Beleidigungen, Hupen, Geschrei: In Gossau streiten Taxiunternehmer um Kunden

GOSSAU ⋅ Die Verteilung der Standplätze vor dem Bahnhof sorgt für Streit unter Taxiunternehmern. Weil der Umbau des Bushofs von Einsprachen blockiert ist, nimmt sich die Stadt der Frage nach Taxi-Plätzen vorerst nicht an.
06. Februar 2018, 06:00
Adrian Lemmenmeier
In der Stadt St.Gallen haben sich Taxifahrer beschwert, weil ihre Standplätze am neu gestalteten Bahnhofplatz weniger zentral liegen als zuvor. Auch in Gossau sorgen Standplätze am Bahnhof bei Taxifahrern für Diskussionen, aber aus anderen Gründen: Die drei fixen Standplätze befinden sich auf dem Boden der SBB. Sie sind seit Jahren an eine Firma vermietet. Andere Taxifahrer dürfen auf Kurzzeitparkplätzen auf Kundschaft warten. Diese Situation führt zu Missmut, zu einem «Taxistreit», wie die Taxifahrerin Miriam Sutter auf Facebook schreibt.  
 

Chauffeure von Kobler Taxi verscheuchen Konkurrenten

«Die Situation ist ungerecht», sagt Franz Bauer, Besitzer vom Gossauer Taxi Franz. Denn auf dem Bahnhofareal habe nur die Firma Kobler Standplätze und damit Zugang zu den Laufkunden. Und deren Chauffeure seien nicht immer zimperlich, wenn ein anderer Taxifahrer auf die Parkplätze der benachbarten blauen Zone vorfahre, um einen Gast aufzunehmen. «Oft hupen sie dann und schreien, wir sollen verschwinden, und das mitten in der Nacht», sagt Franz Bauer. Dabei dürften Taxifahrer anderer Firmen in der blauen Zone anhalten. «Das hat uns die Polizei mehrfach bestätigt.» 

Auch Miriam Sutter, die mit ihrem «BBC & Drive»-Taxi oft in Gossau unterwegs ist, bestätigt, dass es immer wieder zu unschönen Szenen komme. «Oft wurde ich in den vergangenen drei Jahren angeschrien oder beleidigt, wenn ich in der Nähe der Standplätze wartete», sagt Sutter. Weil sie ihr Taxi nicht in Gossau, sondern in Flawil gemeldet habe, werde sie von den «Platzhirschen» auf dem Bahnhofplatz nicht akzeptiert. «Dabei darf ich gemäss Binnenmarktgesetz meine Dienstleistungen unter gewissen Voraussetzungen auch in anderen Gemeinden anbieten.» 

Roger Kobler von Kobler Taxi war trotz mehreren Anfragen nicht für eine Stellungnahme verfügbar. 

Sowohl Franz Bauer als auch Miriam Sutter fänden es ideal, wenn – ähnlich wie in der Stadt St. Gallen – am Bahnhof ein Taxistreifen eingerichtet würde, auf dem die Taxis aller Firmen auf Kunden warten könnten. Eine solche Lösung würde auch Cecile Egli, von Taxi Cecile, befürworten. Da sie nur auf Abruf Kunden fährt, ist sie in den Konkurrenzkampf am Bahnhof nicht involviert, bekommt als Taxifahrerin aber seine Störgeräusche mit. 
 

Abwarten, bis der Bushof realisiert ist 

Franz Bauer und Miriam Sutter haben sich unabhängig voneinander beim Tiefbauaumt erkundigt, ob im Zuge der Neugestaltung des Bushofes neue Standplätze geplant seien. Erst müsse man abwarten, wie sich das Projekt des neuen Bushofes entwickle, hiess es dort. Das sagt auch Urs Salzmann, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt. Zur Umgestaltung des Busbahnhofes seien zwei Einsprachen eingegangen. Deshalb könne mit der Realisierung des Projektes noch nicht begonnen werden (siehe unten). Mehr Taxi-Standplätze seien aber im Zuge der Umgestaltung des Bushofes nicht geplant. «Gemäss der Parlamentsvorlage vom Mai 2016 werden die bisherigen drei Taxistandplätze aufgehoben und zwei neue eingerichtet», sagt Salzmann. 

In Gossau gibt es ausserdem keine Taxi-Verordnung, welche das Taxigeschäft regelt. Im Jahr 2015 reichten zwei FDP-Parlamentarierinnen diesbezüglich eine einfache Anfrage ein. Ob ein Taxireglement zielführend sei, wollte der Stadtrat aus damaliger Sicht nicht beurteilen. Daran hat sich nichts geändert. «In Sachen Taxireglement sind wir auf dem Stand von 2015», sagt Salzmann. «Wenn der Bushof realisiert wird, muss der Stadtrat den Bedarf eines solchen Reglements wieder prüfen.»
 

Umbau des Bushofs verzögert sich

Geplant war, dass der Umbau des Gossauer Busbahnhofes im Frühling 2018 beginnt. Weil zwei Einsprachen eingegangen seien, könne aber im Jahr 2018 definitiv nicht mit den Bauarbeiten begonnen werden, sagt Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt. 
Der neue Bushof soll mit acht statt wie bisher vier Haltekanten ausgestattet sein. Ihnen weichen müssen gut 40 der 350 Parkplätze am Bahnhof, darunter die besagten drei Taxistandplätze. 

Schon das letzte Bushofprojekt aus dem Jahr 2010 hatte es bis ins Auflageverfahren geschafft. Wegen Einsprachen hatte der Stadtrat 2012 auf die Realisierung verzichtet und ein neues Projekt ausarbeiten lassen. (al)


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