«Gossau darf selbstbewusster sein»

GOSSAU ⋅ Die derzeit höchste Gossauerin und SP-Stadtparlamentarierin Monika Gähwiler-Brändle ist bereit, Stadträtin zu werden. Die 59-jährige Ur-Gossauerin über Investitionen, Frauenmehrheit im Stadtrat und ihre Wünsche für die Stadt.
16. Oktober 2017, 07:37
Angelina Donati

Monika Gähwiler-Brändle, was ist Ihre Motivation, als Stadträtin zu kandidieren?

Ich erachte es als wichtig, den Wählerinnen und Wählern eine Auswahl zu ermöglichen. Mit meinem sozialen, ökologischen und kulturellen Engagement biete ich eine Alternative, die Gossau braucht, um weiterzukommen.

Welches Sind Ihre Qualifikationen für dieses Amt?

Zum einen bringe ich einen politischen Rucksack mit. Es ist bereits meine zweite Legislatur im Gossauer Stadtparlament, und von Anfang an gehöre ich der ­Geschäftsprüfungskommission (GPK) an. Zudem habe ich viel Lebenserfahrung. Und auch die berufliche Erfahrung und meine zahlreichen Ausbildungen gehö­ren dazu. Mein Interesse an Menschen zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.

Wieso sollten die Gossauer genau Sie wählen?

Weil ich als Stadträtin keiner Lobby verpflichtet bin, sondern dem Gemeinwohl. Ich möchte auf alle Bürgerinnen und Bürger eingehen und die Dinge vernetzt anschauen. Und ich stehe für eine soziale Politik ein. Ich komme oft in Kontakt mit den Leuten und spüre viel versteckte Not. Ich weiss zum Beispiel von jungen Familien und auch von älteren Menschen, die gerne weiter hier in Gossau leben würden, die Wohnungen für sie aber schlicht zu teuer sind.

Der Wohnraum wie auch der Masterplan Sportanlagen und auch das ewige Verkehrsleiden im Zentrum sind Gossaus Grossbaustellen. Woran liegt es, dass es in Gossau schleppend vorangeht?

Das sind alles Herausforderungen, die nicht auf einen Schlag lösbar sind.

Beim Verkehrsproblem gibt es nach Jahrzehnten noch keine Lösung.

Im Laufe der vergangenen Jahre wurden verschiedene Lösungsvorschläge ausgearbeitet, dem Volk unterbreitet und von ihm verworfen. Solche demokratische Entscheide sind zu respektieren. Jetzt braucht es aber einen neuen Anlauf.

Wie können die vielen Sportanlagen bezahlt werden – soll sich Gossau verschulden oder müssen die Steuern rauf?

Die Sportanlagen sind sanierungsbedürftig. Dies weil in der Vergangenheit nötige Investitionen versäumt wurden. Das holt uns heute ein. Eine Stadt, die investiert, ist eine lebendige Stadt. Es ist klar, dass zur Finanzierung eine vorübergehende moderate Steuererhöhung nötig ist. Dafür erhält die Bevölkerung jedoch Anlagen, die allen zugutekommen. Gossau kann und soll sich das leisten.

Sie gehören verschiedenen Frauenvereinen an. Mit ihnen oder Claudia Martin als Stadträtin gäbe es eine Frauen­mehrheit im Gossauer Stadtrat. Demnach würden Sie das begrüssen?

Frauen sind grundsätzlich zu wenig vertreten in der Politik. Wenn Frauen darum in ein politisches Amt gewählt werden, erachte ich das grundsätzlich als wichtig. Allerdings gehe ich nicht hin und zähle nach. Eine Frauenmehrheit sollte schon längst kein Thema mehr sein. Eine Männermehrheit, und die gibt es praktisch immer, wird ja auch nicht zum Thema gemacht.

Als Stadtrat ist man exponiert. Stört Sie das nicht?

Das ist die Realität – auch als Stadtratskandidatin stehe ich automatisch im Schaufester. Doch ich bin den Umgang mit verschiedensten Menschen gewohnt und trage gerne Verantwortung.

Und mit Kritik können Sie gut umgehen?

Ja. Das hat wiederum mit meiner Lebenserfahrung zu tun. Ich habe gelernt einzuschätzen, ob es sich um konstruktive Kritik handelt, die mich oder eine Sache weiterbringt, oder eben nicht.

Ihr persönlicher Grundsatz lautet «rede mitenand». Wird in Gossau zu wenig diskutiert?

Es geht mir nicht um Quantität. Vielmehr fällt mir auf, dass in Situationen, in denen es wichtig wäre, miteinander zu reden, sich manche Menschen zurückziehen. Das Allerwichtigste ist dabei ohnehin das Zuhören. Viel geredet wird ja, aber nur selten wird einander auch tatsächlich zugehört.

Wahrscheinlich wird das neue Stadtratsmitglied das Baudepartement übernehmen. Wenn Sie wählen könnten, welches Departement würden Sie bevorzugen?

Ich hätte an jedem Departement Interesse. Denn als GPK-Mitglied erhalte ich vertieften Einblick in verschiedenste Bereiche und erkenne so auch die Zusammenhänge. Damit ist für mich jedes Departement gleichwertig.

Wo dürfte Gossau keinesfalls sparen?

Welche Antwort auch immer – diese Frage führt zu falschen Schlagzeilen. Es wäre oberflächlich, einen bestimmten Bereich zu nennen. Es kommt immer auf den konkreten Zusammenhang an. Nur wer diesen berücksichtigt, kann gute Entscheide fällen.

Was wünschen Sie sich für Gossau?

Gossau hat Charme und viele Qualitäten. Wir dürfen stolz sein auf unsere Stadt und brauchen uns nicht zu verstecken. Aber Gossau dürfte durchaus mehr Selbstbewusstsein zeigen. Und politisch geht es nun darum, das Wohn- und Verkehrsproblem anzupacken und die vielen ungenützten Chancen unserer Stadt zu erkennen und diese konsequent zu entfalten.

 


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