Die Stadt Gossau sucht ihr Sprachrohr

INFORMATIONSPOLITIK ⋅ Per Umfrage sucht die Stadt nach einem Kanal für amtliche Mitteilungen. Zwischenzeitlich werden die «Gossauer Nachrichten» zum offiziellen Publikationsorgan.
11. April 2018, 08:48
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Gossau tüftelt an einem neuen Kommunikationskonzept. «Rechtzeitig, vollständig, verständlich» soll die Bevölkerung informiert werden, wie der Stadtrat in einer Mitteilung schreibt. Auf welchem Weg dies geschieht, ob in gedruckter Form oder online, ist allerdings noch offen. «Wir stehen noch ganz am Anfang», sagt Kommunikationsbeauftragter Urs Salzmann. Momentan führe die Stadt eine Situationsanalyse durch. Darin soll eine Bevölkerungsbefragung einfliessen.

Mehrere hundert Personen, zufällig ausgewählt, erhalten deshalb in den nächsten Tagen Post von der Stadt mit einer Einladung zu einer Onlinebefragung. Diese führt das Marktforschungsinstitut Demoscope AG im Auftrag der Stadt durch. Ziel seien 500 ausgefüllte Fragebogen, wie Urs Salzmann sagt. «Da sich auch in Gossau die Medienlandschaft in den nächsten Monaten verändern wird, nutzt der Stadtrat die Umfrage, um Hinweise auf die Informationsgewohnheiten der Bevölkerung zu erhalten», heisst es weiter.

«Gossauer Nachrichten» sind Übergangslösung

Die Stadt spielt mit dieser Formulierung auch auf das Ende der «Gossauer Zeitung (GoZ)» an. Ab Juli wird es das Medium in der jetzigen Form nicht mehr geben. Bereits im vergangenen Jahr wurde aus dem Blatt der «Tagblatt»-Gruppe ein regionaler Split der Wochenzeitung «A». Auch unter neuem Namen blieb die Zeitung amtliches Publikationsorgan von Gossau. Da sich der Titel in dieser Form für das «Tagblatt» nicht rentierte, wird er per Ende Juni eingestellt. Die Wochenzeitung «A» müssen die Gossauerinnen und Gossauer aber nicht missen: Sie erhalten künftig denselben Lokalteil wie St. Gallen und Rorschach, wie Stadtredaktionsleiter Daniel Wirth sagt.

Die Rolle als amtliches Publikationsorgan übernehmen derweil die «Gossauer Nachrichten». «Die ‹Gossauer Nachrichten› hatten bereits früher Interesse an der Funktion als amtliches Publikationsorgan signalisiert», schreibt das Blatt in einer Mitteilung in eigener Sache. Die Gratiszeitung wird, wie heute die GoZ, an alle Haushalte verteilt. Die Zeitung stand vergangenen August in den Schlagzeilen, als sie in die Hände von Christoph Blocher überging. Die Wiler Verleger- familie Zehnder hatte ihren Wochenzeitungsverlag an die BaZ Holding AG abgetreten, an der Blocher zu einem Drittel beteiligt ist. Insgesamt 25 Zeitungstitel – darunter die St. Galler, Wiler und Gossauer Nachrichten– wechselten den Besitzer. Für die Stadt Gossau spielte der politische Strippenzieher im Hintergrund keine Rolle im Entscheid, das Blatt zum Träger ihrer Amtsmitteilungen zu machen: «Die politische Stossrichtung der Zehnder-Blätter hat sich seither nicht wahrnehmbar geändert», sagt Urs Salzmann.

Ab 2019 ist alles offen

Die Stadt wird die gesetzlich vorgeschriebenen Inserate ab Juli in den «Gossauer Nachrichten» schalten. Der Auftrag ist unbefristet, mit dem neuen Kommunikationskonzept könnte er jedoch 2019 bereits wieder Geschichte sein. Alle Möglichkeiten seien offen, sagt Urs Salzmann – von einem eigenen Publikationsorgan bis hin zu einer Online-Plattform. Mit dem kantonalen Publikationsgesetz ist es ab Sommer 2019 erstmals möglich, amtliche Publikationen ausschliesslich im Internet zu veröffentlichen.

Das Konzept soll laut Salzmann spätestens Ende Jahr stehen. Der erste Schritt dazu, die Online-Befragung, soll bis Ende Mai abgeschlossen sein. Noch vor den Sommerferien sollen die Resultate im Stadtrat besprochen werden.


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