Leseratte wird Spitzensportlerin

GOSSAU ⋅ Ihr Terminkalender ist rappelvoll und sie jettet um die Welt: Nun wird Sprinterin Salomé Kora Botschafterin des Gossauer Weihnachtslaufes. Dabei konnte sie sich lange überhaupt nicht für Sport begeistern.
18. November 2017, 05:19
Angelina Donati

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@tagblatt.ch

Beinahe geht die Gossauer Spitzensportlerin Salomé Kora in der Masse der geladenen Gäste am Sponsorenapéros des Gossauer Weihnachtslaufes unter. Aber eben nur beinahe. Wie Speaker Röbi Schumacher bei seinem darauffolgenden Interview bemerkt, ragt die 23-Jährige nicht nur mit ihren High Heels, sondern auch mit ihren hochgesteckten Haaren aus der Menge. Daneben macht sie auch ihr fröhliches Gemüt unverkennbar.

Gut lachen hat Salomé Kora denn auch: In ihrer jungen Karriere konnte sie bereits zahlreiche Erfolge im Einzelsprint und in der Staffel verbuchen. «Aber mal sehen, wie mir bei schlechten Ergebnissen zu Mute sein wird», sagt sie fast entschuldigend. «Mein Lachen möchte ich aber auch dann nicht verlieren.» Mit ihrer authentischen Art gewinnt die Gossauerin die Sympathien der über 100 Anwesenden am Donnerstagabend in der Acrevis-Filiale. Gebannt lauschen sie den Erzählungen Koras über den untypischen Weg ihrer Karriere.

Von Verletzungen verschont geblieben

«Als Kind war ich eine Leseratte und hatte mit Sport nicht viel am Hut», sagt Salomé Kora, die in Arnegg aufgewachsen ist. Fünf Jahre lebte sie mit ihrer Familie zwecks eines humanitären Einsatzes in Benin. Das Jagen von Hühnern habe dabei zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört. Als Elfjährige und zurück in Gossau trat das Mädchen der LAG Gossau bei. «Nicht alle Disziplinen aber sagten mir zu und so gab ich rasch wieder auf», sagt sie und fügt hinzu: «Lieber lag ich auf der faulen Haut», worauf Gelächter folgt. Während ihre beiden jüngeren Schwestern Freude am Volleyballspielen in Andwil gefunden hatten, frönte sie nach Schulschluss anderen Dingen.

Der Bitte ihres Vaters, «etwas Sinnvolles mit ihrer Freizeit anzustellen», sei sie mit 17 Jahren dann doch noch gefolgt, wie sie mit einem Schmunzeln erzählt. Kaum hat sie sich der Sprintgruppe des LC Brühls angeschlossen, nahm ihr Weg eine rasante Fahrt auf. So ist sie heute unter anderem die zweitschnellste Schweizerin im 100-Meter-Lauf. «Sprint ist einfach meine Disziplin.» Vor allem der Nervenkitzel, den sie dabei verspürt, habe es ihr angetan. Ihre Rekorde aber wolle sie auch weiter toppen. Trotz allem sei sie sich bewusst, dass der weitere Weg steinig werden würde. «Glücklicherweise bin ich bislang von Verletzungen verschont geblieben.» Lediglich zwei Ermüdungsbrüche hatte sie zu beklagen. Um überhaupt weiter an der Spitze zu kratzen, ist intensives Training und jede Menge Disziplin unabdingbar. Genau aber an der Disziplin habe es früher hie und da gehapert. «Sobald ich aber sehe, dass sich meine Arbeit lohnt, packt es mich», sagt sie.

Bücher lesen und Cheesecake backen

Unterstützung für ihren sportlichen Einsatz erhält die Gossauer­in nun durch den Jugendsportförderungsfonds des Gossauer Weihnachtslaufes. Ein Betrag, mit dem sie unter anderem die Kosten für Trainingslager begleichen möchte. Über die Summe schweigt sich das OK aus. Gleichzeitig fungiert Salomé Kora für die 31. Austragung im Jahr 2018 als Botschafterin. Weil das Datum des Laufes jeweils in die Trainingslagersaison fällt, kann die Sprinterin wohl nicht daran teilnehmen. Seit neustem ist nun bekannt, dass sich hingegen Selina Büchel und Nicola Spirig am diesjährigen Lauf am 2. Dezember messen werden. Salomé Kora selbst nahm zweimal an Austragungen teil und hatte mit dem Ausdauersport ihre liebe Mühe, wie sie gesteht.

Derzeit lässt sich Salomé Kora an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen in Gossau zur Oberstufenlehrerin ausbilden. Voraussichtlich 2019 wird sie den Master erlangen. Bevor sie aber unterrichtet, setzt sie auf ihre Profikarriere. In ihrem rappelvollen Terminkalender, der von Sport und Studium dominiert wird, verbleibt ihr nur wenig Zeit für andere Interessen. Noch so gerne aber liest sie Bücher aller Genres und backt leidenschaftlich gerne. «Cheesecake ist meine Spezialität», sagt sie und lacht. «Eigentlich blöd, dass ich Süsses so sehr mag, aber nicht wirklich zugreifen kann.» Ein Stück aber liege trotzdem drin.


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