Exil-Wirt bleibt in der Versenkung

GOSSAU ⋅ Samt Familie und Sack und Pack ist der Wirt des «La Piazza» nach Neapel verschwunden. Wahrscheinlich werde man nie mehr von ihm hören, sagen Freunde drei Wochen nach der Fluchtnacht.
17. Juli 2017, 18:24
Sebastian Schneider
Er wollte offenbar nichts mehr mit seinem alten Leben zu tun haben: Der Wirt des Gossauer «La Piazza» hat vor drei Wochen über Nacht die Flucht ergriffen. Die Schlüssel zum Lokal hinterliess er im Briefkasten, seine sieben Sachen nahm er mit. Auch hat er seine Frau, seine Tochter, die noch im Schulalter ist, und seine beiden erwachsenen Söhne mit nach Neapel, wo er ursprünglich herkommt, genommen (Tagblatt vom 8. Juli).

Freunde aus seinem persönlichen Umfeld waren sehr besorgt um die Familie. Mittlerweile hat sich der Schock gelegt, und die Sorgenfalten sind etwas geglättet. Dafür sind, wie auf Anfrage zu erfahren ist, Enttäuschung und Wut eingekehrt. «Wir haben seit seiner Flucht nichts mehr erfahren», heisst es von den Freunden, die stets einen nahen Kontakt zur Familie hatten. Man habe über verschiedene Wege versucht, Kontakt aufzunehmen, doch der Wirt habe sie einfach «hängen gelassen». Entsprechend sind die Erwartungen an den früheren Freund auf null gesunken: «Ich erwarte gar nichts mehr. Wahrscheinlich werden wir nie mehr von ihm hören.»
Die Polizei war von der Fluchtgeschichte, die in ganz Gossau zum Gesprächsthema wurde, am Rande involviert. In der Schule, wo die Tochter des Wirts unterrichtet worden war,  reagierte man nach ihrem Fernbleiben umgehend und informierte die Polizei. Da sich das Verschwinden der Tochter aber aufklärte, ist die Polizei nicht mehr involviert. «Es liegt keine Anzeige vor, es wird darum auch nicht ermittelt», hiess es vor einer Woche bei der Pressestelle der Kantonspolizei. Auch auf gestrige Anfrage heisst es, dass der Exil-Wirt kein Fall für die Polizei sei.

So wird wohl auch nie offiziell bekannt sein, was das Motiv und die Hintergründe der Flucht waren. Naheliegend sind aber finanzielle Sorgen des Wirts. Fredi Brändle, Vermieter der Räume des Hauses Ochsen, sagte gegenüber dem «Tagblatt», dass er mehrere Monatsmieten nicht bekommen habe. Darauf habe er ihm kündigen müssen. Eilig hätte es der Wirt aber nicht gehabt, er hätte bis im September im «La Piazza» bleiben können.
 

Es dauert noch bis zur Widereröffnung

Doch was ist mit dem Café und Restaurant? Eigentümer Fredi Brändle hat natürlich Interesse daran, dass sobald als möglich wieder Betrieb in die Räume zurückkehrt. Gleichwohl wolle er sich Zeit lassen bei der Wahl des neuen Pächters. Vielleicht zwingt ihn auch die Qual der Wahl dazu, seiner Entscheidung etwas mehr Zeit einzuräumen: «Es sind fünf Interessenten im Rennen», sagt Brändle, der seit eineinhalb Jahren Eigentümer des «Ochsen» ist. Mit der Renovierung der Küche habe man bereits begonnen, sagt er. Bis es zur Wiedereröffnung des «La Piazza» kommt, wird es dennoch ein Weilchen dauern. Brändle geht von einem bis zwei Monaten aus.

sebastian.schneider@tagblatt.ch

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