Ein Stadtbus gegen den Stau

GOSSAU ⋅ Die SP Gossau-Arnegg will die Förderung des öffentlichen Verkehrs an die Hand nehmen. Dafür holt sie ein altes Konzept aus der Schublade und legt eine neue Idee obendrauf. Die Bürgerlichen sind skeptisch.
04. April 2018, 05:22
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

«Hausgemacht» sei das Verkehrsproblem in Gossau. Stadtpräsident Alex Brühwiler und Vertreter des Kantons haben kürzlich am Stadtapéro bekannt gegeben, dass alle 16 ausgetüftelten Varianten zur Entlastung des Verkehrs im Ortskern untauglich seien («Tagblatt» vom 26. März). Für Kämpfer wie Willi Braun von der IG Langfristverkehr war diese Kunde ein Schock. Die SP hingegen sieht sich darin bestätigt, dass das Verkehrsproblem nicht mit neuen Strassen zu lösen sei. Sie hat den Appell des Kantons, die Gossauer Bevölkerung müsse ihr Verhalten ändern, aufgenommen und fordert in einem Communiqué die Förderung des öffentlichen Verkehrs.

Zum einen kündigt SP-Fraktionspräsident Florian Kobler zwei politische Vorstösse in den nächsten Monaten an. Die SP wünsche sich eine öffentliche Diskussion zum Thema. Sie nennt im Schreiben auch zwei Vorschläge, wie der ÖV ausgebaut und attraktiver ausgestaltet werden kann. Sie bringt den Stadtbus wieder ins Spiel und will einen Gratis-ÖV am Wochenende.

Stadtbus-Diskussion zum Dritten

2007 lehnte das Stimmvolk den Versuchsbetrieb für einen Stadtbus mit 66 Prozent der Stimmen ab. Fünf Jahre später stiess die Stadtverwaltung den Stadtbus erneut an. Und nun begründet die SP ihren jetzigen Anlauf: «Die Vorzeichen haben sich grundlegend geändert. Ein attraktiver Stadtbus muss wieder zum Thema werden.» Die Flig findet die Stossrichtung gut. Fraktionspräsident Stefan Harder erinnert daran, dass die Flig das damalige Stadtbuskonzept unterstützte. An dieser Haltung habe sich nichts geändert. Die Wohnquartiere sind aus Sicht der Flig teils nur unbefriedigend mit dem öV erschlossen – teils fahren die Busse nur stündlich, zuweilen verpasse man den Zug zur Weiterfahrt.

Der Stadtbus als Lösung für das Verkehrsproblem kann Roman Steiger, Fraktionspräsident der CVP, nicht wirklich begeistern. Grundsätzlich sei er ja nicht gegen die Förderung des öV, aber man müsse jeweils genau hinschauen, ob mit der Massnahme auch tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt werde.

FDP-Fraktionspräsident Sandro Contratto stellt sich dezidiert gegen die öV-Ausbauideen der SP. Es brauche weder neue subventionierte Busverbindungen noch neue «Bevormundungen in der Mobilitätserziehung». Die Meinung der FDP habe sich auch im Kontext der neuen Fakten nicht geändert. Markus Rosenberger, Fraktionspräsident der SVP, stösst ins selbe Horn wie sein Kollege von der FDP. Mehr Busse könnten das Problem sogar verschärfen. «Auch Busse, welche die Quartiere erschliessen, müssen über die St. Gallerstrasse», sagt Rosenberger. Zudem sieht er keinen Bedarf an zusätzlichen Bussen. Er selber beobachte nicht selten Busse, die fast ohne Fahrgäste durch die Stadt tuckern.

Bürgerliche sind gegen Gratis-ÖV

Der Gratis-ÖV am Wochenende findet ebenfalls nur bei der Flig Zuspruch. Stefan Harder kann sich einen Versuch vorstellen, allerdings ist ein solches Angebot aus seiner Sicht unter der Woche sinnvoller. Roman Steiger sieht das Problem ebenso: «Am Wochenende gehen viele Leute einkaufen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand wegen des Gratisangebots seinen Wocheneinkauf mit dem Bus transportieren will.» Sandro Contratto hält noch weniger von einem Gratisangebot, denn: «Das Verursacherprinzip wird dadurch ausgehebelt», moniert er. Rosenberger gibt sich relativ zurückhaltend: «Aus heutiger Sicht ist diese Idee nicht nötig.» Gegen neue Ideen sperre er sich im Grundsatz nicht. «Wir sind wohl an einen Punkt gelangt, wo wir die ganze Situation neu beurteilen müssen.»

 

 


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