Gossauer Stadtpräsidentenwahl: Es riecht nach Verzweiflung bei der CVP

KOMMENTAR ⋅ Nach längerem Zögern hat CVP-Mann Daniel Lehmann bekannt gegeben, weiterhin um das Amt des Gossauer Stadtpräsidenten zu kämpfen. Dass Lehmann nicht aufgebe, sei lobenswert, schreibt Redaktor Adrian Lemmenmeier in seinem Kommentar. Trotzdem hätte die Partei seiner Meinung nach einen erfahrenen Hasen ins Rennen schicken müssen.
12. Dezember 2017, 07:06
Adrian Lemmenmeier

Die CVP kandidiert mit Daniel Lehmann auch im zweiten Wahlgang für das Gossauer Stadtpräsidium. Dies, obwohl Lehmann im ersten Wahlgang 331 Stimmen weniger machte als der auswärtige Parteilose Wolfgang Giella. Das riecht nach Verzweiflung.

Zwar muss man Daniel Lehmann zugute halten, dass er nicht auf halber Strecke aufgibt. Dass er den Bettel nicht hinschmeisst, bloss weil er wider Erwarten weniger Stimmen machte als Wolfgang Giella. Dass er kämpfen will, wie er sagt. Das alles ist lobenswert.

Verzweifelt scheint weniger der Kandidat als vielmehr die Partei: die CVP. Und dies aus gutem Grund: Nach einer völlig unerwarteten Niederlage im ersten Wahlgang müsste von ihr nun ein erfahrener Hase ins Rennen geschickt werden. Aber will sich ein solcher beim Versuch, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, die Finger verbrennen? Kaum. An der gestrigen Medienkonferenz wollte man sich nicht dazu äussern, ob man auch andere Kandidaten angefragt habe.

Verloren ist das Spiel für die CVP indes noch nicht. 820 Stimmen gingen im ersten Wahlkampf weder an Daniel Lehmann noch an Wolfgang Giella. Auf Lehmanns Kampfansage müssen nun aber Taten folgen. Dabei kann er sich nicht auf seinen Heimvorteil verlassen, sondern muss sich mit Leib und Seele in den Wahlkampf stürzen. Die unentschlossenen Stimmbürger müssen den «Gossauer für Gossau» spüren. Sonst wählen sie den Bündner.

Adrian Lemmenmeier
adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch


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