Ein Churer soll es für Gossau richten

STADTPRÄSIDIUM ⋅ Die überparteiliche Findungskommission schickt Wolfgang Giella ins Rennen um das Amt des Gossauer Stadtpräsidenten. Der wissenschaftliche Bibliothekar hat bereits Visionen für Gossau.
Aktualisiert: 
25.09.2017, 19:00
25. September 2017, 16:23
Angelina Donati
"Keine einzige Information ist im Vorfeld durchgesickert", verkünden die Mitglieder der überparteilichen Findungskommission stolz. So konnte bis zum Medientermin vom Montagnachmittag nur spekuliert werden, wen die vier Parteien für das Amt des Gossauer Stadtpräsidenten portieren. Mit Stolz präsentierte das Gremium auch den Namen des Kandidaten: Wolfgang Giella, ein Churer, soll in die Fussstapfen des im Mai 2018 zurücktretenden Alex Brühwiler treten. Damit sind vier Kandidaten im Rennen um die Wahl am 26. November.

Obwohl die Frist für die Bewerbung mit drei Wochen knapp bemessen war, haben sich auf die Ausschreibung der Findungskommission zehn Bewerber gemeldet. Vier seien zu weiterführenden Gesprächen eingeladen worden. "Wolfgang Giella hat uns von Anfang an überzeugt", sagt Brigitta Mettler, Vorstandsmitglied der FDP Gossau-Arn­egg. "Seine Antworten waren überlegt und strukturiert."
 

Sich mit Parteieintritt Zeit lassen

"Stutzig" wurde der 52-jährige Wahl-Bündner, als er an einem Samstag im August wie gewohnt die NZZ durchblätterte und auf das besagte Stelleninserat stiess. "Es wunderte mich, dass sich sogar SP und SVP für die Kandidatensuche zusammengeschlossen haben. Ohnehin finde ich das Parteienspektrum in Gossau spannend", sagt Giella. Nach einer fundierten Internetrecherche über Gossau stand für ihn fest, dass er sich für das Amt des Stadtpräsidenten bewerben will. "Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten sagt mir zu." Ausserdem sei die Stadt wirtschaftlich gesehen interessant aufgestellt. In Gossau hingegen zu kurz gekommen sind in den Augen Giellas die Technologien und die wissensintensiven Branchen. Ausserdem habe er einen Lösungsvorschlag für das ewige Verkehrsleiden an der St.Galler­strasse. Noch aber sei es verfrüht, mehr dazu zu sagen.

Bis vor kurzem gehörte Giella der SP Graubünden an. Nicht zuletzt seiner Kandidatur wegen habe er die Mitgliedschaft sistiert. Im Wahlkampf bleibt er parteilos. Sollte er zum Stadtpräsidenten von Gossau gewählt werden, werde er sich wieder einer Partei anschliessen. "Damit will ich mir Zeit lassen und die Parteien und Personen kennen lernen." Auf die wiederholte Frage der Medien, sagt Giella, dass er einen Beitritt zur SVP bereits schon ausschliessen könne.

Aufgewachsen am Zürichsee wohnt Giella heute mit seiner Frau und den Töchtern im Alter von sechs und elf Jahren in Chur. Nach seiner KV-Lehre und verschiedenen Tätigkeiten hat er auf dem zweiten Bildungsweg die Matura erworben und in Zürich Allgemeine Sprachwissenschaften und Indogermanistik studiert. In Göttingen promovierte er in Zentralasienkunde. Später übernahm Giella die Fachbereichsleitung an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek. Zurück in der Schweiz amtete er als Direktor der Kantonsbibliothek Graubünden und ist heute Leiter der ZHAW-Hochschulbibliothek und Mitglied der ZHAW-Verwaltungsleitung in Winterthur. "Bereits in meinem letzten Lehrjahr sammelte ich Führungserfahrung. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Denn als unser Gruppenleiter verstarb, lag es an mir, das Team zu führen."

Gerade seine Führungserfahrung wird von den Mitgliedern der Findungskommission gross angepriesen. Giella sei lösungsorientiert, kommunikativ und intelligent. Ausserdem könne er als Externer das Amt unbeschwert und unvoreingenommen übernehmen. Hervorzuheben sei auch seine Motivation. "Bereits drei Stunden vor seinem Bewerbungsgespräch war er in Gossau unterwegs und hat sich mit der Stadt vertraut gemacht", sagt Florian Kobler, Fraktionspräsident der SP Gossau-Arnegg. Um Giella für die Bevölkerung greifbar zu machen, hat die Findungskommission mehrere Anlässe geplant. Eine erste Gelegenheit soll es diesen Freitag, um 19 Uhr, bei einem öffentlichen Kennenlern-Apéro im "Werk 1" geben.

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