Jetzt muss Wolfgang Giella beweisen, dass er nicht nur Protestwahl war

KOMMENTAR ⋅ Mit deutlichem Vorsprung hat Gossau Wolfgang Giella zum Stadtpräsidenten gewählt. "Der Unbelastete schaffte es, Hoffnung zu schüren. Nun muss Giella beweisen, dass er sich zum Stadtpräsidenten mit Profil entwickeln kann", schreibt Redaktorin Noemi Heule in ihrem Kommentar.
Aktualisiert: 
28.01.2018, 16:00
28. Januar 2018, 14:09
Wolfgang Giella ist das Meisterstück gelungen: Er zieht von Chur direkt ins Gossauer Stadtpräsidium ein. Eine Überraschung ist das nach dem Blitzstart im ersten Wahlgang zwar nicht mehr. Überraschend ist allerdings der Stimmvorsprung: Der parteilose Giella überflügelte seinen Konkurrenten Daniel Lehmann (CVP) mit über 1000 Stimmen. Das ist eine Bestätigung dafür, dass die Gossauerinnen und Gossauer tatsächlich einen Neubeginn wünschen. Und dass sie bereit sind, dafür einen Vertrauensvorschuss zu leisten.

Die Gossauer wählten den Churer Wolfgang Giella (parteilos) am Sonntag mit 3847 Stimmen zu ihrem neuen Stadtpräsidenten. CVP-Kandidat Daniel Lehmann unterliegt mit 2437 Stimmen deutlich. Gewinner und Verlierer der Wahl zum Gossauer Stadtpräsidenten im Interview mit Tagblatt-Redaktorin Noemi Heule. (Hanspeter Schiess)


 
Im Gegensatz zu Giella war Daniel Lehmann, der "Gossauer für Gossau", verankert, berechenbar und bekannt. Wohl zu bekannt. Scheiterte er doch daran, dass die Stimmbürger seine Schwächen kannten, vermeintliche und tatsächliche. Lokale Persönlichkeiten, die ihn eigentlich hätten stützen sollen, wandten sich gegen ihn. Lehmann setzte alles daran, Gerüchte um seine Person und Firma zu dementieren – und zementierte sie damit nur zusätzlich. Viele Stimmen für Wolfgang Giella, sind eigentlich Stimmen gegen Daniel Lehmann. Mit ihrem Kandidaten scheitert die ohnehin angeschlagene CVP und ihr Versuch, sich im Alleingang gegen alle Parteien zu behaupten.
  • Wahlsieger Wolfgang Giella.
  • Der unterlegene Daniel Lehmann.
  • Wahlsonntag im Fürstenlandsaal Gossau.

Wolfgang Giella wurde zum Gossauer Stadtpräsidenten gewählt. Der Kandidat von der CVP, Daniel Lehmann, unterliegt deutlich. Bilder vom Wahlsonntag aus dem Fürstenlandsaal. (Bilder: Hanspeter Schiess)


 
Während Lehmann an vergangenen Fehlern scheiterte, schaffte es Giella, der Unbekannte und damit Unbelastete, Hoffnung zu schüren. Zu Recht sind die Erwartungen nun entsprechend hoch. Giella fand Fürsprecher aus allen politischen Lagern - von SVP bis SP. Das gelang ihm auch deshalb, weil seine eigene politische Position stets schwammig blieb. Einst Mitglied der SP Graubünden, konnte er sich in Gossau auf keine Ortspartei festlegen.
 
Nun muss Giella beweisen, dass er nicht nur Projektionsfläche und Protestwahl war, sondern, dass er sich zum Stadtpräsidenten mit Profil entwickeln kann. Dafür muss er bereit sein, sich von den Erwartungen von links bis rechts zu lösen. Sie alle wird er nicht erfüllen können.

Noemi Heule
noemi.heule@tagblatt.ch

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