«Jeder hat seinen Platz gefunden»

SCHLÜSSELFUNKTION ⋅ Yvo Lehner ist seit über 100 Tagen Leiter des Gossauer Hochbauamts. Zeit zum Einarbeiten und Eingewöhnen gab es keine. Und jetzt kommen extragrosse Prüfsteine auf den Architekten zu.
13. Dezember 2017, 06:58
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Aus seinem Büro bietet sich ein Blick auf die Dächer im Gossauer Zentrum. Wie man es bei einem Hochbauamtsleiter schon fast erwarten kann, befindet sich das Büro von Yvo Lehner oben im zweiten Stock über dem Flachdach des Rathauses. In diesem Büro amtet Lehner seit nun etwas mehr als 100 Tagen. Als der Architekt im Juli Hochbauchef wurde, musste er einen Blitzstart hinlegen. Sein Vorgänger Ivan Furlan hatte das Büro bereits geräumt und konnte seinen 44-jährigen Nachfolger nicht mehr einarbeiten. Und nun steckt der frische Amtsleiter bereits in einem Generationenprojekt, dessen erstes Modul alleine schon schätzungsweise 55 Millionen Franken kostet. Bei der Umsetzung des Masterplans Sportanlagen sind einige Prüfsteine für Lehner programmiert. Umso verblüffender ist die Gelassenheit des neuen Amtsleiters.

Auch schon als Büezer auf dem Bau

Warum Lehner eine solche Ruhe ausstrahlt, hat mit seinem persönlichen und beruflichen Hintergrund zu tun. Yvo Lehner ist gelernter Hochbauzeichner und Maurer sowie diplomierter Architekt und Wirtschaftsingenieur. Berufserfahrung sammelte der Vater einer Tochter und eines Sohnes unter anderem bei der Winterthurer Firma Sulzer. Dass er dort als Liegenschaftsleiter mit der Hauswartung zu tun gehabt hat, kommt ihm in seiner jetzigen Funktion zu Gute. Denn einer der drei Bereiche des Hochbauamts ist das sogenannte Facility Management. Den zweiten Bereich «Projekte und Immobilien» kennt Lehner aus dem Effeff. Sieben Jahre lang hat er diesen Bereich geleitet und kam dabei bereits in Kontakt mit dem politischen Betrieb. Lücken gibt es für ihn nur in juristischen Fragen, mit denen der dritte Bereich, das Bausekretariat, konfrontiert ist. Unter dem Strich sei der im Sommer getätigte Wechsel nicht einschneidend gewesen. «Der Weggang aus der Privatwirtschaft hin zur öffentlichen Hand war damals ein grösserer Schritt», sagt Yvo Lehner. Heute lebt er mit seiner Familie in St. Gallen-Bruggen, aufgewachsen ist er aber in der Stadt Gossau, was ihm im Hochbauamt von Anfang an Vorteile verschaffte.

Neben Lehner gab es in diesem Bereich der Stadtverwaltung einige personelle Wechsel. Und das in der Zeit, in der der Stadtrat fehlte. Dass nämlich Stadträtin Gaby Krapf-Gubser demnächst das Departement Bau, Umwelt und Verkehr übernimmt, ist erst seit wenigen Tagen bekannt. Krapf leitete für den im Frühling zurückgetretenen Stadtrat Stefan Lenherr interimistisch das Hochbauamt. Nun stellt Yvo Lehner fest: «Jeder hat seinen Platz gefunden. Und das Team ist gut.»

SVP wollte Stelle aus dem Budget streichen

Vakant ist nur noch eine Stelle. Aufgrund der anstehenden Sportstätten-Projekte braucht es im Bereich Projekte und Immobilien einen zweiten Architekten. Die Stelle wurde von Vorgänger Ivan Furlan beantragt, und die Kosten wurden ins Budget 2018 aufgenommen. An der Parlamentssitzung Anfang Dezember wollte die SVP-Fraktion diesen Posten streichen. Stadtpräsident Alex Brühwiler argumentierte dagegen; die Stelle brauche es zwingend, andernfalls müssten Dienstleistungen abgebaut werden. Das Parlament entschied letztlich für die Stelle.

Der neue Architekt wird einer von 80 Angestellten sein, die das Hochbauamt beschäftigt. Gerade in diesem Punkt gab es für Yvo Lehner in den vergangenen 100 Tagen eine Veränderung: «Als Leiter eines solch grossen Teams muss ich meine Vorbildrolle noch bewusster wahrnehmen.»


Leserkommentare

Anzeige: