Ein Eldorado für Libellen

FLAWIL ⋅ Im Botsberger Riet finden Libellen ideale Bedingungen vor. Ihre Zahl hat sich vervielfacht. Diese Entwicklung beobachtet der Gossauer Libellenkenner Alec Treagust.
29. Juli 2017, 08:09
Gianni Amstutz

Immer mehr Libellenarten leben im Botsberger Riet. Das konnte der passionierte Libellenspezialist Alec Treagust bei seinen Beobachtungen im Flawiler Naturschutzgebiet feststellen. Seit über 30 Jahren beschäftigt sich der 72-jährige Gossauer mit den flinken Insekten. «Ich habe mich bereits als Kind für Libellen interessiert. Meine Grossmutter erzählte mir damals, dass sie gefährlich sind, was meine Faszination für die Insekten noch verstärkte», erzählt Treagust. Allerdings seien Libellen komplett harmlos und könnten nicht stechen, obwohl man ihnen früher Namen wie Augenstecher, Teufelsnadeln und Teufelsstecher gegeben habe.

Artenvielfalt hat sich verdoppelt

Um sich zu vermehren, sind ruhende oder strömungsarme Gewässer für die meisten Libellenarten eine Grundvoraussetzung. Im Botsberger Riet finden sie dazu optimale Bedingungen vor. Dies zeigt sich auch in der Zunahme der Arten. Waren es im Beobachtungszeitraum von 2001 bis 2004 noch 16 verschiedene Libellenarten, die Treagust im Naturschutzgebiet feststellen konnte, schwirren mittlerweile 33 herum. Die Vielfalt hat sich also mehr als verdoppelt. Dies führt er auf verschiedene Faktoren zurück. «Entscheidend ist, dass die Gewässer im Botsberger Riet nicht verlandet sind.» Zudem biete die Umgebung für viele verschiedene Insektenarten gute Bedingungen, ausreichend Nahrung sei für Libellen deshalb vorhanden. Ausserdem seien in diesem Jahr die Ufer der Weiher vom Schilf befreit worden, was die Entdeckung der Libellen vereinfache, sagt Treagust. So hat er an einem Tag im Juli dieses Jahres 18 verschiedene Ar­ten gesichtet. «Sogar eine Gabel-Azurjungfer konnte ich entde­cken», freut er sich. Diese steht auf der Liste der gefährdeten Arten und kommt selten in der Ostschweiz vor. Grossen Anteil an den guten Verhältnissen im Botsberger Riet hat der Naturschutzverein Flawil und Umgebung. «Die Arbeit, die der Verein leistet, ist beispielhaft. Das Gebiet ist wahnsinnig gut gepflegt», schwärmt Treagust.

 

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch


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