Doppelt die SVP jetzt nach?

EUPHORIE ⋅ Die SVP Gossau-Arnegg feiert ihren Einzug in den Stadtrat, und einzelne Mitglieder träumen gar von einem weiteren Coup. Bei der CVP hingegen ist guter Rat teuer.
28. November 2017, 05:18
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

«Ja, wir haben schön gefeiert», sagt Neostadträtin Claudia Martin am Tag nach ihrer Wahl. Im Anschluss zur Bekanntgabe der Resultate im Fürstenlandsaal sind zahlreiche Vertreter der SVP und Gäste ins BBC gepilgert und haben dort auf den Wahlerfolg angestossen. Mit von der Partie war auch Pascal Fürer, Präsident der Ortspartei. «Die Wahl hat mich riesig gefreut», sagt er. Er habe ja schon gewusst, dass Claudia Martin Favoritin sei. Dass es aber gleich im ersten Durchgang klappt, damit habe er nicht rechnen können.

Obschon das eine oder andere Glas im BBC nachgefüllt wurde, habe man es nicht übertrieben. «Ich habe nach der Party mit der Familie zu Hause Znacht gegessen», sagt denn auch Martin. Und gestern Morgen stieg sie sogleich wieder in die Hosen: Zuerst stand die Sitzung der SVP-Kantonsratsfraktion auf dem Programm, danach ging die Session im Kantonsratssaal los.

Die Stadt Gossau kann durch Claudia Martins Wahl nun vorwärts blicken. Am 6. Dezember ist die Sitzung anberaumt, an der die Departemente verteilt werden. Wann Claudia Martin ihr Amt als Stadträtin aufnimmt, ist aber noch offen. «Die Abklärungen mit meinem Arbeitgeber laufen bereits», sagt sie. Ziel sei es, bereits Anfang Jahr beginnen zu können.

CVP prüft verschiedene Optionen

Für die CVP war der Wahlsonntag mit dem Resultat von Stadtpräsidentkandidat Daniel Lehmann äusserst unerfreulich. Anstatt zu feiern traf sich der Parteivorstand am Sonntagabend zur Beratung. Noch am selben Tag informierte Parteichef Elmar Hardegger, man habe noch keinen Entscheid zum weiteren Vorgehen fällen können. Auf Anfrage sagt Hardegger, dass die Ernüchterung am Sonntag gross gewesen sei. Man habe eine Analyse vorgenommen, wobei schwierig zu sagen sei, was zum enttäuschenden Resultat geführt habe. Dass es einen zweiten Wahlgang geben könnte, damit habe man zwar noch gerechnet. Dass Lehmann aber von Giella überholt wurde, sei eine Überraschung gewesen. Die kommenden Tage werden für den CVP-Präsidenten intensiv. Wie er sagt, wird man so rasch als möglich alle nötigen Abklärungen treffen. Optionen gebe es verschiedene, deshalb brauche es nun einige Tage, bis man das weitere Vorgehen bestimmen könne.

Bereits zu einer Sitzung getroffen hat sich auch die Findungskommission, die Wolfgang Giella als Kandidat aufgebaut hat. Man habe den positiven Wahlausgang ausgewertet, sagt SVP-Vertreter Markus Rosenberger. Über das weitere Vorgehen werde zu einem späteren Zeitpunkt gesprochen.

Tatsächlich ist nicht auszuschliessen, dass ein weiterer Kandidat auf den Schild gehoben wird. Beflügelt durch den Wahlsieg, wünschen einige SVP-Mitglieder eine parteieigene Kandidatur. Am Sonntag kam einmal mehr der Name Michael Götte ins Spiel. Der Tübcher Gemeindepräsident stand mit der Findungskommission in Kontakt und ist ein Wunschkandidat der SVP. Götte schliesst auf Anfrage nichts aus. Er werde zuerst einmal abwarten, was passiere. Die Strategie der SVP, sich vorderhand auf die Stadtratswahl zu konzentrieren, sei jedenfalls die richtige gewesen. So sind alle Augen wieder auf die CVP gerichtet, die in der schwierigen Lage ist – wie bereits im Sommer – den ersten Zug machen zu müssen.


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