese, die auf zwei Seiten von den Bahngleisen flankiert wird. Hier sollen zwei Häuser entstehen, mit ungefähr 20 Wohnungen und mit Gemeinschaftsräumen. Voraussichtlich, denn noch sind die Pläne in der Ausarbeitung. Loretini schätzt, dass gegen Ende Jahr die Prüfung durch den Kanton erfolgt und anschliessend das Baugesuch eingereicht wird. Als Investorin fungiert die Gossauer Genossenschaft für Wohnungsbau. "Die Mietwohnungen sollen für alle Schichten erschwinglich sein", sagt Loretini. "Keine Sozialwohnungen, aber erschwinglich."

Ältere Leute sollen hier nicht bloss unter einem Dach wohnen, sondern auch gemeinsam etwas unternehmen. "Die Idee ist, dass man sich zum Jassen trifft oder zusammen ins Theater geht." Der Verein werde gemeinsame Aktivität für die Bewohner organisieren. "Die Idee an der Hausgemeinschaft ist auch, dass man aufeinander Acht gibt", sagt Loretini. Führe man regelmässig gemeinsam Veranstaltungen durch, falle es den anderen Bewohnern auf, wenn jemand fehle. "Dann kann man schnell nachschauen, ob alles in Ordnung ist."
 

Idee vor zehn Jahren entstanden

Geboren wurde die Idee für eine Gossauer Hausgemeinschaft vor zehn Jahren. Gemeinsam mit Bekannten sei er damals in der Gossauer Markthalle gesessen, sagt Heinz Loretini. Man habe über das Alter gesprochen, darüber, dass man die Zeit gemeinsam nutzen wolle. "Das Leben geniessen", sagt Loretini, "Party machen".

Daraufhin habe man den Verein "Wohnen im Alter in Gossau" gegründet. Neben Präsident Loretini gehören auch Erika Schweiss, Adelheid Schweizer sowie die ehemaligen Stadtratsmitglieder Madeleine Stuker und Stefan Lehnherr zum Vorstand. Die Idee, gemeinsam in die Hausgemeinschaft zu ziehen, habe sich bei vielen gehalten, sagt Loretini. Auch er will dereinst an die Beda-Strasse zügeln.


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