Nach SVP-Wahlsieg schärft die SP ihr Profil

GOSSAU ⋅ Die SP deutet die Wahl Claudia Martins in den Stadtrat als Rechtsrutsch. Sie kündigt an, ihren Oppositionskurs zu verschärfen. Die Flig bleibt ihrer Linie treu.
30. November 2017, 05:18
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Für die Flig und die SP ist die Ersatzwahl in den Stadtrat nicht wunschgemäss verlaufen. Mindestens einen zweiten Wahlgang hatte man sich gemeinhin gewünscht. «Ich habe mit mehr Stimmen für Stefan Harder gerechnet», sagt Flig-Präsident Alfred Zahner. Sein Kandidat erreichte mit 1045 Stimmen einen Wähleranteil von rund 21 Prozent. Natürlich habe man gewusst, dass Harders Chance klein sei. «Im Gegensatz zur SVP sind wir eine kleine Gruppe», sagt Zahner. Und da sich die Mitte-Links-Stimmen auf zwei Kandidaten verteilt haben, sei es für Harder umso schwieriger geworden. Dennoch würde Alfred Zahner wieder gleich handeln: «Wir betrachten es als unsere Aufgabe, der Stimmbevölkerung eine Auswahl zu bieten.»

Für die SP ist die Wahl zufriedenstellender verlaufen. In einem Communiqué, das die Partei nach dem vergangenen Wahlsonntag verschickt hat, schreibt sie von einem «guten Abschneiden» ihrer Kandidatin Monika Gähwiler-Brändle. Dank eines «engagierten und sympathischen Auftritts» gelang es ihr, mit 1365 Stimmen Stefan Harder zu übertrumpfen. Die SP wertet den Wähleranteil von rund 28 Prozent als Achtungserfolg, zumal dieser mehr als dem doppelten Wähleranteil der SP entspreche. «Der Aufwärtstrend der SP setzt sich fort», konstatiert die Partei in ihrer Mitteilung.

Genau hinschauen und Gegensteuer geben

Die Flig wie auch die SP gratulieren Claudia Martin zum Wahlsieg. Die Flig sieht wegen des Einzugs der SVP in den Stadtrat keinen Anlass, eine Kurskorrektur vorzunehmen. In ihrer Medienmitteilung wünscht sie Claudia Martin eine erfolgreiche Zeit im Stadtrat und hält fest, dass die wählerstarke SVP nun entsprechend Verantwortung übernehmen kann. «Alles in Allem ist es für Gossau nicht schlecht, wenn die SVP im Stadtrat vertreten ist», sagt Alfred Zahner, der zugleich aber festhalten will, dass man sich im Parlament deswegen nicht einfach zurücklehne. «Wir werden eine konstruktive Kraft bleiben, aber weiterhin genau hinschauen.»

Die SP ihrerseits «bedauert, dass der Stadtrat noch weiter nach rechts rutscht». Man müsse sich im Parlament nun noch konsequenter für den gemeinnützigen Wohnungsbau und für Fussgänger und den Veloverkehr einsetzen. «Wir werden unsere Oppositionsrolle verstärken», bestätigt SP-Parteichef Ruedi Blumer auf Anfrage. Claudia Martin sei im Vergleich zu ihrem Vorgänger Stefan Lenherr deutlich rechter. «Mit Lenherr hatten wir zum Beispiel im gemeinnützigen Wohnungsbau einen Verbündeten», erklärt Blumer. Während er ein Linksausleger der CVP gewesen sei, komme mit Claudia Martin nun eine SVP-Hardlinerin.

Kritik an Wirtschaftsverbänden

Blumer und Zahner haben auch bei der Ersatzwahl ins Stadtpräsidium eine wichtige Rolle gespielt. Beide sind Mitglieder der Findungsgruppe, die Wolfgang Giella als Kandidaten aufgestellt hat. Ihnen kam gelegen, dass es sich bei Giella um einen eingemitteten Kandidaten handelt. Letztlich konnten beide die Parteibasis für den eigenen Kandidaten gewinnen.

Ruedi Blumer sieht sich aufgrund des Wahlresultats in seiner Kritik an der Wirtschaftslobby bestätigt. «Der Wahlausgang zeigt doch, dass sich die Stimmbürger einen breit abgestützten Stadtpräsidenten wünschen.» Das Vorgehen der Handels- und Industrievereinigung Gossau habe dazu geführt, dass Daniel Lehmann stark als Wirtschaftsvertreter betrachtet werde. Zahner äussert sich auch zur Rolle des Gewerbevereins. Er bedauere, dass dieser Wolfgang Giella nicht die Möglichkeit geboten habe, sich den Mitgliedern vorzustellen.

Wie es für den zweiten Wahlgang vom 28. Januar aussieht, weiss bis jetzt niemand. Die CVP prüft derzeit verschiedene Optionen und will das weitere Vorgehen bald festlegen. Die Findungskommission hat ebenfalls noch nicht definitiv entschieden, wie sie den zweiten Wahlgang bestreiten wird.


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