Für jeden ein Tattoo

GOSSAU ⋅ Tausende besuchten am Wochenende die Tattoo Convention im Fürstenlandsaal. Einige Besucher liessen sich direkt vor Ort ein Sujet stechen – manch ein Motiv ist mit einer tragischen Geschichte verbunden.
Aktualisiert: 
08.10.2017, 18:00
08. Oktober 2017, 18:22
Manuela Bruhin
Wölfe, Ornamente oder Porträts. Auf Oberarmen, am Hals oder dem Rücken. Schwarz-weiss oder farbig. Viele Besucher der 17. Tattoo Convention im Fürstenlandsaal sind bereits tätowiert. Trotzdem ist das Summen der Tätowiermaschinen allgegenwärtig. Besucher haben auf den Liegen Platz genommen, andere lassen sich an einem der Stände beraten. Die Convention am Wochenende zog Tausende Besucher an. OK-Präsident Marc Wissmann zieht eine positive Bilanz: «Die Stimmung ist friedlich, die Atmosphäre gut.» 
 

Schicksale gehen unter die Haut

An einem der Stände sitzt Petra Dobric. Sie lässt sich einen Wolf und ein Frauengesicht auf den Oberarm tätowieren – ihr insgesamt achtes Tattoo. «Hinter jedem einzelnen steckt eine Geschichte», sagt die 40-Jährige. Das markanteste Tattoo sind wohl die Portraits ihrer Kinder und ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes. «Er starb vor drei Jahren, als ich mitten in der Ausbildung war», sagt Dobric. Mit zwei kleinen Kindern plötzlich als Witwe dazustehen, sei alles andere als einfach gewesen. Und trotzdem habe sie nicht aufgegeben, habe sich aufgerafft und stehe inzwischen wieder mit beiden Beinen fest im Leben. Aus diesem Grund lässt sich die St.Gallerin nun auch das besagte Sujet stechen: als Zeichen, dass sie sich nicht unterkriegen lässt. 

An der Tattoo Convention nahmen Künstler aus 15 verschiedenen Ländern teil. Besucht wird sie von einigen Tausend Menschen. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz. (Bilder: Michel Canonica)

Anibal Fernandez ist Tätowierer aus Amsterdam und zum ersten Mal in Gossau dabei. Gerade tätowiert er einer Kundin eine Blume auf den Oberarm: «Ich mag es, mit Leuten zu arbeiten, und auch das Künstlerische.» Die Gossauer Convention behalte er in guter Erinnerung. Eine Veranstaltung im kleinen Rahmen sage ihm zu. Neben Fernandez sind im Fürstenlandsaal 
149 weitere Künstler versammelt. Rund 400 hatten sich laut Marc Wissmann beworben. 
 
Jeder von ihnen sei mittlerweile auf etwas spezialisiert: «Trends sind deshalb heute weniger auszumachen.» Ausserdem haben die meisten Kunden laut dem OK-Präsidenten genaue Vorstellungen von ihrem künftigen Tattoo: «Die Ansichten darüber, was schön ist, sind individuell.» Allgemein habe sich das Image von Tätowierungen grundlegend geändert. Hätten sich früher hauptsächlich Kriminelle und Seefahrer tätowieren lassen, seien heute auch Banker oder Lehrer dieser Leidenschaft verfallen. 
 

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