Millionen gegen Mikroschmutz

AUFWERTUNG ⋅ Das Wasser, das aus der ARA in die Glatt fliesst, enthält heute Rückstände von Medikamenten oder Pflanzschutzmitteln. Damit soll bald Schluss sein, der Abwasserverband will die Anlage erneuern.
13. November 2017, 06:59
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Seit einigen Jahren können bei der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Oberglatt die Grenzwerte für Mikroverschmutzungen im Wasser kaum eingehalten werden. Nur durch den «massiven Einsatz» von Chemikalien und maximaler Belüftung der Biofil­tration könne man Gegensteuer geben. Sorgen bereitet den Verantwortlichen auch der gelöste organische Kohlenstoff, dessen Grenzwert bis heute überschritten wird. Da die ARA Oberglatt die neuen landesweiten Vorgaben im Normalbetrieb nicht mehr einhält, muss der Abwasserverband, dem Flawil, Degersheim und Gossau angeschlossen sind, pro Kopf neun Franken pro Jahr bezahlen. Das soll sich mit einem Erweiterungsbau ändern. Eine entsprechende Parlamentsvorlage ist bereits ausgearbeitet.

Mikroverschmutzung wird fast ganz verschwinden

Die ARA soll in erste Linie ausgebaut und durch eine neue Reinigungsstufe erweitert werden. Gemäss der Planung dürfte das Bauprojekt rund 20 Millionen Franken kosten, 13 davon fallen auf die Stadt Gossau, die sich gemäss Verursacherprinzip mit 55,5 Prozent an den Betriebs- und Baukosten beteiligt.

Die ARA soll von heute vier um drei weitere Becken ergänzt werden. Damit dürfte die Kapazität trotz vorgesehenem Wachstum bis ins Jahr 2040 genügen, wie es in der Parlamentsvorlage heisst. Eine grössere Herausforderung steht mit der fast rest­losen Beseitigung von Mikro­verschmutzung im Abwasser an. Ungewünschte Rückstände stammen unter anderem aus Pflanzenschutzmitteln, Medikamente, Reinigungsmitteln oder aus Kosmetika. Der Bund verlangt eine Eliminierung von 80 Prozent aller Mikroverunreinigungen seit Anfang 2016. Der Kanton seinerseits will, dass die Anlagen bis spätestens 2022 nachgerüstet sind.

In der ARA Oberglatt soll die neue Reinigungsstufe bereits ab 2020 in Betrieb sein. In dieser wird Aktivkohle zur Bindung von Schadstoffen eingesetzt, die die Spurenstoffe binden. Zusätzlich wird ein Flockungsmittel eingesetzt, damit eine Verklumpung stattfindet und die Schadstoffe in den beiden Sedimentationsbecken entfernt werden könne. Dieses Verfahren ist bis heute noch unterschiedlich entwickelt, wie es weiter heisst. Erprobt ist bislang das «Ulmer Verfahren», mit dem einige Betreiber in Deutschland Erfahrungen haben. In der Anlage in Herisau ist das Aktivkohle-Verfahren seit Juni 2015 erfolgreich im Einsatz.

Verbesserungen will man mit der Erweiterung auch im Energieverbrauch erzielen. Im Bereich der neuen Reinigungsstufe wird Platz freigehalten für eine allfällig zukünftige Nutzung von Abwasserwärme. Die Überdachung der Becken wird zudem so konzipiert, dass später eine Fotovoltaikanlage installiert werden kann.

Bund befiehlt, zahlt aber auch

An den 20 Millionen Franken für die Sanierung wird sich auch der Bund beteiligen; er zahlt einen Beitrag von 9,3 Millionen Franken. Damit ist der Nettokredit, den die Stadt Gossau berappen muss, noch 5,9 Millionen Franken exklusive Mehrwertsteuern. Eingeholt werden muss aber der Bruttokredit von rund 11 Millionen Franken exklusive Mehrwertsteuer. Wie die Stadtkanzlei bestätigt, soll die Vorlage an der nächsten Stadtparlamentssitzung vom 4. Dezember behandelt werden. Ein Kredit dieser Höhe verlangt aber eine Volksabstimmung. Voraussichtlich wird diese im März 2018 durchgeführt. In Flawil wird ebenfalls an der Urne entschieden, in Degersheim entscheiden die Stimmbürger an der Bürgerversammlung.


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