In der Schule daheim

GOSSAU ⋅ Was andere Städte seit Jahren kennen, bietet jetzt auch Gossau an: An fünf Tagen in der Woche können Eltern ihre Kinder ausserschulisch betreuen lassen. Der Start ist geglückt, bereits gibt es Wartelisten.
12. September 2017, 05:18
Corinne Allenspach

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Einige Kinder machen es sich auf dem kuscheligen Sofa bequem, um ein Buch zu lesen, andere spielen gemeinsam, und wieder andere üben mit Hula-Hop-Reifen. Die Szenerie erinnert an eine Grossfamilie, wo Gross und Klein Raum, Zeit und Aktivitäten teilen. Es ist Mittag im Othmar­schulhaus und die Kinder, die die familienergänzenden Tagesstrukturen besuchen, haben nach dem Zmittag noch etwas Zeit, bis die Schule wieder losgeht. Wie sie diese Zeit verbringen, ist ihnen überlassen, einen Stundenplan gibt es nicht. «Tagesstrukturen entsprechen bewusst nicht einem Schulbetrieb», sagt Schulratspräsident Urs Blaser. Vielmehr sollen sich die Kinder wie daheim fühlen. Wichtig sei einfach, dass sie betreut seien.

Die meisten Kinder wollen ins Haldenbüel

Vier Wochen ist es her, seit Gossau mit dem neuen Angebot gestartet ist. An fünf Tagen in der Woche können Eltern ihre Kinder von 7 bis 8 Uhr und von 11.40 bis 18 Uhr ausserschulisch betreuen lassen. Der Schulpräsident und die Gesamtleiterin Tagesstrukturen, Astrid Tannheimer, sind sich einig: «Der Start ist geglückt.» Man habe schon etliche positive Rückmeldungen erhalten von Eltern. Zudem zeigte sich vom ersten Tag an, dass das Angebot rege genutzt wird. Urs Blaser hatte schon früher im «Tagblatt» betont, es sei überfällig. Die Stadt St. Gallen etwa kennt Tagesstrukturen bereits seit Jahren.

Gestartet ist Gossau an drei Standorten: im Othmar-, Büel- und Haldenbüelschulhaus. Insgesamt hat es pro Tag Platz für 60 Kinder am Mittagstich und für 40 zu den übrigen Betreuungszeiten. Aktuell sehe es so aus, dass 91 Kinder (oder zehn Prozent der Primarschüler) das Tagesstrukturangebot nutzen, verteilt auf fünf Wochentage. Besonders beliebt ist der zentrale Standort Haldenbüel. Fast die Hälfte der 91 Kinder seien dort eingeteilt, weshalb es zum Teil Wartelisten gebe. Man sei überrascht über die Verteilung der Kinder, sagt Urs Blaser. Und man mache sich nun Gedanken, wie vor allem im Haldenbüel weitere Kinder aufgenommen werden könnten. Bereits fix ist, dass dort in den Herbstferien neue Räume bezogen werden: Die Tagesstrukturen werden dann in der alten Messmerwohnung angeboten. Im Büel sind sie jetzt schon in der alten Hauswartwohnung untergebracht. «Eine Wohnung mit verschiedenen Räumen ist für uns natürlich ideal», sagt Astrid Tannheimer.

Spontane Anmeldungen sind für Notfälle gedacht

Vier Wochen nach dem Start wissen die Verantwortlichen auch, welche Zeitfenster besonders gut genutzt werden. Das seien vor allem die Mittage am Montag, Dienstag und Donnerstag. Die Stunde von 7 bis 8 Uhr werde hingegen noch relativ wenig genutzt. Ebenso die Mittwoch- und Freitagnachmittage. «Ich denke, dass sich die Eltern an diesen Tagen jeweils frei nehmen», sagt Astrid Tannheimer. Die 32-jährige Sozialpädagogin, die in Gossau aufgewachsen ist und jetzt in St. Gallen wohnt, koordiniert die Anmeldungen und freut sich, dass einige Eltern ihre Kinder bereits für weitere Tage nachgemeldet haben. In Notfällen sind auch spontane Anmeldungen möglich. Diese müssen aber bis zum Vortag um 17 Uhr erfolgen. «Sonst wird es für uns schwierig mit der Personaleinteilung», sagt Astrid Tannheimer.

Eltern, die die Tagesstrukturen nutzen, zahlen dafür je nach Einkommen. Den Tarif für Mittagstisch und Mittagsbetreuung hat die Schule bereits angepasst. «Wir waren zu teuer», räumt Urs Blaser ein. Neu zahlen die Eltern maximal 14.20 Franken. Pro Jahr rechnet Blaser nach Abzug der Elternbeiträge mit rund 420 000 Franken für die Tagesstrukturen. Ein Betrag, der vielen Gossauern zu hoch erscheint, wie das Abstimmungsresultat im November 2016 zeigte. Der Kredit wurde knapp gut geheissen, mit gerade einmal 53,5 Prozent Ja-Stimmen. Und dies, obwohl im Vorfeld der Abstimmung einzig die SVP öffentlich Kritik geäussert hatte an der Art der Finanzierung.


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