Katastrophenjahr für Äpfel- und Birnenernte

WALDKIRCH ⋅ Die Äpfel- und Birnenernte dürfte dieses Jahr miserabel ausfallen. Bei der Obstannahmestelle rechnet man gar mit bis zu 80 Prozent Einbussen bei den frühen Sorten.
27. September 2017, 19:40
Manuela Bruhin
Petrus meinte es in diesem Jahr gar nicht gut mit den Bauern der Region und deren Ernten. Satte 26 Zentimeter Neuschnee wurden Ende April in der Stadt St. Gallen gemessen. Der späte Frost und Schnee zogen gleichzeitig einen immensen Ernteausfall mit sich, wie sich jetzt zeigt. Seit Ende August ist die Obstannahmestelle beim Towerhotel in Waldkirch geöffnet. Wo es normalerweise im September und Oktober wie in einem Bienenhaus zu und her geht, ist der Betrieb momentan überschaubar. «Es läuft nicht so gut», bestätigt Sepp Oberholzer von der Obstannahmestelle. «Wir rechnen derzeit mit gerade einmal der Hälfte der ansonsten üblichen Ernte.» Ganz prekär sei die Situation bei den frühen Äpfel- und Birnensorten: Dort liege der Ertrag bei knapp 20 Prozent. Im Vergleich: Im vergangenen Jahr, welches Oberholzer als «mittelmässiges» Jahr bezeichnet, kamen rund 3500 Tonnen Obst zusammen. 
 

50 Prozent Ernteverlust wegen erfrorener Blüten

Seit rund zehn Jahren ist Sepp Oberholzer für den Betrieb der Obstannahmestelle in Waldkirch verantwortlich. An ein solch schlechtes Jahr kann er sich jedoch nicht erinnern. Der Frost im Frühling habe die Blüten erfrieren lassen. «Schweizweit dürfte die diesjährige Ernte um rund die Hälfte zurückgehen», sagt Oberholzer. Die Bauern der Region würden sich jedoch nicht aufs Jammern beschränken. «Sie müssen damit umgehen. Schwankungen, wenn auch nicht gerade in diesem Ausmass, gehören dazu», sagt Oberholzer. Zudem seien regionale Unterschiede spürbar. Während einige Bauern besonders hart vom späten Frost betroffen waren, seien andere relativ glimpflich davongekommen. 

Sonnige Tage lassen späte Früchte noch nachreifen

Die grosse Hoffnung liegt nun auf den späten Sorten der Äpfel und Birnen. Der September war anfangs zwar nicht übermässig sonnig – die etwas wärmere und hellere zweite Hälfte des Monats dürfte sich jedoch positiv auf die Ernte ausgewirkt haben. «Es hat durch den Regen genügend Wasser, und mit den sonnigen Tagen reifen die Früchte noch einmal nach», sagt Sepp Oberholzer. 
Trotz allem dürften die Vorräte der hiesigen Mostereibetriebe geschrumpft sein. Während einige noch von der sehr guten Ernte aus dem Jahr 2011 schöpfen können, hoffen nun wohl alle Beteiligten auf eines: eine besonders erntereiche Saison im nächsten Jahr. 

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