Flig und SP schielen aufs Zeughaus

GOSSAU ⋅ Das alte Zeughaus im Nordosten der Stadt steht seit Jahren leer. Nun will die Flig, dass die Liegenschaft für gemeinnützigen Wohnungsbau genutzt wird. Erwin Sutter hat einen Vorstoss eingereicht.
09. April 2018, 05:17
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

«Gossau ist ein teures Pflaster geworden.» Diese Worte stammen nicht von einem linken Politiker, sondern von FDP-Stadtparlamentarierin Brigitta Mettler («Tagblatt» vom Samstag). Dass die Stadt etwas gegen die hohen Preise unternimmt, auf dem Wohnungsmarkt aktiv wird und günstigen Wohnraum anbietet, ginge der kürzlich nachgerückten Stadtparlamentarierin allerdings zu weit. Ganz anders sieht es bei der Flig aus. Die Partei machte sich 2016 zusammen mit der SP dafür stark, dass günstiger Wohnraum von der öffentlichen Hand gefördert wird. Die bürgerliche Mehrheit beschloss nach emotionalen Diskussionen in der Vorberatenden Kommission und im Parlament, die entsprechenden Zeilen aus dem Stadtentwicklungskonzept zu streichen. Die Flig lässt jetzt aber nicht locker. Erwin Sutter hat dieser Tage eine Einfache Anfrage eingereicht, die auf ein konkretes Objekt zielt: Im alten Zeughaus im Mettendorf könnte man günstigen Wohnraum schaffen, findet er.

Sutter rennt zumindest eine offene Türe ein

Das leerstehende Gebäude an der Zeughausstrasse 8 war schon öfters Diskussionsthema. Schon manch Gossauer hat laut Erwin Sutter nach dessen Verwendung gefragt. Darum will der Parlamentarier in seinem Vorstoss wissen, ob das Haus zum Verkauf stehe und ob die Stadt Gossau bereit sei, das Areal zu erwerben.

Die Liegenschaft gehört dem Bundesamt für Rüstung (Armasuisse). Aufgrund von Abwesenheiten konnte das Amt bis Redaktionsschluss keine vertieften Informationen über die frühere Nutzung des alten Zeughauses erteilen. Erwin Sutter selber weiss über die Geschichte des Hauses nicht viel – eigentlich nur, dass es schon lange leer steht. Falls es nicht zum Verkauf steht, so will Sutter in der Einfachen Anfrage wissen, ob die Stadt bereit wäre, von sich aus Verhandlungen mit dem Bund aufzunehmen. Zudem fragt er, ob die Stadt im Fall eines Kaufs das Gelände einer Wohnbaugenossenschaft im Baurecht zu günstigen Konditionen abtreten würde. Und ob sie bereit sei, mit den Verantwortlichen der benachbarten Genossenschaft diesbezüglich Gespräche zu führen.

Mit dem Vorstoss hat die Flig vor allem SP-Stadtparlamentarier Florian Kobler überrascht – und erfreut. Denn Kobler ist Vizepräsident der im Vorstoss erwähnten GWF-Genossenschaft zur Förderung des Wohnungsbaues Gossau. Er wohnt gleich neben dem Zeughaus in einem der drei Wohnhäuser der Genossenschaft. Natürlich habe man Interesse, das Zeughaus in die Genossenschaft aufzunehmen. «Damit sich auch junge Familien mit kleinerem Budget eine Wohnung in Gossau leisten können.»

Kobler gibt sich indes zurückhaltend. Das Interesse am Haus bestehe, für einen Kauf müssten jedoch die Rahmenbedingungen stimmen. Damit tönt Kobler an, dass die Genossenschaft nicht so viel Geld aufbringen könne als beispielsweise private Investoren. Die Genossenschaft habe mit Armasuisse im vergangenen Jahr Kontakt aufgenommen, um mögliche Bedingungen für einen Kauf abzuklären. Laut Florian Kobler ist aber die Stadt Gossau erste Ansprechpartnerin, wenn es um den Verkauf des Grundstücks geht. Bei der Stadtverwaltung gibt es keine weiteren Infos. Wie immer gilt: «Keine Auskünfte zu laufenden parlamentarischen Geschäften.»


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