Festgenommen und abgeführt: Eklat um einen Gossauer Stadtpräsidiums-Kandidaten

QUERULANT ⋅ Der Gossauer Stadtpräsidiums-Kandidat Max Brunner wurde in letzter Zeit immer mehr zum Stadtgespräch. Mit seinem Verhalten machte er aber nicht gut von sich reden. Derzeit läuft eine Strafuntersuchung gegen ihn.
06. Oktober 2017, 14:18
Sebastian Schneider
Neben den offiziellen Kandidaten der Gossauer Parteien, Daniel Lehmann (CVP) und Wolfgang Giella (parteilos), wollen es auch zwei Quereinsteiger wissen und stellen sich am 26. November zur Wahl als Stadtpräsident von Gossau. Zum einen ist da Bruno Egli, der selbst ernannte "Taxitubel", der der Gossauer Wählerschaft einmal mehr eine Alternative zu den politisch etablierten Kräften bieten möchte.

Dieses Mal wird Egli flankiert vom bislang politisch unbekannten Max Brunner. Der 64-Jährige hat im Sommer als erster der vier Männer seine Kandidatur bei der Stadtkanzlei eingereicht. Doch kaum wurde dies publiziert, erreichte die Redaktion ein Anruf. Gegen den Kandidaten werden schwere Vorwürfe erhoben: Er soll mehrmals ausfällig geworden sein, habe in mehreren Gossauer Restaurants Hausverbot und habe wiederholt Frauen belästigt. Gegen ihn sei wegen verbaler sexueller Belästigung eine Strafanzeige erstattet worden.
 

An der Gewerbeschau festgenommen

Konkret hat Brunner nach Angaben mehrerer Quellen eine Angestellte im Bahnhofsrestaurant Friends angemacht. Sie selber bezeichnet Brunner auf Anfrage als "primitiv, ekelhaft und frech". Sein unflätiges Verhalten habe ihr zwar keine Angst gemacht, doch habe sie Brunners Verhalten nicht länger dulden können. Sie schaltete die Polizei ein. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen bestätigt, dass gegen Brunner eine Strafuntersuchung wegen Verdachts auf verbale sexuelle Belästigung läuft.

Gemäss Aussagen mehrerer Leute, die mit Max Brunner zu tun haben, war es nicht das erste Mal, dass er gegenüber Frauen ausfällig wurde. Hinter vorgehaltener Hand sprechen sie von mindestens einer weiteren Anzeige, die gegen ihn erstattet worden sei. Mit seinem Verhalten wurde Max Brunner mehr und mehr auch der Kantonspolizei ein Dorn im Auge. Augenzeugen berichten, dass er während der Gewerbeschau G17 von Polizisten festgenommen und abgeführt worden sei. Florian Schneider, Pressesprecher der Kantonspolizei, bestätigt die Berichte. Gegen Max Brunner sei am Donnerstag, 7. September, eine Wegweisung ausgesprochen worden. "Da er sich daran nicht hielt, wurde er einen Tag darauf festgenommen."
 

Wohlauf in Wil

Dass Max Brunner sich vor allem in letzter Zeit auffällig benimmt, dafür hat Alfons Brunner, der älteste Bruder von Max Brunner, eine Erklärung: "An seiner Kandidatur haben einige keine Freude." Er sei von einzelnen Leuten immer wieder angegangen worden. Und manchmal "gibt das eine Wort das andere". Alfons Brunner weiss, dass sein Bruder sich in etwas hineinsteigern und ausfällig werden kann. Doch meine er es nie so böse, wie es aussehen mag. Alfons Brunner glaubt, die Kandidatur seines Bruders heize die ganze Sache noch zusätzlich an. Es sei vielleicht gar nicht so schlecht, dass sein Bruder im Moment Ruhe vor Gossau und Gossau Ruhe vor ihm hat. Mit der "Ruhe" ist die Abwesenheit von Max Brunner gemeint. Die Kantonspolizei hat ihn bei seiner Festnahme zuerst zu einem Amtsarzt, danach zwecks "fürsorgerischer Unterbringung" in die Psychiatrie nach Wil gebracht. "Es geht ihm gut", versichert Alfons Brunner, der seinem Bruder helfe, wo er nur könne.

Max Brunner meldete sich im Verlauf der Recherche gleich selber bei der Redaktion: "Es geht mir bestens", beteuert auch er. Dass er in die Klinik eingeliefert wurde, habe auch einen positiven Aspekt: "Jetzt hat sich gezeigt, dass ich kerngesund bin." In wenigen Tagen dürfe er wieder nach Hause. Und dann werde er seinen Wahlkampf fortsetzen: "Ich meine es ernst mit meiner Kandidatur." Selber rechnet er sich gute Chancen aus, und er werde den Wahlkampf ganz schön aufmischen: "Mit lustigen Plakaten, die ich demnächst in Gossau und in Arnegg aufstelle", verspricht Brunner. Über die Vorwürfe gegen ihn und die Vorgänge in den vergangenen Wochen und Monaten will er lieber nicht sprechen. Es seien seitens der Polizei Fehler gemacht worden, die Sache sei jetzt vom Tisch.

Das mag zum Beispiel die Angestellte vom "Friends" anders sehen. Sie fragt sich, weshalb die Stadt jemanden wie Max Brunner überhaupt kandidieren lässt. Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt, sagt, dass Max Brunner alle Kriterien für eine Kandidatur erfülle. "Also eigentlich gibt es ja nur ein Kriterium: Die Person muss das Wahlrecht besitzen." Das Gleiche gelte für die 15 Leute, deren Unterschrift es für einen Wahlvorschlag braucht. Diese müssen zusätzlich in Gossau stimmberechtigt sein. Bei einer allfälligen Wahl Max Brunners könnte das Ganze anders aussehen. Ob es ihm erlaubt wäre, das Amt ausführen zu können, müsste man zuerst genau prüfen.

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