Die Kandidaten für das Gossauer Stadtpräsidium im Video-Interview

GOSSAU ⋅ Am Tagblatt-Podium im Fürstenlandsaal erlebten die Zuschauer zwei Kandidaten mit unterschiedlichem Profil. Der Einheimische konnte mehr überzeugen. Sehen Sie die Interviews mit den Kandidaten im Video.
10. Januar 2018, 19:52
Daniel Wirth
Zwei Männer wollen Stadtpräsident der viertgrössten St.Galler Stadt werden: Daniel Lehmann (50, CVP, Gossau) und Wolfgang Giella (52, parteilos, Chur). Der zweite Wahlgang ist am 28. Januar. Im ersten vom 26. November 2017 holte der auswärtige Aussenseiter Giella am meisten Stimmen, 331 mehr als der einheimische Favorit Daniel Lehmann. Die beiden Kandidaten stellten sich am Dienstag im Fürstenlandsaal den Fragen der «Tagblatt»-Redaktoren Sebastian Schneider und Noemi Heule. Dass bereits zum zweiten Mal 500 Personen den Weg zum Podium fanden, zeigt: Die Wahl des Nachfolgers von Alex Brühwiler interessiert. Und die Ausgangslage ist spannend.

(Tagblatt)


Weder Lehmann noch Giella hatten bis heute ein politisches Amt. Auf diesen Fakt angesprochen, antwortete Lehmann, er sei ein Macher, der etwas bewegen wolle in Gossau, in der Stadt, in der er daheim sei und die jetzt einen Neuanfang brauche. Giella entgegnete, er selber sei neu hier, das sei bereits ein Neuanfang. Auf das politische Parkett der Stadt Gossau dränge er, weil sich ihm die Gelegenheit geboten habe. Giella lebt heute in Chur und arbeitet als Leiter der Bibliothek der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur.

(Tagblatt)

Ganz unterschiedliche Netzwerke

Ein Stadtpräsident braucht ein Netzwerk. Seines sei über die ganze Schweiz gespannt, sagte Giella. Er würde es nutzen, wenn es darum ginge, den Erhalt der Pädagogischen Hochschule in Gossau zu sichern. Der Einheimische Unternehmer Lehmann sagte, sein Netzwerk habe er als Präsident des Gewerbeverbandes Gossau aufgebaut. Als solcher sei er in Vernehmlassungsverfahren involviert gewesen. Er pflege Kontakte zu Mitarbeitenden und Behördenmitgliedern beim Kanton und bei umliegenden Gemeinden. Er strich gleich zweimal heraus, dass er Gründungsmitglied des Vereins «ESAF 2025 St. Gallen» sei, der das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in sieben Jahren aufs Breitfeld im Westen St.Gallens holen wolle.

Die «Tagblatt»-Moderatoren wollten von den beiden Kandidaten wissen, ob sie nach einer allfälligen Wahl ins Gossauer Stadtpräsidium sich auch vorstellen könnten, für den Kantonsrat zu kandidieren, um ihr Netzwerk für die Stadt weiterzuspinnen. Lehmann sagte, er wolle das nicht ausschliessen. Giella antwortete, als Parteiloser sei für ihn eine Kandidatur für den St.Galler Kantonsrat unmöglich. Ein Mandat im Kantonsparlament sei für einen Stadtpräsidenten aber auch nicht zwingend.

Ein weiteres Thema waren die Stadtfinanzen. Die SVP hatte das Budget 2018 abgelehnt.  Giella fand, eine Rückweisung des Voranschlags an den Stadtrat sei ein probates Mittel, um die Verwaltung auf eine «Prozessoptimierung» zu durchleuchten. Lehmann dagegen hält wenig von einer Rückweisung des Voranschlags an die Exekutive. Es gelte vorausschauend zu verhindern, dass der Aufwand der Stadt stärker steige als das Bruttosozialprodukt der Schweiz. Gerade bei den Finanzen konnte Lehmann dem Publikum verständlich darlegen, welche seine Ansichten sind. Giella verlor sich dagegen oft in epischen Antworten in akademischem Duktus. 

Bei einigen Fragen konnten die Kandidierenden nur mit Ja oder Nein antworten. Während Giella Nein sagte auf die Frage, ob das Verkehrsproblem in Gossau überdramatisiert werde, sagte Lehmann Ja. Lehmann sagte auch Ja auf die Frage, ob Gossau das Selbstvertrauen einer Stadt fehle, während Giella Nein sagte.

In einer Umfrage sagten einige der Zuhörer, sie seien gekommen um Wolfgang Giella besser kennen zu lernen. Die Fragen aus dem Publikum richteten sich denn auch vor allem an den Auswärtigen Giella, der sagte, er zahle bei der evangelisch-reformierten Kirche Steuern. 
Als K.o-Sieger stieg am Ende keiner vom Podium. Sieger nach Punkten war Daniel Lehmann.

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