Postelle Waldkirch ist Geschichte

WALDKIRCH ⋅ Seit Montag haben die Bewohner aus Waldkirch keine Post mehr. Neu können sie in der Volg-Filiale ihre Pakete und Briefe aufgeben. Das Angebot wurde bereits rege genutzt.
31. Oktober 2017, 05:17
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin

redaktiongo

@tagblatt.ch

«Und hier sollen wir sofort drauskommen?» Eine ältere Frau steht vor dem Postautomaten, kratzt sich etwas ratlos den Kopf. In der Hand hält sie einige Briefe, einen davon will sie einschreiben. Sogleich ist eine Angestellte der Post zur Stelle, nimmt die Kundin an der Hand und zeigt ihr, wie sie künftig ihren Briefwechsel in der Volg-Filiale tätigen kann. «Wir werden uns dran gewöhnen», sagt Irene Aerni, eine andere Kundin. Auch sie wohnt in Waldkirch und bringt an diesem Montagmorgen zum ersten Mal ihre Briefe nicht mehr zur Poststelle, sondern direkt in die Volg-Filiale. Vergangene Woche war die Poststelle in Waldkirch zum letzten Mal geöffnet, gestern Montag wurde der Betrieb der Postagentur im Volg aufgenommen.

Trotz Verlusts Freude über längere Öffnungszeiten

Inzwischen hat sich bereits eine kurze Schlange vor der Kasse gebildet. «Wir haben einen Knopf wegen des Barcodes», sagt eine Volg-Angestellte. Auch hier kann die Fachfrau der Post weiterhelfen. Jennifer Von Mentlen trägt indes ein Zalando-Paket herein. «Es ist schade, dass die Poststelle in Waldkirch geschlossen wurde», sagt sie. Im Dorf aufgewachsen, gehörte die Filiale für sie einfach dazu. «Es ist etwas verloren gegangen.» Positiv hingegen seien die längeren Öffnungszeiten.

Auch Irene Aerni findet es schade, dass die Gemeinde künftig über keine eigene Poststelle mehr verfügt. Sie stehe der Neuerung aber aufgeschlossen gegenüber. Briefe aufgeben und gleich noch den Einkauf tätigen – es bieten sich auch gewisse Vorteile. «Vielleicht wird es künftig aber ein wenig eng im Volg?», gibt sie zu bedenken. Und wirklich: War der Kassenbereich vorher übersichtlich gehalten, müssen die Kunden nun näher aufrücken, damit alle Platz finden. Auch die Mitarbeiter werden künftig noch mehr zu tun haben.

Einzelne Reaktionen sind dem Gemeindepräsidenten Aurelio Zaccari bekannt. Diese betreffen in erster Linie die Zufahrt- und Parkplatzsituation beim Volg. Auch für die Postfächer wurde bisher noch kein definitiver Standort gefunden. Ein solcher soll aber in den nächsten Wochen realisiert werden. Alles in allem müssen nun erste Erfahrungen gemacht werden. «Von den möglichen Varianten war die Lösung ‹Filiale mit Partner› aus unserer Sicht die Beste», sagt Zaccari.

Seit dem Infoabend der Post im April zum Thema «Überpfrüung der Poststelle» bis zur definitiven Schliessung sind gerade einmal sechs Monate vergangen. Für die speditive Umsetzung findet der Gemeindepräsident auch lobende Worte. «Es fanden viele Gespräche mit den Verantwortlichen der Post und eine öffentliche Informationsveranstaltung statt. Es ist gut, dass die Umsetzung nun nicht noch lange hinausgezögert wurde.» Man könne der Post-Integration in die Volg-Filiale nämlich auch Positives abgewinnen: «Nun wollen wir das örtliche Gewerbe noch weiter stärken.»


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